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Liebe im Kreis EuskirchenZen-Meisterin, Priester und Traurednerin gestalten schönsten Tag im Leben

6 min
Ein Brautpaar steckt sich während seiner Trauung in der Kirche die Ringe an.

Das Ja-Wort kann man sich ganz unterschiedlich geben.

Auch im Kreis Euskirchen gibt es  viele Arten, sich ein Trauversprechen zu geben – auswendig gelernt, geflüstert oder per Brief zum Beispiel.

Zwei kleine Buchstaben reichen aus. Ein simples „Ja“, deutlich und freiwillig gesprochen, und schon verbringt man den Rest seines Lebens miteinander. Zumindest, wenn alles nach Plan läuft und sich keiner umentscheidet.

So simpel der Moment des Heiratens ist, er kann sehr emotional sein. Aus diesem Grund reicht es vielen Paaren nicht, nur standesamtlich zu heiraten. Sie wählen dazu noch eine religiöse oder kulturelle Zeremonie. Und da gibt es auch im Kreis Euskirchen durchaus viele Möglichkeiten.

Buddhistische Hochzeitszeremonie ist frei gestaltbar

„Trauung oder Hochzeit ist auch im Buddhismus etwas, das Menschen machen und wofür sie einen Segen bekommen wollen.“ Jigen Roshi Zeitler ist Zen-Meisterin und lehrt im Dharmahaus Euskirchen. Bei buddhistischen Hochzeiten gehe es aber nicht um göttlichen Segen. „Jeder Mensch, der sich mit etwas Höherem verbindet als sein eigenes Wollen, kann segensreich sein und Segen geben.“

Zen-Meisterin Jigen Roshi Zeitler steht in orangenem Gewand vor einem Wandbehang und einer Buddha-Statue.

Zen-Meisterin Jigen Roshi Zeitler.

Das sei überhaupt der zentrale Punkt bei buddhistischen Hochzeiten: sich selbst zurücknehmen. „Es geht nicht darum, dass meine Wünsche erfüllt werden in dieser Verbindung, sondern dass ich den anderen darin unterstütze, was der Sinn seines oder ihres Lebens ist“, so Zeitler.

Grundsätzlich sei eine buddhistische Hochzeitszeremonie frei gestaltbar. Doch es gebe auch einige Elemente, die immer dazu gehörten, berichtet die Zenmeisterin. So entzünde das Paar zu Beginn gemeinsam eine Traukerze und bedanke sich bei seinen Eltern. Die verschränkten Hände des Paares werden mit einer Gebetskette, Mala, umwickelt, und dazu werde ein sinojapanischer Text rezitiert, ähnlich einem Gebet, erklärt sie weiter. Das Paar könne sich zudem Sutren (religiöse Texte) aussuchen, die vorgelesen werden. Und es gebe noch eine Tradition: Die Brautleute flüsterten sich gegenseitig etwas ins Ohr, was ihnen auf dem Herzen liege und nur der Partner hören solle.

Es geht nicht darum, dass meine Wünsche erfüllt werden in dieser Verbindung, sondern dass ich den anderen darin unterstütze, was der Sinn seines oder ihres Lebens ist.
Jigen Roshi Zeitler

Meist finde die Zeremonie in einem Gebetsraum statt, aber grundsätzlich sei sie an keinen Ort gebunden. „Ich meine, es geht um den Inhalt, es geht um die Verbindung und nicht darum, was außen herum steht.“ Sie selbst habe noch keine Trauungszeremonie durchgeführt, wer daran Interesse habe, könne sich aber jederzeit im Dharmahaus melden.

Generell kann laut Zeitler jeder und jede so heiraten, der oder die dies wünscht. Dafür müsse man nicht schon vorher der Zen-Tradition angehören. Auch wiederverheirateten Geschiedenen oder gleichgeschlechtlichen Paaren stehe die Zeremonie offen. Wichtig sei vor allem, dass man die Kernbotschaft verstehe und lebe.

Katholisch darf längst nicht jeder heiraten

In der katholischen Kirche ist das anders. Das Sakrament der Ehe steht nur getauften Christen offen. Gleichgeschlechtliche Paare und wiederverheiratete Geschiedene sind ebenso davon ausgeschlossen wie Nicht-Getaufte. Dass das Sakrament der Ehe nur von Mann und Frau empfangen werden dürfe, sei im Kirchenrecht festgeschrieben, sagt Pfarrer Thomas Schlütter, Leiter des Pastoralen Raumes Hellenthal-Schleiden.

Und das kann nur der Papst oder das weltweite Bischofskollegium ändern. Gesegnet werden dürfen gleichgeschlechtliche Paare seit ein paar Jahren. Diese Segnung müsse sich aber deutlich von einer katholischen Eheschließung unterscheiden, berichtet Schlütter weiter.

Pfarrer Thomas Schlütter steht in schwarzer Regenjacke vor der Schlosskirche in Schleiden.

Pfarrer Thomas Schlütter.

In der katholischen Kirche ist diese heilig. „Daran soll die Welt Gottes Liebe an den Menschen erkennen“, beschreibt es Schlütter. Zur katholischen Eheschließung gehört daher ein Trauversprechen, das dies deutlich macht. Es ist vorgegeben und wird von Braut und Bräutigam vorher geübt und oft auswendig gelernt. Darin sage sich das Brautpaar   gegenseitig die unverbrüchliche Liebe Gottes zu, so Schlütter. Und diese sei eben unverbrüchlich und könne nicht von Menschen getrennt oder zurückgenommen werden.

