Die Taufe in ihrer ursprünglichen Form, darum ging es bei der Aktion der Gemeinde Roggendorf-Blankenheim an der Quelle der Erft.
PremiereAcht Kinder wurden mit dem kalten Wasser der Erftquelle in Holzmülheim getauft

Mit dem frischen Wasser aus der Quelle der Erft wurden die Kinder in Holzmülheim getauft.
Copyright: Stephan Everling
Das Schleidener Tal hat es vorgemacht, die Gemeinde Roggendorf-Blankenheim zieht nach: Nun wurden an der Erftquelle in Holzmülheim acht Kinder aus sieben Familien in dem Wasser des Flusses getauft. Das im vergangenen Jahr neu gestaltete Areal entpuppte sich als ideale Location für den Freiluftgottesdienst: Das Wasser der Erft war nur wenige Zentimeter hoch und die Angehörigen konnten von dem nahen Hügel wie von einer Tribüne aus die Segnung verfolgen.
Auch wenn die Taufen in fließendem Wasser nicht mehr ganz neu für die Protestanten im Südkreis Euskirchen sind, sind sie doch nach wie vor etwas besonderes. Da war es nur zu verständlich, dass vor dem Gottesdienst die Nervosität bei den Pfarrern Susanne Salentin und Thorsten Schmitt doch spürbar war. Schließlich blickten die erwartungsvollen Familien der Täuflinge auf sie.
Ein komplettes Untertauchen ist an der Erftquelle nicht möglich
Eigene Erfahrungen mit derartigen Taufen weist Pfarrer Schmitt auf. „Ich komme von den Baptisten und bin mit 16 Jahren getauft worden“, berichtete er. Damals sei er komplett untergetaucht worden – was an der Erftquelle allerdings nicht möglich sei, wie er auch mit Blick auf den Wasserstand lächelnd hinzufügte. Dennoch: Bei einer Zeremonie an und in einem Bach werde die Bedeutung des Wassers für die Taufe besonders deutlich.
Was die Eltern der Kinder, die an diesem Nachmittag mit ihrer Taufe in die Gemeinde aufgenommen werden sollten, ähnlich sahen. „Die Botschaft ist schön, so direkt in der Natur“, sagte Maria Poth, Mutter des kleinen Finn. Dass ihr Sohn getauft werden sollte, sei ohnehin klar gewesen. Bei einem Gespräch habe Pfarrer Schmitt von der Freilufttaufe berichtet – und da sei die Entscheidung schnell gefallen: „Das ist schon besonders.“

Die Zeremonie leiteten Susanne Salentin und Thorsten Schmitt.
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Ein idyllischer Ort ist die Erftquelle in Holzmülheim.
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Die Taufkerzen wurden im Anschluss an die eigentliche Zeremonie entzündet. Die Gäste hatten einen guten Blick auf die Szenerie.
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Was die Paten auch so sahen – auch wenn sie noch nicht genau wussten, wie die Zeremonie sein würde. „Wir lassen uns überraschen“, sagte Christina Poth, Tante des Täuflings. „Ich fand es eine lockere Sache, das draußen zu machen“, fügte Marc-André Virnich hinzu. Für ihn ist die Erftquelle ein besonders sinniger Ort, da er bei einem Wasserversorger arbeitet. „Das ist frisches Quellwasser“, betonte er und zeigte auf die aus dem Berg sprudelnde Flüssigkeit.
Auf dem Steg, der über die Erft führt, hatten die Pfarrer den Altar aufgebaut. Mit der Handpuppe Mattes verdeutlichten sie für die Kinder, was die Taufe mit Wasser zu tun hat. „Wasser ist wichtig für das Leben, denn ohne Wasser gibt es nichts“, sagte Salentin. So gebe auch keine Liebe ohne Wasser.
Bei der Taufe wurde auch an die Flutkatastrophe 2021 erinnert
Die allerersten Taufen hatten einst ebenfalls an Flüssen stattgefunden, berichtete sie aus Bibeltexten. Etwa, dass der Finanzminister aus Äthiopien sich vor 2000 Jahren von Philippus habe taufen lassen. Jesus habe, so stehe es im Matthäus-Evangelium, seine Anhänger aufgefordert, sich taufen zu lassen, so Schmitt.
Das Wasser spende nicht nur Leben und lösche den Durst, so Salentin. Sie verwies mit Blick auf die Flutkatastrophe 2021 auch auf die zerstörerische Wucht, die das Wasser entfalten kann. Vor knapp fünf Jahren hatte die Erft auch in Holzmülheim erhebliche Schäden verursacht.
Die Geschwister Lotta und Emil sowie Adrian, Luna Kathrin, Finn, Johanna, Kiril und Seline wurden an diesem Nachmittag getauft. Abwechselnd stiegen die Pfarrer mit den Familien und den Täuflingen in das Wasser, verlasen den Taufspruch, benetzten den Kopf mit Wasser und sprachen gemeinsam mit den Eltern und den Paten einen Segen. Dann konnten die Familien ihre Taufkerze anzünden.
Mit Gummistiefeln gingen die meisten Eltern und Paten ins Wasser, nur die ganz mutigen entschieden sich für die Barfuß-Variante. Für Sandalen unter dem Talar hatte sich Pfarrerin Salentin entschieden – ein ungewohntes Gefühl, wie sie gestand. Doch das nur wenige Grad kalte Wasser sei nicht mal unangenehm gewesen, sondern eher wie bei einer Kneippanwendung. „Ich habe jetzt ganz warme Füße“, sagte Salentin. Sie habe sich ohnehin nicht wirklich Gedanken um die Füße gemacht, sondern sich ganz auf die Täuflinge und die Zeremonie konzentriert.
„Ich fand es klasse“, sagte ihr Kollege Schmitt nach dem Gottesdienst. Er finde es wichtig, den Familien mit Kindern Aufmerksamkeit zu geben. Die Taufe werde bei einer derartigen Feier stärker ins Zentrum gerückt. Die Erfahrung sei eine andere. Normalerweise sei es nicht möglich, zu sehen, wie Gott seinen Segen ausgieße: „Hier können wir es spüren.“
