Mehrfach wurde der Rettungsdienst des Kreises Euskirchen zu einem Mehrfamilienhaus gerufen. Doch erst beim dritten Einsatz gaben die CO-Warngeräte Alarm.
KohlenmonoxidElf Hausbewohner aus Schleiden-Broich mit Vergiftungen ins Krankenhaus

Eine Hausbewohnerin wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen.Stephan Everling
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Einen aufwendigen Einsatz absolvierten Feuerwehr und Rettungsdienst in einem Mehrfamilienhaus in Broich bei Schleiden. Mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung mussten letztlich elf Menschen ins Krankenhaus gebracht werden. Wodurch das Kohlenmonoxid freigesetzt wurde, dazu konnten die Polizei und die Einsatzkräfte am Donnerstag vor Ort noch keine Angaben machen.
Bereits am Vorabend war der Rettungsdienst in das Haus gerufen worden, in dem mehrere Familien wohnen. Zwei Bewohner seien wegen verschiedener Beschwerden ins Krankenhaus gebracht worden, so Wolfgang Fuchs, der Leiter der Schleidener Feuerwehr. In der Nacht sei ein weiterer Einsatz erforderlich geworden, bei dem drei weitere Personen ins Krankenhaus gebracht worden seien. Doch erst am Donnerstagmorgen, als der Rettungsdienst ein weiteres Mal zu dem Haus gerufen worden war, hätten die CO-Warner angeschlagen, die die Rettungskräfte bei sich tragen.
Frau mit Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen
Gegen 10 Uhr wurde die Schleidener Feuerwehr alarmiert, die mit einer Vielzahl von Fahrzeugen anrückte. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte seien in dem Haus zehn Personen angetroffen worden, sagte Fuchs. Sechs von ihnen, darunter vier Kinder, hätten über Beschwerden geklagt, informierte Einsatzleiter Stefan Träger.
In einem Fall sei es aufgrund der Schwere der Intoxikation notwendig gewesen, den Rettungshubschrauber zu rufen, um die Verletzte so schnell wie möglich in eine Klinik zu bringen. Der Helikopter landete auf der kurzfristig gesperrten Landstraße, um die Verletzte aufzunehmen. Die anderen Personen, die über Beschwerden klagten, wurden mit Rettungswagen zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht.
Zudem seien mehrere Vögel verendet, berichtete Fuchs, doch habe die Feuerwehr zwei Meerschweinchen und eine Katze aus dem Haus retten können.
Das Gas könnte aus der Heizung ausgetreten sein
Komplett ungeklärt war noch am Vormittag die Ursache für das Unglück. „Unsere Messgeräte haben überall angeschlagen“, so Einsatzleiter Träger. Um genauere Messungen vornehmen zu können, ließ er weitere Messgeräte an den Einsatzort bringen. Als mögliche Ursache für den Austritt des gefährlichen Atemgiftes wurde die Heizung ins Kalkül gezogen.
Insgesamt rund 40 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei waren bei dem Einsatz vor Ort. Alleine fünf Rettungswagen, ein Notarzt und ein Hubschrauber waren erforderlich, um die betroffenen Menschen in Krankenhäuser zu bringen.
Kohlenstoffmonoxid ist ein gefährliches Atemgift
„Kohlenmonoxid ist heimtückisch“, warnte der Leiter der Feuerwehr Schleiden, Wolfgang Fuchs. Das Gas sei farb-, geruch- und geschmacklos. Deshalb werde es in der Regel im Falle eines Unfalles kaum von den Betroffenen bemerkt. Früher seien oft alte Gasthermen Quelle für eine Kohlenmonoxidvergiftung gewesen, wenn die Abdichtung der Geräte nicht mehr ausreichend gewesen sei. Aber auch Versuche, einen Raum ohne ausreichende Belüftung mit einem Holzkohlegrill zu heizen, könnten fatale Folgen haben.
Gefährlich sei auch, dass Kohlenmonoxid (CO) ein ähnliches Gewicht habe wie Luft und sich deshalb unbemerkt auf den ganzen Raum ausbreiten könne. Es sei nicht möglich, das Gas in einen Raum einzuschließen, da die Moleküle so klein seien, dass sie durch Wände oder Decken diffundierten. Kohlenstoffmonoxid entsteht bei unvollständiger Verbrennung von kohlenstoffhaltigem Material. Es bindet sich an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin und blockiert den Sauerstofftransport.
Die Symptome einer Kohlenmonoxidvergiftung sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit oder Atemnot. In schweren Fällen kann das Einatmen zur Bewusstlosigkeit führen, so dass die Atmung aussetzen und ein Herz-Kreislauf-Stillstand eintreten kann.
