Die Schulen und Familien im Kreis Euskirchen hatten nicht viel Zeit, um zu reagieren: Am 12. Januar hatte das Land wegen der Glatteisgefahr Distanzunterricht angeordnet.
Aus Pandemie gelerntGlatteiswarnung - Schulen im Kreis Euskirchen setzten auf Homeschooling

Homeschooling: Im Kreis Euskirchen wurden vielerorts die Schulaufgaben am Esstisch im Wohnzimmer erledigt.
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Papa sitzt am Laptop, Mama am Rechner. Die Tochter brütet über den Aufgaben im „Lies-Mal-Heft“ und schreibt anschließend den Wochensatz ab – und das alles am großen Tisch im Esszimmer. Winterliches Homeoffice und Homeschooling im Distanzunterricht: Dieser Montag hatte gefühlt etwas von der Corona-Pandemie. Zwar liegt die erst gut fünf Jahre zurück, doch das angekündigte Glatteis sorgte für eine Art Zeitreise in die verdrängte Vergangenheit.
Wegen der Gefahr von Glatteis hatte das Land NRW für den Montag landesweit Distanzunterricht angeordnet. In den Schulen werde lediglich eine Notbetreuung angeboten, teilte das Schulministerium am Sonntagnachmittag mit. Diese war allerdings nicht für Schüler gedacht, deren Eltern keine alternative Betreuung organisieren konnten. Sie galt ausschließlich für Schülerinnen und Schüler, die nicht mitbekommen hatten, dass sie zu Hause bleiben sollten.
Die Kopierkosten sind enorm geschrumpft. Dafür müssen wir Geld ausgeben, um digitale Lizenzen zu kaufen.
In der Marienschule in Euskirchen saß Schulleiter Michael Mombaur am Montag mit dem Hausmeisterteam allein in der Schule. Zwar hatte laut Mombaur am Sonntagnachmittag ausgerechnet das E-Mail-System des Landes kurzzeitige Aussetzer, so dass die entsprechenden Elterninformationen nicht sofort das Schulpostfach verließen, doch die Info kam dennoch überall an.
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„Wir sind deutlich weiter als noch vor ein paar Jahren. Das Aufwendigste ist tatsächlich, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele zu erreichen. Aber über die Whatsapp-Gruppen verbreitet sich so etwas immer schnell“, so Mombaur.
Die vom Euskirchener Gymnasium genutzten digitalen Plattformen greifen laut dem Schulleiter aber nicht nur in Krisensituationen wie der Ankündigung von Glatteis. Auch wenn ein Lehrer kurzfristig oder länger ausfalle, werde die Möglichkeit genutzt, Unterrichtsinhalte digital an die Schülerschaft oder die Kollegen zu übermitteln. „Die Kopierkosten sind enorm geschrumpft. Dafür müssen wir Geld ausgeben, um digitale Lizenzen zu kaufen“, so Mombaur. „Grundsätzlich hat sich die Vertretungssituation entspannt und qualitativ verbessert, weil die Kollegen konkret an die aktuellen Lerninhalte andocken können.“
Hausaufgaben wurden per App gestellt
Eine Mutter aus dem Raum Mechernich berichtet, dass aus ihrer Sicht die Waldorfschule in Satzvey die Situation gut organisiert habe. „Da kamen am Sonntag rechtzeitig Mails. In unserem Fall sind es die siebte und elfte Klasse, wobei die Siebener Materialien mit Arbeitsaufträgen bekommen haben. Die Elfer, die ja kurz vor dem Abschluss stehen, hatten Online-Präsenz via Teams“, so die Mutter.
In der Whatsapp-Gruppe einer zweiten Klasse in Euskirchen wurde indes heiß diskutiert, ob die Maßnahme des Landes nicht übertrieben sei. „Da kann man ja die Schulen auch ganz dicht machen“, schrieb eine Mutter von zwei Kindern. Im Laufe des Nachmittags wurden die Diskussionen dann aber ruhiger. Die Aufgaben fürs Homeschooling kamen in diesem Fall über die App „Schoolfox“ – inklusive des entsprechenden Arbeitsblatts, das man entweder auf dem Tablet öffnen oder ausdrucken konnte.
Grundschule in Dahlem nutzt App „Schoolfox“
Auch an der Grundschule in Dahlem wird Schoolfox genutzt. „Alles ist gut gelaufen, gestern gab es die Schoolfox-Nachricht, einige Eltern wurden noch angerufen, da sie die Nachricht in der App nicht bestätigt hatten“, sagte Schulleiterin Mirjam Schmitz am Montag: „Es ist kein Kind an der Schule angekommen.“ Aufgaben fürs Distanzlernen gab es schon am Sonntagabend via App. „Von 9 bis 11.45 Uhr waren wir Lehrer in einer Online-Dienstbesprechung“, berichtete Schulleiterin Schmitz.
Weilerswister Gesamtschule informierte über mehrere Kanäle
Auch die Gesamtschule Weilerswist musste am Sonntag kurzfristig reagieren. Laut Schulleiter Stephan Steinhoff wurden alle Beteiligten über verschiedene Kanäle informiert. Demnach seien Ausweichpläne mittels des Programms „Schulmanager“, über die Homepage der Gesamtschule sowie die sozialen Medien Facebook und Instagram ausgespielt worden.
