Tír Saor, Ticket to Happiness und Whizbow spielten bei der Irischen Nacht auf dem Satzveyer Burggelände.
Irische NachtEin entspannter Konzertabend auf Burg Satzvey

Einen großen Stilmix präsentierte die Formation Ticket to Happiness.
Copyright: Frank Neuenhausen
Jede Gruppe ein Volltreffer – so könnte man die Irische Nacht auf Burg Satzvey kurz zusammenfassen. Denn egal, ob das Duo Tír Saor oder die Gruppen Ticket to Happiness und Whizbow: Die 700 Burgbesucher gingen mit. Sie sangen, klatschten, schunkelten und tanzten zu den irisch angehauchten Klängen.
Und wenn man auch besorgt ist, weil die Felder und damit die Landwirte angesichts der Trockenheit leiden – für den Abend auf der Burg war das Wetter ideal. Wen man auch fragte: Die Stimmung war gut und schottisches Bier sowie Pommes mit Currywurst trugen sicher mit dazu bei.
Im ersten Moment machte es stutzig, als zwei junge Herren die Bühne betraten und nicht mehr als zwei Schlaginstrumente, eine Tin Whistle und zwei Gitarren für ihre Musik nutzten. Aber Tír Saor (gälisch für „Freies Land“) fesselte durch die schön aufeinander abgestimmten Bariton-Stimmen und die typischen Rhythmen. Eveline aus Euskirchen war unter anderem genau deswegen zur Burg gekommen: „Ich war schon vor zwei Jahren hier und die zwei haben mich sehr beeindruckt. Das Outfit und die Stimme von dem einen Sänger finde ich faszinierend.“
Die zwei Musiker von Tír Saor sind auch Teil einer Piratenfolkband
Sie meinte Manuel Depryck, der beim Singen besonders in den Tiefen besonders eindrucksvoll klang. Die dafür benötigte Gesangstechnik hatte er sich selbst beigebracht. Auf der Bühne trug er einen Kilt, Kniestrümpfe und hohe Schuhe. Sein helles Haar war wellig. Inzwischen ist die Musik sein Beruf geworden. Mit Marius Bornfleth singt er in dieser Formation und in der Piratenfolkband Storm Seeker.
Deprycks Kompagnon Bornfleth ist Musikproduzent mit eigenem Tonstudio. In Satzvey waren sie schon das dritte Mal. „Das ist jetzt schon Tradition“, versprach Bornfleth dem Publikum von der Bühne herunter. Wie die beiden es schafften, mit Seemannsliedern, Balladen und rhythmischem Irish Folk 700 Menschen in Schwingung zu versetzen, war beeindruckend. Die Leute sangen und schwangen mit. Das Konzert hatten die beiden Soundmaster zwischen andere Termine gequetscht. „Es ist eine wunderschöne Location. Wir kommen gern,“ begründete Bornfleth, warum man nicht auf den Auftritt verzichten wollte. Depryck musste am Abend noch mit dem Zug zurück nach Hamburg.
Josch aus Mechernich kommt gerne zur Irischen Nacht auf die Burg: „Hier gibt es leckeres Bier und eine tolle Atmosphäre. Da kommen richtig schöne Gefühle mit der Musik auf.“ Einen viel weiteren Weg hatten drei Belgier, die mit dem Taxi angereist waren. Jonny, Nico und Jack stammen aus Büllingen. Nico ist Jacks Sohn und war nun schon zum zweiten Mal bei der Veranstaltung: „Man musste mich nicht zwingen mitzukommen“, sagte er lachend. Vater und Sohn mögen neben Rock und Metal auch die softeren Klänge schottisch-irischer Musik. Jonny Lux kam in diesem Jahr schon zum vierten Mal zur Irischen Nacht und freute sich: „Hier kommen Jung und Alt zusammen und haben Spaß. Und immer wieder treffen wir zufällig Belgier aus unserer Ecke hier.“
Generationenübergreifende Truppe: Ticket to Happiness
Mit der zweiten Gruppe Ticket to Happiness wurde das Generationenübergreifende dieser Musikrichtung auch auf der Bühne sichtbar. Fünf Musiker standen auf der Bühne. Zwei deutlich über fünfzig Jahre alt, drei deutlich jünger. Einmal handelt es sich um Vater und Sohn, zwei Mitglieder sind Berufsmusiker, auch eine Frau war dabei. Der Vater, Patrick Helle, ist der Gründer der Formation und schreibt die meisten Songs selbst. Zusammen schaffen sie etwa 40 Konzerte im Jahr, wie Bassist Stefan Schwarzinger erzählte. Mit ihrer Musik zwischen Celtic- und American-Folk, Pop und Country und einer dynamischen Bühnenpräsenz hatten auch sie die Besucher binnen Minuten in Wallung gebracht.
Nach zwei Stunden Konzert war nichts von Aufbruchstimmung unter den Zuschauern zu sehen. Um 22 Uhr sollte es noch in den Burgsaal gehen, um mit der Band Whizbow den Abend zu beschließen, ohne die Nachbarn zu stören. Mit der Band wurde die Musik wieder mehr irisch, aber nicht weniger rhythmisch und mitreißend.
Auch in Wacken haben die Veranstalter schon Bands gecastet
Wie man an solche Gruppen kommt, erklärte der Mitarbeiter des Veranstalters, Jascha Friedrich: „Wir fahren zu Festivals und besuchen Bands bei den Auftritten. Manche bewerben sich auch bei uns und wir hören sie uns an und schauen, wie sie auf der Bühne rüberkommen. In Wacken beim Festival haben wir schon Gruppen gefunden, und manche sind nach einem Auftritt bei uns in Wacken angenommen worden.“ Der Vorlauf betrage etwa ein Jahr, damit man die nächste Veranstaltung schon bewerben könne.
Dieses Jahr war die Irische Nacht auf jeden Fall gelungen, wie die Publikumsreaktionen zeigten. Das Geheimrezept ist tatsächlich recht simpel: Man spricht ein breites Publikum an und garantiert einen entspannten und gleichzeitig packenden Abend.
