Nach der Schließung des Edeka-Geschäfts in Tondorf soll ein neues Nahversorgerprojekt im Genossenschaftsmodell gestartet werden.
Neuer NahversorgerIn Tondorf soll ein „Tante-Enso“-Markt entstehen

Noch ist hier Brachland, aber bald sollen dort Menschen einkaufen können: Das Nahversorgungsprojekt für Tondorf präsentierten André und Gaby Barth (v.l.), Andreas Metzler und Norbert Crump.
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Es ist eines der zentralen Probleme für alle, die sich für ein Leben auf dem Land entschieden haben: Wo können Lebensmittel und andere wichtige Utensilien vom Klopapier bis zur Zahnpasta, beschafft werden? Natürlich möglichst wohnortnah. Das stellte für die Tondorfer bis 2023 auch kein Problem dar, da der Edeka-Markt an der Mechernicher Straße zur Verfügung stand. Doch seitdem müssen die Tondorfer den Weg über die B51 ins rund fünf Kilometer weit entfernte Blankenheim auf sich nehmen. Bäckerei und Apotheke sind weiterhin im Ort vertreten.
„Tondorf ist einer der Zentralorte in der Gemeinde Nettersheim, auch wenn der Landesentwicklungsplan das so nicht anerkannt hat“, sagte Bürgermeister Norbert Crump. Im Mutterhaus der Tante-Enso-Supermärkte teilt man die Ansicht der Gemeinde und schätzt Tondorf als potenziell lukrativen Standort ein. Denn wenn alles so läuft, wie es die Investoren planen, gibt es Ende 2027 einen Mini-Supermarkt mit einem innovativen Konzept, der rund um die Uhr und auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet ist.
Gaby und André Barth stehen bereit, das Projekt zu realisieren. Der Standort ist günstig gewählt: Direkt neben der denkmalgeschützten Kirche St. Lambertus, knapp 100 Meter vom Gebäude des ehemaligen Edeka-Marktes entfernt auf der Freifläche, die entstanden ist, als die nicht mehr benötigte Trafostation abgerissen wurde. „Wir haben uns damals die Flächen für die Gemeinde gesichert“, so Crump. Nun soll das Grundstück an das Ehepaar Barth verkauft werden, um dort den neuen Nahversorger zu errichten. Damit liege der Supermarkt direkt an der Durchgangsstraße, auf der viele Pendler unterwegs seien.
Nahversorger in Tondorf könnte rund um die Uhr geöffnet sein
Geplant sei ein Gebäude mit zwei Gewerbe- und wahrscheinlich vier Wohneinheiten, erläuterte André Barth sein Konzept, das bereits vom Rat der Gemeinde abgesegnet worden ist. Im Erdgeschoss solle nicht nur der Supermarkt zu finden sein, sondern auch das Angebot eines Metzgers aus der Region. „Da laufen aber noch Gespräche“, so Barth.

Etwa so könnte das neue Gebäude des Nahversorgers in Tondorf aussehen.
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Das Konzept der Tante-Enso-Märkte habe er über Bürgermeister Crump kennengelernt. Die Märkte seien genossenschaftlich organisiert, so dass die Anteilseigner Zugangskarten erhalten könnten. Zur Zeit habe Tante Enso 86 Läden, doch durch die Übernahme der insolventen Tegut-Märkte könnten diese bis Ende des Jahres auf rund 130 Standorte kommen, schätzte Barth.
Rund um die Uhr solle der Markt zugänglich sein, erläuterte der Investor. Doch für alle, die das ungern wahrnehmen, soll an den Vormittagen Personal im Laden sein. „Für den Rest des Tages besteht durch den Genossenschaftsanteil die Möglichkeit, einzukaufen.“ Die Warenbeschaffung erfolgte über Rewe, so dass auch Rewe-Produkte erhält seien. Ergänzt werde das ganze durch ortsansässige Anbieter wie Imker oder Kartoffelbauern.
500 Genossenschaftsanteile müssen für das Projekt verkauft werden
Entscheidend für das Gelingen des Projektes dürfte die Vorstellung am Donnerstag, 3. September, 18.30 Uhr, im Dorfsaal in Tondorf sein. Dann beginne die vierwöchige Zeichnungsfrist für die Genossenschaftsanteile des Enso-Marktes. „In den vier Wochen müssen wir 500 Anteile verkauft haben“, sagte Barth. Das verlange Tante Enso als Minimum. 100 Euro kosten die einzelnen Anteile laut Barth: „Die werden mit fünf Prozent Dividende pro Jahr verzinst.“ Auch erhalten die Genossenschaftsmitglieder ein Mitspracherecht über das Sortiment und Skonto beim Einkauf. Er habe auch schon Anfragen für die geplanten Mietwohnungen bekommen, verriet Barth schmunzelnd.
„Zu dem Termin im Dorfsaal werden wir auch die detaillierten Pläne für den Neubau fertighaben“, kündigte er an. Drei Bürgersprechstunden seien geplant, und es gebe auch fünf Paten im Ort, die für Fragen der Bürger zur Verfügung stehen.
Das Interesse im Dorf mit seinen 400 Haushalten sei groß, sagte Ortsvorsteher Andreas Metzler: „Seit das bekannt geworden ist, steht das Telefon nicht mehr still.“ Abends müsse schon mal der Flugmodus im Handy eingestellt werden, um etwas Ruhe zu finden. Auch in den Nachbarorten gebe es große Resonanz.
Jetzt geht es in die Detailplanung des Neubaus. Im August oder September soll der Bauantrag eingereicht werden, der hoffentlich bis zum Jahresende genehmigt ist. „Dann wollen wir spätestens im Januar anfangen zu bauen“, sagte Barth. Avisiert seien zehn Monate Bauzeit, so dass er hoffe, im Oktober oder November Eröffnung zu feiern.
