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Viererkette der Redaktion Euskirchen
Experten sehen WM zwischen Sommermärchen und Showgeschäft

8 min
Deutschlands Spieler bejubeln das 1:0 gegen die USA.

Das letzte Testspiel hat Deutschland gegen die USA gewonnen. Doch zum WM-Fieber hat das Spiel nicht geführt.

Zum Auftakt der WM-Kolumne Viererkette der Redaktion Euskirchen sind Uwe Metternich und Doris Mager zu Gast: Was sagen Sie zum DFB-Kader?

Es ist Fußball-Weltmeisterschaft. Die Redakteure Thomas Schmitz und Tom Steinicke verzichten in den kommenden Wochen zwar auf Vuvuzelas, aber nicht auf den einen oder anderen verbalen Doppelpass mit Fußballfans aus dem Kreis Euskirchen. Mit der Zeitungs-Viererkette spielen sie sich durch die WM. Zum Auftakt sind die Fußballkreis-Vorsitzende Doris Mager und Uwe Metternich, Sportlicher Leiter des SV Sötenich, zu Gast, um über die WM zu philosophieren. Es geht um alles, und um nichts. Für die Gäste der kommenden Woche könnte das vor dem Spiel gegen die Elfenbeinküste schon anders aussehen.

WM-Maskottchen Pique hat sich eingebrannt

Tom Steinicke: Meine WM-Stimmung hält sich noch in Grenzen. Die Neuauflage des Trikots der WM 1994 liegt bereit, die doppelten Panini-Bildchen stapeln sich langsam. Warum ich noch nicht im Sommermärchen-Feeling bin? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist mir das alles zu kommerziell geworden. Das fängt schon bei den Panini-Bildchen an. Sieben Stück kosten 1,50 Euro. Die Sammelleidenschaft ist zum finanziellen Privileg geworden. Vor allem Kinder bleiben außen vor, weil ein nur ansatzweise gut gefülltes Sammelalbum wohl in keinem Taschengeldbudget drin ist.

Tom Steinicke im WM-Trikot von 1994 klebt Panini-Bilder ein.

Freude am Bildchen-Kleben hat Tom Steinicke.

Was ist für die deutsche Nationalmannschaft möglich? Der Gruppensieg ist Pflicht. Alles weitere muss sich entwickeln. Vielleicht kommt im Turnier ja doch noch eine Art Sommermärchen-Gefühl auf. Wobei Trainer Julian Nagelsmann im Vorfeld schon viel Gefühl kaputt gemacht hat. Die Kommunikation zur Kaderzusammenstellung war eine Katastrophe, nicht nur beim Comeback von Manuel Neuer.

Auch die Nachnominierung von Assan Ouédraogo für den verletzten Lennart Karl. Ob Saïd El Mala die bessere Option gewesen wäre, lässt sich nicht klären. Doch die Argumentation von Nagelsmann ist hanebüchen. Man hat das Gefühl, dass der Bundestrainer sich alles so schönredet, dass es für ihn passt. Natürlich muss er nicht die Meinung von 80 Millionen Sofa-Bundestrainern teilen, aber eine einheitliche Linie in der Argumentation wäre schon hilfreich.

Tom Steinicke

Tom Steinicke

ist in der Redaktion Euskirchen für den Kreis zuständig. Zudem unterstützt er den Lokalsport, ist auf der ständigen Jagd nach Geschichten sowie als Polizeireporter unterwegs. Das Volontariat hat er in...

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Für mich schließt sich ein kleiner WM-Kreis. Meine erste Erinnerung an eine Fußballweltmeisterschaft? 1986 in Mexiko, morgens früh im Fernseher die Zusammenfassung der Spiele in der Nacht. Eingeläutet vom Maskottchen Pique. Ein grüner Jalapeño-Chili, der das Nationaltrikot Mexikos, Schnurrbart und Sombrero trägt. Um 1990 in vollen Zügen zu genießen, war ich mit zwölf zu jung. Das Sommermärchen war „meine“ WM. Unvergessene Zeit im Kollektiv. Ein Sommer, der bleibt – von dem ich jüngst ein fast komplettes Panini-Album auf dem Trödel für fünf Euro gekauft habe.

Nach dem WM-Sieg 2014 war der Flieger nach Spanien voller Fans

Doris Mager: Im WM-Fieber bin ich noch nicht, denn ich hatte fußballkreismäßig zu viel vor der Brust: die 100-Jahr-Feier in Vlatten, das Benefizspiel der FC-Traditionsmannschaft gegen die Landrat-Ramers-Elf, Ehrungen und das Konzert in Weyer, den letzten Spieltag von FlaKi und jetzt das Wochenende mit Festkommers, Relegationsspiel und Pokalfinale in Ripsdorf und dem Endspiel in Kommern. Deshalb ist die Deko noch auf dem Speicher. Am Sonntagabend kann ich endlich durchatmen und das Deutschland-Spiel in Ruhe gucken und bin mir sicher, dass dann das Fieber anfängt.

