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RinderzuchtAprilia und Ben: Kuh Dakota in Kommern hat Zwillingskälber bekommen

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Neben einer weißen Kuh mit schwarzen Ohren und scharzem Maul stehen zwei schwarze Kälber.

Zwillingsgeburten bei Kühen sind selten. Diese beiden sind wohlauf, allerdings ist das Bullenkalb deutlich kleiner als seine Schwester.

Zwillingsgeburten sind bei Kühen selten. Auf dem Kommerner Wacholderhof hat jetzt ein Galloway-Rind zwei gesunde Kälber bekommen. 

Spätabends war Dr. Ludwig Veltmann noch mal bei seinen Rindern. Schließlich war eine Kuh hochträchtig, die Geburt stand bevor. Doch alles war ruhig und friedlich. Noch vor dem Frühstück am nächsten Tag war der Züchter wieder auf der Weide. Und erlebte eine doppelte Überraschung: In der Nacht waren Zwillingskälber geboren worden. „Die Kuh hatte das selbstständig erledigt und ihre Kälber auch schon abgeschleckt“, erinnert sich Veltmann an den Morgen des 19. April.

Zwillingsgeburten bei Kühen, auch bei robusten Rassen wie den schottischen Galloways, sind selten. Noch seltener ist es, dass sie ohne Tierarzt über die Bühne gehen. Häufig bleibt mindestens eines der Kälber kümmerlich. Tatsächlich sieht man auch bei den Zwillingen, die bei Kommern-Süd auf der Weide stehen, einen Unterschied.

Die beiden Geschwister sind munter und wohlauf

Aprilia ist deutlich größer als ihr Bruder Ben. Der ist in der Entwicklung ein bisschen hinterher, zeigt noch den deutlichen Vorbiss ganz junger Kälber. Dadurch ist eine Zahnreihe sichtbar, was dem kleinen Kerl ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Doch ansonsten sind die Geschwister munter und wohlauf. Ein bisschen aus der Art geschlagen sind die beiden schon: Obwohl Vater Puccini und Mutter Dakota helles Fell haben, ist der Nachwuchs tiefschwarz.

Die drei Obengenannten stehen auf einer Wiese, umringt von Rindern.

Die Galloways sind ausgesprochen menschenbezogen, Ludwig Veltmann (l.), Clara Veltmann und Kirill Weimann sind sofort umringt von Rindern, wenn sie die Weide betreten.

Seit 1988 züchtet Ludwig Veltmann Rinder auf dem Wacholderhof zwischen Kommern und Kommern-Süd. Die ersten Galloways habe er damals in Schottland auf einer Auktion ersteigert, erzählt er. Seitdem ist er zum Fachmann geworden für die Rasse, die es in diversen Farbschlägen gibt. Dakota beispielsweise ist ein White Galloway black pointed: eine weiße Kuh mit schwarzen Ohren, schwarzer Maulpartie und schwarzer Zeichnung an den Beinen. Es gibt sie auch mit rotbrauner Zeichnung oder als Belted Galloways, schwarz mit einem weißen Streifen rund um den Bauch. Oder einfarbig.

Galloways sind winterfest. Notfalls lassen sie sich einschneien.
Ludwig Veltmann

Auf der Wiese am Waldrand haben die Kommerner Kühe – 14 sind es derzeit – ein gutes Leben. Auf rund sechseinhalb Hektar Wiese bleibt die Herde das ganze Jahr über draußen. „Galloways sind winterfest. Notfalls lassen sie sich einschneien“, berichtet der Züchter. Das frische Gras der Wiese, im Winter Heu und Stroh und ein bisschen Mineralfutter, mehr brauchen die Tiere nicht.

Streicheleinheiten stehen allerdings hoch im Kurs. Ludwig Veltmann, seine Tochter Clara und Kirill Weimann sind im Handumdrehen umringt, als sie die Weide betreten. Auch Zuchtbulle Puccini erweist sich als das reinste Kuscheltier. Weimann wohnt gleich neben der Weide und ist mittlerweile zum unersetzlichen Helfer geworden. Der Spediteur hat Spaß an den Tieren, auf die morgens sein Blick aus dem Schlafzimmer fällt – ein Ruhepol in seinem stressigen Alltag.

Die Kuhweide bei Kommern ist auch ein wertvolles Biotop

Veltmann, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Kooperierender Mittelstand war, nennt sie sein „Lebenselixier“. Oder auch, augenzwinkernd: „Trainingscamp für den Umgang mit Rindviechern.“ Der studierte Landwirt lenkt den Blick auf den ökologischen Nutzen seiner Rinderhaltung. „Wir düngen nicht und wir spritzen nicht“, betont er. Entsprechend groß sie die Vielfalt, die sich auf der Fläche entwickelt habe.

Sein Blick schweift über die sattgrüne Fläche. Nur noch wenige Tage, dann verwandele sie sich in eine bunte Blumenwiese. Oft sehe er Rehe, Hasen oder Rebhühner: „Weil wir nicht düngen, stehen die Stängel nicht so dicht, außerdem gedeihen alle möglichen Kräuter.“ So fänden die Tiere Deckung und abwechslungsreiche Nahrung. Die Kuhweide werde zu der Art von Lebensraum, der in der industrialisierten Landwirtschaft verloren gegangen sei.

Die Nachfrage nach dem Fleisch der Rinder ist größer als das Angebot

Das idyllische Leben der Rinder ist allerdings von begrenzter Dauer. „Das ist eine Fleischrasse, wir produzieren Gourmetfleisch“, sagt Veltmann. Vermarktet wird das Fleisch ab Hof, allerdings nicht in einzelnen Portionen, sondern in zerlegten Rinderhälften. „Ganz am Anfang habe ich mal Flyer verteilt. Mittlerweile ist die Nachfrage größer als unser Angebot“, berichtet der Züchter.

Aprilia und Ben dürfen jedenfalls erst einmal unbeschwert und artgerecht heranwachsen. Und Nelly wird vermutlich steinalt auf dem Wacholderhof. Ludwig Veltmanns Tochter Clara hat die Kuh vor einigen Jahren mit der Flasche aufgezogen. Die junge Frau legt ihr Veto ein, wenn das Thema Schlachten aufkommt.