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Frauen in LandwirtschaftEifeler Master-Absolventin im Spagat zwischen Tierwohl und Effizienz

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Landwirtin Luisa Dahmen im Kuhstall bei ihren Milchkühen.

Dass es den Milchkühen gut geht, ist Luisa Dahmen ein Anliegen. Die 25-Jährige steigt in die Leitung des Familienbetriebs ein.

Jung-Landwirtin Luisa Dahmen steigt mit 25 Jahren in die Leitung des Familienbetriebs mit 120 Milchkühen in Mechernich-Dreimühlen ein.

Wie sagt der Volksmund: Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe. Luisa Dahmen kann das bestätigen. Schließlich stehen auf dem Hof ihrer Familie in Dreimühlen 120 Milchkühe im Stall. Die Mühe schreckt die 25-Jährige aber nicht. Sie steigt neben ihrem Vater Wilfried Dahmen in die Leitung des Betriebs ein. Wenn sie ihn irgendwann ganz übernimmt, ist die sechste Generation der Familie am Ruder.

Luisa Dahmen hat sich gründlich auf den Job vorbereitet, hat ihren Bachelor und Master in Agrarwissenschaften gemacht und in anderen Unternehmen gearbeitet. Außerdem hat sie einen dreimonatigen Kursus mit 24 Teilnehmern absolviert, bei dem es auch um Persönlichkeitsbildung und Agrarpolitik ging.

Wir könnten uns hier auch eine Bullerbü-Landwirtschaft vorstellen mit Kühen und Kälbern auf grünen Wiesen. Damit könnten wir aber die Weltbevölkerung nicht ernähren.
Luisa Dahmen, Landwirtin

Dabei hatte sie durchaus mal andere Pläne. „Als ich in der Oberstufe war, wollte ich Tiermedizin studieren. Oder Psychologie“, erzählt sie. Tiere, Natur, Menschen – die Interessen könne sie in der Landwirtschaft unter einen Hut bringen, findet Luisa Dahmen. „Ich habe gemerkt, dass es mir gefällt, Lebensmittel zu produzieren.“

Betrieb im Wasserschutzgebiet: Milchkühe bleiben im Stall

Die Milchkühe stehen in einem großen Laufstall – auf einem Betonspaltenboden. „Auf einem geschlossenen Boden müsste der Mist jeden Tag abgeschoben werden“, erklärt die Landwirtin. So fällt er durch die Spalten, die Oberfläche bleibt sauber. Und tatsächlich sind auch die Kühe sauber, ohne Mistflecken an Flanken und Beinen. Die Flächen, auf denen sie sich hinlegen, sind mit einem Gemisch aus Stroh und Kalk bestreut. Jeden Tag wird das Material durchgeharkt, einmal in der Woche frisch eingestreut. Das gehört auch zu den zahlreichen Kriterien, die erfüllt sein müssen, um im Supermarkt unter Haltungsform 3 zu firmieren.

Das Display des Melkroboters, der jede einzelne Zitze der Kuh im Melkstand überwacht.

Auf dem Display des Melkroboters ist zu sehen, wie viel aus jeder Zitze gemolken wird. Er kontrolliert auch die Qualität der Milch.

Die Detailaufnahme zeigt die Bürsten eines Melkroboters.

Die Bürsten reinigen automatisch die Zitzen. Während des Melkens bekommen die Kühe eine kleine Portion Kraftfutter.

Auf die Weide kommen die Milchkühe nicht. „Das geht nicht, weil unser Hof im Wasserschutzgebiet liegt“, erklärt Luisa Dahmen. Der Spagat zwischen Tierwohl und Effizienz ist ihr bewusst. „Wir könnten uns hier auch eine Bullerbü-Landwirtschaft vorstellen mit Kühen und Kälbern auf grünen Wiesen“, sagt sie: „Damit könnten wir aber die Weltbevölkerung nicht ernähren.“ Im Durchschnitt versorge heutzutage ein Landwirt 150 Menschen mit Nahrung, erklärt sie. 1960 habe ein Bauer nur 15 Menschen ernährt.

Auf dem Hof werden jährlich 1,4 Millionen Liter Milch produziert

Die 120 Milchkühe auf dem Hof der Familie Dahmen geben im Jahr 1,4 Millionen Liter Milch – ein guter Ertrag, wie Andreas Ramminger, Zuchtberater beim Kreisverein für Holstein-Rinderzucht Euskirchen bestätigt. Allerdings geben Kühe nur Milch, wenn sie ein Kalb zu versorgen haben. Eigentlich. Denn Muttertier und Jungtier werden nach einem halben Tag getrennt. „Wenn wir sie später trennen, ist der Stress größer“, erklärt Luisa Dahmen. Erst einmal muss das Kalb aber die Biestmilch (die erste Milch von der Mutter) bekommen, damit der Darm funktionieren kann.

In der Stallgasse zwischen den beiden Laufflächen liegt Futter, zu dem die Kühe jederzeit Zugang haben. „Kühe mögen Langeweile“, verweist Luisa Dahmen auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Fressen, ein bisschen herumlaufen, wiederkäuen. Wann sie gemolken werden, bestimmen die Tiere in diesem Stall selbst – dank eines Melkroboters.

