Abo

Die Gruppe ist das ErlebnisBeim Singlewandern in der Eifel ist man nicht allein unterwegs

7 min
Eine Gruppe Menschen, von hinten fotografiert, geht durch den Wald.

Beim Singlewandern, das auch in der Eifel angeboten wird, können Alleinstehende ins Gespräch kommen.

Ungezwungene Atmosphäre zeichnet die Gruppen beim Singlewandern durch die Eifel und in der Region aus. Eine Partnervermittlung soll es nicht sein.

Blick auf den Eiserbachsee: Einige sprechen bereits miteinander. Am Sonntagmorgen trifft sich eine Gruppe Wanderinnen und Wanderer in Rurberg am Parkplatz Seeufer. Die 16 Personen sind sich einig – perfektes Wanderwetter, leicht bewölkt. Eine rund elf Kilometer Strecke zur Urfttalsperre steht ihnen bevor. Neben der Wanderung haben sie noch etwas gemeinsam: Alle sind Singles.

Statt stundenlangem Hin- und Herschreiben, gefolgt von einem holprigen Abendessen, verspricht die Veranstaltungsreihe „Singlewandern“ einen ungezwungenen Austausch mit Gleichgesinnten. Falls sich hieraus nichts ergebe, sollen den Teilnehmenden Gespräche und Bewegung in der Natur bleiben. Im Gegensatz zum klassischen Eins-zu-Eins-Treffen bei Tisch lasse sich die Unterhaltung beim Wandern in der Gruppe einfacher durchmischen, so die Idee.

„Die Hauptsache ist, dass alle einen schönen Tag haben“, sagt Wanderführerin Elke Griskewitz in die Runde. Sie hat Wasserflaschen mitgebracht, an denen sich alle bedienen können. „Ich hätte es von deiner letzten Tour wissen müssen – wenn du da bist, ist man versorgt“, ruft ihr Lothar zu. Es ist die dritte Singlewanderung des 64-Jährigen. Vorher sei er noch nie gewandert.

Die Mehrheit der Teilnehmenden wandert hobbymäßig

Damit stellt er die Ausnahme dar. In einer kurzen Vorstellungsrunde berichten die meisten, dass sie oft wandern. Unterschiedlich sind hingegen die Heimatorte und -städte: Mönchengladbach, Erftstadt, Heinsberg, Bonn, Aachen, Mechernich, Köln, Leverkusen, Eupen.

Elke Griskewitz trägt einen Wanderrucksack und zeigt vor einer Karte auf etwas, das außerhalb des Bildes liegt.

Wanderführerin Elke Griskewitz plant für das Singlewandern individuelle Routen.

Nach Elke Griskewitz' Erfahrung gehen auf den Strecken in der Eifel oft Menschen mit, die nicht unmittelbar aus der Nähe, aber aus der Region kommen. Das Durchschnittsalter liege meist bei über 50 Jahren. Sie selbst lebt seit 25 Jahren in der Eifel und durchwandert die Gegend seit über zehn Jahren.

Eigentlich sollte die Single-Gruppe dieses Mal 20 Personen umfassen, es gab aber ein paar krankheitsbedingte Absagen. 20 ist auch die maximale Zahl an Teilnehmenden, mindestens acht Anmeldungen müssen vorliegen, damit eine Wanderung zustande kommt. Wie Veranstalter Frank Kramer am Telefon mitteilte, findet im Vorhinein kein Auswahlverfahren statt – weder nach Alter noch Geschlecht.

Gruppen werden unabhängig von Alter und Geschlecht gebildet

Zu Beginn des Singlewanderns, im Juni 2021, habe es drei verschiedene Altersgruppen gegeben, berichtet Kramer: „Das wurde Ende 2023 auf Wunsch der Teilnehmer und nach Rücksprache mit den Reiseführern wieder eingestellt.“ Die Gespräche seien viel dynamischer, wenn sich junge und alte Teilnehmer gemischt miteinander unterhalten.

