Euskirchen – Die Bahn hat am Dienstagnachmittag den Verkauf des Kettenfahrzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg, das bei Bauarbeiten unter einem Gütergleis am Euskirchener Bahnhof entdeckt worden war, gestoppt. „Das Wrack ist inzwischen in eine Lagerhalle gebracht worden“, sagte eine Bahnsprecherin gestern: „Wir müssen jetzt schauen, wie wir weiter verfahren.“ Inzwischen seien die Denkmalbehörden eingebunden – auch die Stadt Euskirchen. Doch die hat, das versicherte Stadtsprecherin Silke Winter gestern, kein Interesse an dem Kettenfahrzeug: „Die Reste sind doch arg verrostet.“
Die Denkmalschutzbehörde wird sich das Wrack nach Rundschau-Informationen in nächster Zeit anschauen. Auch das Landesamt für Bodendenkmalpflege ist interessiert. Die Archäologen sprechen von einem „beweglichen Bodendenkmal“. Der Fundort soll nicht untersucht werden, zumal es sich um eine Gleisbaustelle handelt. Aber das Fundstück selbst soll so behandelt werden wie jedes andere aus der Römerzeit oder dem Mittelalter auch, hieß es bei der Denkmalbehörde.
Ausgräber der LVR-Dienststelle in Zülpich freuten sich am Mittwoch darüber, dass die Verschrottung durch die Bahn gestoppt wurde. Laut Bahn haben auch Sammler und Museen wegen des Funds in Euskirchen angefragt und Interesse bekundet.
Die Rundschau konnte dank eines Lesers ermitteln, zu welchem Fahrzeugtyp das Ketten-Untergestell einmal gehörte. Michael Jung hatte die ersten Fotos, die von der Bundespolizei veröffentlicht worden waren, mit seinen Büchern zur Militärhistorie verglichen und war danach im Internet auf die Suche gegangen.
Schnell stand für ihn fest, dass es sich um ein „Sonder-Kfz 10“ handeln musste, das bei Demag als „Typ D7“ gebaut wurde. Da in Euskirchen nur die Wanne mit den typisch versetzt angeordneten Rädern, den noch zugstabilen Ketten, einer verbogenen Wanne und dem zerstörten Motor gefunden wurde, war eine Identifizierung zunächst nicht leicht.
Die Wanne steckt auch heute noch voller Innereien. In ihr liegt auch der alte Motor, der ein großes Loch aufweist. Es könnte von Beschuss, aber auch von einer Sprengung auf der Flucht zeugen. Es gibt noch viele Rätsel für Historiker.