Melkroboter sorgt für Entlastung im Dreimühlener Familienbetrieb

„Menschen machen Fehler, der Roboter nicht. Und er arbeitet rund um die Uhr.“ Für die Landwirtsfamilie ist das eine enorme Erleichterung. Luisa Dahmen erinnert sich an die Zeiten, als Familienfeiern oder Ausflüge abrupt endeten, weil man heim musste um zu melken. Jetzt geht vieles automatisiert, was früher Arbeitskraft gebunden hat. Die Kühe tragen Halsbänder mit Transpondern und sind damit rund um die Uhr überwacht. Die Frequenz, in der sie fressen oder wiederkäuen, wird beispielsweise kontrolliert. „So haben wir jederzeit Daten von jeder Kuh.“ Automatisch wird auch die Futtermenge aufs Kilo genau abgemessen. Und natürlich kontrolliert und protokolliert der Melkroboter nicht nur die Milchmenge jeder Kuh – sogar pro Zitze – sondern überprüft auch gleich die Qualität.

Und wenn doch eine Störung auftritt? „Die Maschine kann uns jederzeit rund um die Uhr anrufen“, sagt Wilfried Dahmen. In einer Zeit, in der landwirtschaftliche Mitarbeiter schwer zu finden sind, kommt der Hof der Familie Dahmen auf diese Weise mit einer kleinen Besetzung aus.

Wir kennen den CO2-Fußabdruck unseres Hofs.
Luisa Dahmen sucht den Dialog

Bewirtschaftet werden 165 Hektar, auf denen Weizen, Gerste, Triticale, Luzerne sowie Mais- und Grassilage gewonnen werden. Neben dem Milchvieh werden Jungbullen großgezogen, außerdem Zuchtbullen für andere Betriebe. Das Jungvieh wird im Sommer auf weiter entfernt gelegene Wiesen gebracht.

Landwirtin Luisa Dahmen setzt sich auch mit Kritikern auseinander

Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Ihre Leistungen würden häufig zu wenig wahrgenommen, heißt es dazu aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Nur elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geführt. Wenn Wilfried Dahmen das Rentenalter erreicht hat, wird es immerhin eine mehr sein.

Luisa Dahmen sucht den Dialog, auch mit Kritikern der herkömmlichen Landwirtschaft: „Wir kennen den CO2-Fußabdruck unseres Hofs“, sagt sie. Schulklassen besuchen den Hof, Luisa liest an Vorlesetagen aus einem Buch über Landwirtschaft. Sie möchte vermitteln, wie viel Arbeit in landwirtschaftlichen Produkten steckt. In anderen Ländern gebe es eine vielgrößere Wertschätzung für Lebensmitteln als in Deutschland.

Luisa Dahmen engagiert sich in der Molkereigenossenschaft Arla, über die die Milch aus Mechernich-Dreimühlen verkauft wird, ist dafür auch in Berlin unterwegs. Sie ist Mitglied der Jungen Landfrauen, die sich zum Ziel gesetzt haben, den ländlichen Raum zu stärken. „Wir müssen immer schauen: Was möchte die Politik'? Was möchten die Verbraucher“, beschreibt sie den Zwiespalt der Bauern. Und was könnte die Politik ihrerseits für die Landwirte tun? Ein Wunsch, der die tägliche Arbeit von Luisa Dahmen direkt verbessern würde, klingt da eher bescheiden: „Mir wäre schon geholfen, wenn ich nicht dieselben Zahlen in drei unterschiedliche Formulare eintragen müsste.“


Rinderzucht-Verein Kreis Euskirchen vergibt Urkunden und Medaillen

Der Kreisverein für Holstein-Rinderzucht Euskirchen hatte zur Mitgliederversammlung auf den Margaretenhof in Kall eingeladen. Neben Wahlen – Vorsitzender ist Stefan Struben – standen diverse Ehrungen und die Verleihung von Urkunden auf dem Programm.

Die Ehrentafel für ausgezeichnete Qualitätsmilcherzeugung mit konstitutions- und konditionsstarken Tieren erhielten die Seidenfaden GbR (Mechernich) und Stefan Struben (Schmidtheim).

Eine Gruppe von 14 Landwirten, darunter eine Frau, steht mit Urkunden in der Hand vor einem roten Metalltor.

Mit Ehrenurkunden wurden Landwirte ausgezeichnet, deren Kühe besonders viel Milch gegeben haben.

Ehrenurkunden für Kühe mit besonders hohen Lebensmilchleistungen bekamen Norbert Nisius (Blankenheim), Frank Gentges (Schleiden), Andreas Thelen (Kall), Stefan Hermeling (Blankenheim), Nie The KG (Kall), Clemens-Josef -Haus (Blankenheim), Arno und Stefan Schmitz GbR (Blankenheim), Stefan Struben (Schmidtheim), Pützer GbR (Hellenthal), Josef und Christian Lorbach (Nettersheim), Helmut Schmitz (Mechernich), Dahmen GbR (Mechernich), Sebastian Bützler (Bad Münstereifel), Breuer und Sohn GbR (Mechernich).

Gleich drei Silbermedaillen der Landwirtschaftskammer für drei Elitekuhfamilien erhielt der Betrieb Seidenfaden GbR, dazu eine weitere Silbermedaille für Qualitätsmilcherzeugung.