Die Lehrkräfte seien gebeten worden, über die E-Learning-Plattform der Gesamtschule entsprechende Arbeitsmaterialien und -aufträge für die Schülerinnen und Schüler bereitzustellen, schilderte Steinhoff: „Die Kollegen sind angehalten, die Aufgaben für den Tag anzupassen.“
Erfahrungswerte aus der Pandemiezeit seien für die Lehrerinnen und Lehrer hilfreich, um den Umfang solcher Aufgaben abschätzen zu können. Steinhoff: „Es ist ein eingespieltes Verfahren.“ Auf der Seite der Schülerschaft sei es von Vorteil, dass sie nach dem Dalton-Lernkonzept unterrichtet werden. Für diese Methode ist zentral, dass die Kinder und Jugendlichen, begleitet vom Lehrpersonal, selbstständig lernen.
Schulleiter Stephan Steinhoff spricht von gelungener Umsetzung
Laut Steinhoff war es hilfreich, mit einer schuleigenen Plattform arbeiten zu können. Er habe von Schulen, die auf einen gemeinsamen Server zugreifen, gehört, dass es Probleme wegen einer Überlastung gegeben habe. Informationen über mehrere Kanäle weiterzugeben, ist gemäß Steinhoff erfolgreich gewesen: Zumindest bis zum Zeitpunkt 9.20 Uhr seien keine Kinder oder Jugendliche im Schulgebäude gewesen. Und falls die Infos doch nicht zu jedem durchkommen? „Es gibt ein paar Kolleginnen, die eine Notbetreuung vor Ort anbieten können, falls Kinder in die Schule kommen“, antwortete der Schulleiter.
Für die Schulschließungen in NRW zeigte er Verständnis: „Wir haben Kolleginnen, die kommen aus der Eifel. Es ist in die eigene Verantwortung gestellt, ob die Lehrkräfte anreisen. Für die Schüler tragen die Eltern die Verantwortung. Grundsätzlich ist es in Ordnung, vorsichtig zu sein, auch wenn es im Nachhinein nicht glatt ist.“
Den Zeitpunkt und die Art der Vermittlung seitens des Schulministeriums sieht Steinhoff als verbesserungsfähig an: „Ich finde es misslich, wenn die Schulen vom Ministerium erst spät, teils zeitgleich mit den Medien, in Kenntnis gesetzt werden. Am Sonntag habe ich nicht ganztägig den Laptop offen, um die Schulmail zu empfangen. Die E-Mail zur Schulschließung am Montag kam um 14.40 Uhr an.“
Kinder an Kaller Grundschule sind komplett mit iPads versorgt
Gespenstische Ruhe herrschte auch in der Kaller Grundschule, die Klassenräume waren verwaist, der Schulhof leer. „Wir haben über den Messengerdienst alle Eltern informiert, dass die Schule geschlossen bleibt und die Lehrer gegen 8 Uhr den Kindern durchgeben, was an dem Tag zu bearbeiten ist“, erklärte Schulleiterin Marianne Rütt, die mit Konrektorin Claudia Zens und sechs Lehrerinnen die Stellung hielt.

Am 12. Januar 2026 waren Schulen in NRW wie die Kaller Grundschule verwaist.
Copyright: Wolfgang Kirfel
Zum Teil seien Lerninhalte auch im Internet hinterlegt. Eine Notbetreuung sei nicht nötig gewesen, weil am Morgen keine Kinder vor der Schule gestanden hätten. „Es war gut, dass die Entscheidung für die Schulschließungen frühzeitig gefallen ist und wir so Zeit hatten, zu reagieren“, ergänzte Zens.
„Bei uns läuft es ganz geschmeidig. Wir sind in der komfortablen Situation, dass alle 430 Kinder iPads haben“, meinte Georg Jöbkes, Leiter des Johannes-Sturmius-Gymnasiums in Schleiden. Deshalb sei der Distanzunterricht kein Problem. Auch wenn dieser Unterricht für die Fünft- und Sechsklässler ungewohnter sei als für Oberstufenschüler. „Der Distanzunterricht hat sich während der Corona-Pandemie eingespielt“, so der Schulleiter.
Alle Eltern seien am Sonntag per E-Mail über die Schließung informiert worden. Am Morgen sei kein Kind zur Schule gekommen. Nur einige Lehrer hätten sich auf den Weg gemacht, um Schüler im Fall der Fälle betreuen zu können.
Streusalz in Bad Münstereifel eingetroffen
Erleichterung beim Bauhof in Bad Münstereifel: Am Montagmorgen ist nach Angaben der Verwaltung die lang ersehnte erste Salzlieferung eingetroffen. Weitere Transporte sollen in den kommenden Tagen folgen. Trotz des schwindenden Lagerbestands musste der Winterdienst am Wochenende – anders als zunächst befürchtet – keine Einschränkungen vornehmen.
Die Mitarbeiter waren allerdings durch die Witterung stark gefordert. Zusätzliche Schwierigkeiten bereitete am Wochenende der Ausfall eines Streufahrzeugs. Dank des schnellen Einsatzes eines Mitarbeiters, der ein Ersatzteil kurzfristig in Koblenz besorgen konnte, blieb der Winterdienst jedoch vollständig handlungsfähig.