Doris Mager trägt das aktuelle WM-Trikot und hält einen Fußball in der Hand.

Es solle nur um Fußball gehen, findet Doris Mager.

Ich bin in einem fußballfernen Umfeld aufgewachsen, deshalb gucke ich erst regelmäßig, seit ich 1988 mit meinem Mann zusammengekommen bin. Die erste WM war die von 1990. Da haben wir jedes Spiel geguckt, nicht nur die der Deutschen. Ich kannte im Gegensatz zu heute auch jeden Spieler, das waren Persönlichkeiten, die Identifikation war größer. Die WM 2002 war auch besonders, da war mein Sohn Lukas 4,5 Jahre alt und wir haben auf der Couch gemeinsam geguckt. Ein Highlight war die WM 2014. Wenige Stunden nach dem gewonnenen Finale sind wir nach Spanien in den Urlaub geflogen und 90 Prozent der Fluggäste trug Trikot, Girlande oder Deutschland-Hut. Das hat mir gezeigt, wie sehr der Fußball verbindet, denn man brennt gemeinsam für eine Sache.

Ich wünsche mir natürlich, dass Deutschland so weit wie möglich kommt, ein Viertelfinaleinzug wäre schön. Favoriten sind für mich Frankreich und Spanien, aber Brasilien darf man auch nicht außer Acht lassen.

Die aktuellen Nachrichten aus den USA machen mich traurig und fassungslos.
Doris Mager

Ich hätte mich als FC-Fan natürlich über El Mala gefreut, auch wenn er vielleicht nicht gespielt hätte. Das wäre auch für die Region gut gewesen, denn der FC zieht hier. Über Sané lässt sich streiten, meine Meinung zu Rüdiger ist gespalten, den sehe ich durch seine Eskapaden nicht mehr als Vorbild. Auch zu Neuer habe ich eine andere Meinung als der Bundestrainer, denn er war zurückgetreten. Ich sehe keine Notwendigkeit, dass er zurückgekehrt ist. Man wird sehen, wie fit er wirklich ist.

Die aktuellen Nachrichten aus den USA machen mich traurig und fassungslos. Da hat man als Sportler eine jahrelange Vorbereitung, ist erfolgreich, freut sich auf einen vielleicht einmaligen Höhepunkt seiner Karriere – und dann macht die Politik das kaputt. Die hat im Stadion und im Sport nichts zu suchen. Bei aller Liebe und bei allem, was in der Welt los ist, sollte der Sport im Vordergrund stehen. Die Sicherheitsbedenken der USA im Fall des somalischen Schiedsrichters kann ich nicht beurteilen, er verfügte aber über ein gültiges Visum. Aber Trump ist einfach unberechenbar, macht was er will – und die Jungs können nichts dafür. Es geht doch nur um Fußball.

Und beim WM-Finale 1990 gab es beim Opa ein Eis

Thomas Schmitz: Ach, ist Fußball-WM? Ja, natürlich habe ich mir das Kicker-Sonderheft gekauft, ja natürlich freue ich mich schon irgendwie darauf. Aber wie schon in Russland und Katar gibt es einen faden Beigeschmack – und der ist diesmal sogar noch größer, wenn man sieht, wie Teams, Schiedsrichter und Fans schikaniert werden. Ich sehe das leider so wie Rudi Völler: Das werden nicht die letzten Nachrichten dieser Art gewesen sein.

Thomas Schmitz sitzt im deutschen Auswärtstrikot der WM 2022 am Tisch und blättert im Kicker-Sonderheft.

Bildet sich im Fachmagazin weiter: Thomas Schmitz.

Meine Eltern haben sich nie für Fußball interessiert, während der WM 1986 gab es mal ein Spiel, das bei einer Feier im Hintergrund lief. Deshalb war 1990 meine erste richtige WM – und die war grandios. Matthäus’ Leistung zum Eröffnungsspiel gegen Jugoslawien, der Skandal um Lama Rijkaard gegen Völler und anschließend dem besten Spiel, das Jürgen Klinsmann jemals für Deutschland bestritten hat. Und dem Finale, das ich bei meinen Großeltern auf der Couch gesehen habe, denn mein Opa war sportverrückt. Und wie sich das gehört, gab es bei ihm auch immer noch ein Eis.