Katholische Trauung ist immer auch ein Fest für die Gemeinde

Bei dem Sakrament der Ehe geht es laut Schlütter aber um mehr als nur um die Hochzeitszeremonie. Ehepaare sollten Vorbilder sein im Umgang miteinander und mit ihrer Umwelt. An ihrem Leben solle sichtbar werden, dass es einen Gott gebe, so der Pfarrer.

Es ist wie mit allem in der Kirche, es bricht ein.
Thomas Schluetter

Deshalb solle die Eheschließung am besten auch in der Pfarrkirche im Zentrum der Pfarrgemeinschaft stattfinden, denn es sei eine Feier für die ganze Kirche. „Die Sakramente sind keine Privatsache“, sagt Schlütter. Andere Kirchen oder Kapellen könne man aber auch auswählen, und in manchen pastoralen Räumen gebe es inzwischen spezielle Traukirchen. So etwas könne er sich künftig auch hier vorstellen, berichtet der Pfarrer weiter.

Grundsätzlich nehme die Zahl der katholischen Trauungen ab. „Es ist wie mit allem in der Kirche, es bricht ein“, sagt er. 2024 habe es im Pastoralen Raum Hellenthal-Schleiden 15 Trauungen gegeben, 2025 seien es 14 gewesen und für dieses Jahr seien derzeit zehn angemeldet.

Heiraten am Strand oder in der Toskana ist für Zülpicherin kein Problem

Während die Nachfrage in der katholischen Kirche sinkt, steigt sie an anderer Stelle. Immer mehr Menschen, auch im Kreis Euskirchen, wünschen sich freie Trauungen. Also eine Zeremonie ohne religiöse oder andere Vorgaben. Rund zehn freie Traurednerinnen und Trauredner kennt Google im ganzen Kreis Euskirchen, eine davon ist Isa Oestmann aus Zülpich.

Die freie Rednerin Isa Oestmann sitzt an ihrem  Esstisch vor einem Laptop.  Vor ihr auf dem Tisch steht ein Strauß Blumen. Sie trägt ein pinkes Sweatshirt und einen Schal.

Traurednerin Isa Oestmann.

Ob Heiraten am Strand, auf der grünen Wiese oder auch in der Toskana – sie macht alles. Dabei gehe es ihr nicht nur darum, eine persönliche und stimmungsvolle Zeremonie zu gestalten, sondern sie helfe auch gerne bei der Gesamtgestaltung des Hochzeitsfests. So gibt sie Tipps zu Location, Essen, Musik, Fotograf und vielem mehr.

„Ich möchte, dass die Paare an diesem Tag so safe sind, dass sie einfach nur genießen können.“ Dazu passt auch, dass Oestmann auf ihrer Webseite und in ihrem Marketing direkt queere Paare anspricht. Sie ist selbst in zweiter Ehe mit einer Frau verheiratet und sagt: „Ich glaube schon, dass sich queere Personen bei einer queeren Rednerin wohler fühlen.“

Wichtig ist allen drei, dass Liebe zu spüren ist

In der Gestaltung der Zeremonie hat sie nur eine Vorgabe: keine Plattitüden. Sie versuche immer, jede Trauung so persönlich wie möglich zu gestalten. Manchmal gehöre dazu, dass das Paar sich das Trauversprechen gegenseitig aufschreibt, als Liebesbrief. Ein anderes Mal bringe sie die Ringe unter irgendeinem Stuhl der Gäste unter, und wenn es dann zum Ringtausch komme, gehe eine lustige Sucherei los. Wichtig sei ihr, dass das Fest zum Paar passe, berichtet Oestmann. Deshalb treffe sie sich auch vorab mehrfach mit den Brautpaaren. Bis Ende des Jahres stehen bei ihr noch zehn Trauungen im Kalender.

Fragt man Zeitler, Schlütter und Oestmann nach ihrem Lieblingsmoment bei einer Trauung, antworten sie unterschiedlich. „Das ist eigentlich der Moment, in dem man sich gegenseitig bestätigt, dass man für den anderen und seine spirituelle Entwicklung da ist“, sagt die Zen-Meisterin. „Das Schönste liegt eigentlich noch vor der Trauung: das Gespräch mit den Brautleuten, wenn sie von ihrer Liebe erzählen“, sagt der Pfarrer. „Der emotionalste Moment ist für mich klar der Einmarsch der Braut oder des Paares“, sagt die Traurednerin.

Und so unterschiedlich sind diese drei Momente dann doch nicht. Sie alle beschreiben einen Augenblick, in dem Liebe spürbar wird.


In der Serie „Alles Liebe“ befassen wir uns mit Hochzeitsplänen und Herzensfragen im Kreis Euskirchen. Und weil Geschichten über die ganz großen Emotionen immer von den Menschen leben, die sie erzählen, brauchen wir Sie: Schicken Sie uns ihre außergewöhnlichen Hochzeitsanekdoten mit Kontaktinformationen und Bildern per Mail (redaktion.euskirchen@ksta-kr.de oder redaktion.gemuend@ksta-kr.de) zu.