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„Korridor der Träume“Vernissage im Mechernicher Rathaus offenbarte vielschichtige Werke

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Viele Gäste stehen in einem Korridor das Mechernicher Rathauses. An den Wänden hängen Bilder. Im Vordergrund sitzt ein Mann an einem elektronischen Piano.

Bei der Ausstellungseröffnung im Rathaus in Mechernich waren zahlreiche Interessierte zu Gast.

Die facettenreichen Werke von Kuratorin Ela Rübenach, Heiner Kirch und Gerhard H. Lenz zeigen die Bedeutung der Zeit in der Kunst.

Wachwechsel im Rathaus in Mechernich – gleich doppelt. Während Bürgermeister Michael Fingel schon auf die magische 100-Tages-Grenze hinregiert, stand die erste Ausstellung der designierten neuen Kuratorin der Galerie im Rathaus, Ela Rübenach, noch aus. Eigentlich, so sagte sie, sei der Gedanke gewesen, dass sie sich mit einer Ausstellung ihrer eigenen Werke vorstellen möge.

„Doch da ich vor kurzem erst hier ausgestellt habe, fand ich das zu viel“, nahm sie sich selber aus dem Mittelpunkt des Interesses. Der „Korridor der Träume“, wie die Ausstellung betitelt war, platzte jedenfalls fast aus allen Nähten, so viele Menschen wollten der Vernissage im Mechernicher Rathausflur beiwohnen.

Künstler brachten herausragende Vielschichtigkeit in die Ausstellung

In den Mittelpunkt rückten vielmehr zwei Künstlerkollegen von Rübenach, durch die die Ausstellung unvermutet eine besondere Ausrichtung erhielt. Denn mit Gerhard H. Lenz, der zur Zeit schwer krank im Hospiz Communio in Christo in Mechernich lebt, und dem verstorbenen Lebensgefährten von Rübenach, Heiner Kirch, bekam die Ausstellung eine Vielschichtigkeit, die über die einer normalen Gruppenausstellung hinausging.

Diese Ausstellung zeige die Bedeutung der Zeit in der Kunst, drückte Rübenach es aus: „Mit dem, was abgeschlossen ist, dem, was fragil ist, und dem, was neu beginnt.“ Drei Menschen zeigten, was sie bewegt habe und gewährten facettenreiche Einblicke.

Kuratorin Ela Rübenach hält ein Aufnahmegerät an ein Mikrofon. Nebn ihr steht farrer Dr. Michael Stöhr, der mit seiner linken Hand an seinen rechten Arm fasst.

Als Sprachaufnahme spielte die neue Kuratorin Ela Rübenach die Stimme von Gerhard H. Lenz ab, der ein Gedicht las, rechts Pfarrer Dr. Michael Stöhr, der die Laudatio hielt.

Intensiv hatte sich Pfarrer Dr. Michael Stöhr mit den Werken der drei Ausstellenden auseinandergesetzt. Gerhard H. Lenz habe seit seiner frühesten Jugend in Öl gearbeitet, seiner künstlerischen Ader außerdem aber auf den Bahnfahrten zu seiner Arbeitsstelle bei der Berufsgenossenschaft freien Lauf gelassen. So seien viele Gedichte, Cartoons und Zeichnungen entstanden, die die Vielseitigkeit von Lenz dokumentieren würden. Der Einfluss von Dali habe der realistischen Malweise eine surrealistische Sicht hinzugefügt. „Das Wahrgenommene sprengt die mögliche Realität“, sagte Stöhr.

Gerhard H. Lenz konnte per Videotelefon teilnehmen

Heiner Kirch, beruflich als Grafiker tätig, hatte sich vor allem der digitalen Kunst verschrieben. Auch seine Arbeiten seien vom Surrealismus inspiriert. „Er interpretiert, was er sieht, und was geschieht“, so Stöhr. Kirch sei ein Lebenskünstler, ein echter Hippie gewesen, so sei er von seiner Lebensgefährtin Ela Rübenach beschrieben worden.

Die ihre Karriere bei der IHK an den Nagel gehängt hatte, um sich der Freien Kunst zu widmen und dort auch als Dozentin tätig zu sein. „Für sie ist Kunst Therapie“, so Stöhr. Kunstharz, Acryl und Beton seien ihre Materialien, mit denen sie die Farben in tanzenden Bewegungen fließen lasse. Dynamisch verweben sich die Formen und Farben in den Arbeiten der Flamersheimerin.

Die musikalische Gestaltung der Ausstellungseröffnung hatte Uli van Staa übernommen, der mit dem Sänger Jojo Joisten für den richtigen Sound sorgte. Über Videotelefon war Lenz aus dem Hospiz mit der Ausstellung verbunden und konnte so alles mitbekommen, was sich an diesem Abend abspielte. Auch, wie eines seiner Gedichte, dass er als Sprachnachricht aufgenommen hatte, abgespielt wurde.

Mit der Schlusszeile gab Lenz dem Abend das Leitmotiv: „Das macht Vernissagen aus, wir gehen reicher als hinein – hinaus“. Was auch für die gelten mag, die an diesem Abend eines der Werke erwarben und somit nicht nur Kunst gekauft, sondern auch dem guten Zweck geholfen hatten. Denn die Hälfte des Kaufpreises, so betonte Stöhr, sei für die Mechernich-Stiftung bestimmt.