An die WM 2002 kann ich mich erinnern, weil wir einige Spiele im Hörsaal der FH geschaut haben. Und 2006 begann dann der Wahnsinn am Europakreisel. Das hat damals noch Spaß gemacht (und war mir dann 2008 schon fast zu viel und seitdem halte ich es für überflüssig).

Wir schaffen es nicht, einfach mal ohne Diskussionen in eine WM zu starten.
Thomas Schmitz

Was das deutsche Abschneiden angeht, wäre ich mit einem Viertelfinaleinzug schon zufrieden. Es gibt Länder, die einen besseren Kader haben, allen voran die Franzosen, aber auch England (die natürlich irgendwann im Elfmeterschießen ausscheiden, weil Harry Kane nicht alle schießen darf). Deutschland hat ein paar Baustellen, was allein die Aufstellung von Kimmich als Rechtsverteidiger zeigt. Ich finde es deshalb besonders schade, dass Lennart Karl nun verletzt abreisen musste. Den kann man einfach mal ins Spiel werfen und gucken, was passiert.

Thomas Schmitz

Thomas Schmitz

Lokalsportkoordinator in der Redaktion Euskirchen. Außerdem kümmert er sich um die Stadt Bad Münstereifel. Er war von Herbst 2004 bis Mitte 2014 bereits in der Euskirchener Redaktion als Digitaljourna...

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Was mich schon wieder ärgert: Wir schaffen es nicht, einfach mal ohne Diskussionen in eine WM zu starten. Zwar geht es diesmal nicht hauptsächlich um Politik, was ich nach dem Katar-Desaster auch richtig finde. Aber wir schaffen uns diesmal eine Baustelle, die eigentlich keine ist: Wir holen Manuel Neuer zurück. Der ist unbestritten noch immer ein großartiger Torwart. Aber für mich hat die Nominierung ein Geschmäckle, weil wir auf der Torwartposition wirklich keine Probleme haben.

Unzufriedenheit mit den Kaderentscheidungen

Uwe Metternich: Die Vorfreude auf die WM hält sich bei mir noch in Grenzen. In einem fußballverrückten Land wäre die Begeisterung vermutlich größer. Auch das Testspiel in den USA und die gesamte Inszenierung rund um die Mannschaft waren für mich gewöhnungsbedürftig. Es ist alles sehr auf Show ausgerichtet. Aber wenn das Turnier läuft, wird uns die Euphorie wahrscheinlich trotzdem mitreißen.

Uwe Metternich bei der EM 2024 im Deutschlandtrikot.

Hätte Saïd El Mala nominiert: Uwe Metternich.

Schauen werde ich die Spiele natürlich. Bei uns im Junggesellenverein treffen wir uns vor der Leinwand, grillen und sorgen für die passenden Kaltgetränke. Fußball schaut man am besten in Gesellschaft.

Die Nicht-Nominierung von El Mala halte ich für fragwürdig.
Uwe Metternich

Als FC-Fan sehe ich die Dinge natürlich durch die rot-weiße Brille. Gerade deshalb kann ich einige Personalentscheidungen von Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht nachvollziehen. Die Nicht-Nominierung von El Mala halte ich für fragwürdig. Die Begründung überzeugt mich nicht. Er hätte etwas ins Spiel gebracht, das dem Kader meiner Meinung nach fehlt. Er ist flexibel einsetzbar und könnte verschiedene Rollen übernehmen. Auch die Nominierung von Sané sehe ich kritisch. Ebenso hätte ich lieber Tom Bischof im Kader gesehen als Pascal Groß. Ein junger Spieler wie Bischof hätte wertvolle Erfahrungen sammeln können. Auf der Torwartposition hätte ich mir andere Entscheidungen gewünscht. Insgesamt wäre ich bei der Kadernominierung einige Wege anders gegangen.

Trotz meiner Kritik glaube ich, dass Deutschland die Vorrunde überstehen wird. Danach könnte es im Achtelfinale gegen Frankreich gehen. Für mich sind Frankreich, Spanien und England die Topfavoriten auf den Titel. Als Geheimtipp habe ich Norwegen auf dem Zettel.

Sollte Deutschland allerdings im Achtelfinale Frankreich schlagen, dann würde ich meine Einschätzung gerne korrigieren. Wer Weltmeister werden will, muss auch die stärksten Mannschaften schlagen können.

Jetzt gilt aber: Wenn das Turnier beginnt, stehe ich selbstverständlich hinter der Mannschaft und hoffe auf eine erfolgreiche WM. Meine Lieblings-WM war die in Italien. Damals war ich 17. Davon zehre ich noch heute und auch mehr als vom Titel in Brasilien 2014.