Weiter sagt der 59-jährige Veranstalter: „Anfänglich sollte es immer ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen sein. Wir haben aber festgestellt, dass die Buchungsverhalten von Männern und Frauen unglaublich unterschiedlich sind. Frauen buchen tendenziell viel weiter im Voraus, Männer buchen eher zwei, drei Wochen im Voraus.“ Dadurch, dass nicht im Vordergrund stehe, den Partner fürs Leben zu suchen, sei die Geschlechterverteilung bei den Wanderungen auch eher nachrangig, sagt Kramer: „Die Gruppe an sich ist das Erlebnis.“

Wanderung von Rurberg zur Urfttalsperre bietet Naturerlebnisse

Bei der Wanderung von Rurberg zur Urfttalsperre gehen drei Männer und 13 Frauen mit. Führt das zu Enttäuschungen? Die 34-jährige Stefanie hat mit mehr jüngeren Menschen gerechnet – enttäuscht ist sie aber nicht. Kürzlich, so die kaufmännische Angestellte, habe sie bei einer Dating-Veranstaltung mit 240 Personen mitgemacht. Männer und Frauen hätten sich dabei an einem Tag an verschiedenen Orten getroffen. Ihr Beweggrund fürs Singlewandern? „Ich wollte etwas Naturverbundenes machen.“

Auch Stefan stört sich nicht an der Verteilung: „Ich bin nicht mit großer Erwartung reingegangen. Auch wenn man keinen kennenlernt, hat sich der Tag für die Wanderung gelohnt.“ Bis jetzt sei die Urfttalsperre immer am 51-Jährigen vorbeigegangen. Nach seiner Scheidung wolle er gerne etwas Schönes mit neuen Leuten unternehmen. „Ich habe zwei nette Läuferkolleginnen kennengelernt, das macht das Ganze angenehm.“

Eine individuelle Route und eine süße Mittagspause

Bei ihren Wanderungen wählt Elke Griskewitz individuelle Wege: „Es ist keine Eifelschleife. Die Route habe ich zusammengestellt.“ Erfahrungsgemäß seien 13 oder 14 Kilometer etwas zu lang, daher wählt sie die Route von rund elf Kilometern. Auch das Höhenprofil sollte nicht zu anspruchsvoll sein, erläutert die Wanderführerin. An Stopps streut sie Wissen zur Region ein: „Ich lasse die Leute größtenteils in Ruhe. Wenn die Gruppe ins Gespräch kommt, ist das super.“

So wie bei der Picknickpause beim Eifel-Blick Hirschley. Elke Griskewitz gibt süße Snack-Verstärkungen in die Runde – Claudia, Elke (nicht Griskewitz) und Miriam unterhalten sich über Wanderhosen. Gegenüber am Tisch tauscht man sich über die Herkunft aus.

Die Aufnahme zeigt den Rursee, der sich durch die grüne Landschaft schlängelt.

Der Eifel-Blick Hirschley bietet einen schönen Ausblick auf den Rursee.

Auf einem Holztisch liegen verpackte Süßigkeiten im Vordergrund. Im unscharfen Hintergrund werden weitere Süßigkeiten ausgeschüttet und Menschen sitzen am Tisch.

Als kleine Belohnung zur Mittagspause gibt's Süßigkeiten für die Wanderinnen und Wanderer.

Ralph ist Belgier und mit 67 der Älteste der Runde. Er nimmt teil, um neue Leute kennenzulernen, eventuell auch eine Partnerin. „Das Gemischtsein der Generationen ist toll“, schwärmt er. Ihm gefalle die Offenheit. Nach 38 Jahren als Koch verkaufe er mittlerweile maßgeschneiderte Hemden – er zeigt grinsend auf sein eigenes. „Mein ganzes Leben ist schnell gewesen, das möchte ich nicht aufgeben. Wenn es irgendwie geht, möchte ich noch jemanden kennenlernen.“

Man lernt andere Leute und die Gegend kennen

Auch bei Anne ist einiges los. Die 51-Jährige war als Fachreferentin häufig im Ausland unterwegs. Derzeit arbeitet sie in der Behindertenassistenz. Es ist ihre erste Wanderung nach einer Thrombose-OP. Über Facebook ist sie auf das Angebot aufmerksam geworden. Anne gefällt es, dass die Menschen hier unverstellt unterwegs sind: „Hier trägt keiner Anzug, keiner ist überparfümiert, keine überschminkt. Hier sind aktive, kommunikative Menschen, die auf mich bodenständig wirken.“

Während der Wanderung kommt sie unter anderem mit Susanne ins Gespräch. Susanne berichtet von schlechten Erfahrungen, die sie mit einer hochpreisigen Partnervermittlung in Köln gemacht hat. Durch einen Fernsehbeitrag sei sie, so die 65-Jährige weiter, aufmerksam und neugierig auf das Singlewandern geworden. „Ich bin bewegungshungrig und wollte gerne neue Leute kennenlernen. Man lernt auch die Gegend kennen“, lobt sie.

Mehrere Frauen gehen durch den Tunnel auf dem Lehrpfad „Wilder Weg“, auf der rechten Seite befinden sich Infotafeln.

Informativ: Der Lehrpfad „Wilder Weg“ hält im Kermeter viel Wissenswertes bereit.

Die Wandergruppe geht mit dem Rücken zur Kamera einen Steg in Richtung eines Schiffs entlang.

Auf der Rückfahrt via Fähre waren die Teilnehmenden noch in Gespräche vertieft.

Nach Wildem Kermeter und Wildem Weg bringt ein Schiff die Gruppe über den Obersee nach Rurberg zurück. Ralph ist nach der Tour zufrieden: „Ich habe liebe Leute kennengelernt, und das Wetter hat mitgespielt.“ Stefanie kann die Wanderung empfehlen – es sei ein seriöses Angebot. Sie würde aber einen modernen Ansatz ergänzen: „Ein Online-Profil wäre schön, um ein paar Infos zu den anderen zu haben.“

Anne und Susanne sprachen während der Wanderung über die Verluste ihrer Ehemänner vor einigen Jahren. Susanne hat von einer anderen Wanderin Tipps für Dating-Angebote bekommen, die sie nutzen möchte. Stefan hat Nummern ausgetauscht.

Wir sind keine Partnervermittlung. Wenn sich Paare finden, ist das ein schönes Add-on.
Frank Kramer, Veranstalter des Singlewanderns

Der Veranstalter des Singlewanderns, Frank Kramer, kam im Herbst 2020 bei einem Urlaub in Österreich mit seiner Frau auf die Idee, die Aktivität zum Draußen-Kennenlernen auch in Deutschland anzubieten. In Wien gebe es ein vergleichbares Angebot bereits seit 30 Jahren, berichtete der Sauerländer. Seit 2021 gibt es die Wanderungen auch in Deutschland. „Erst kam das Münsterland hinzu, dann Ruhrgebiet und Eifel, dann Köln und Umgebung und weitere Orte“, so Kramer.

„Wir machen über 200 Wanderungen im Jahr, schätzungsweise um die 30 Wanderungen in der Eifel – es gibt keine Saison“, sagt er: „Wanderungen werden nur bei Unwetterwarnung oder nach Einschätzung der Wanderführer abgesagt. Über 20 zertifizierte Wanderführer sind aktiv“. Die Bild- und Wortmarke „Singlewandern“ sei, so Kramer, geschützt.

Das Angebot von Singlewandern beschreibt er wie folgt: „Wir sind keine Partnervermittlung. Wenn sich Paare finden, ist das ein schönes Add-on. An Weihnachten 2024 gab es eine Hochzeit – solche schönen Momente motivieren weiterzumachen.“ Es gebe auch zahlreiche Anfragen für queere Wanderungen. Aktuell entwickle man weitere Angebote, um auch diesen Nachfragen nachzukommen. „Wir bieten inzwischen auch Wanderwochenenden mit Übernachtungen an.“ Auch ganze Wanderwochen seien vorgesehen.

Termine für Wanderungen in der Eifel und Region

In der Eifel und der Region werden in den kommenden Monaten mehrere Wanderungen angeboten.

29. März: Eickser Busch mit Blick auf das Schloss. Die mittelschwere Wanderung über elf Kilometer soll etwa 3,5 Stunden Gehzeit beanspruchen. Kosten: 27,50 Euro.

6. April: Rund um den Obermaubacher Stausee. Auch diese Wanderung wird als mittelschwer angegeben. Bei der Länge von neun Kilometern ist mit einer reinen Gehzeit von etwa drei Stunden zu rechnen. Kosten: 27,50 Euro.

24. bis 26. April: Wanderwochenende im Siebengebirge: Es sind drei leichte bis mittelschwere Wanderungen vorgesehen, gute Kondition erforderlich. Am Freitag gibt es eine sechs Kilometer lange Kennenlernwanderung zu einem Restaurant (Selbstzahler). Am Samstag geht's durchs Siebengebirge (14 Kilometer). Die Abschlusswanderung am Sonntag geht über elf Kilometer. Kosten: 89 Euro.

14. Mai: Auf 11,5 Kilometern geht's auf die Spuren der Raubritter in Reifferscheid. Für die Auf- und Abstiege auf teils schmalen Pfaden ist Trittsicherheit erforderlich. Kosten: 27,50 Euro.

Zu allen Wanderungen ist eine Online-Anmeldung erforderlich. Zudem gibt es Angebote für zahlreiche weitere Destinationen.