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Prunksitzung der KG Heimat170 Jecken vergnügten sich in der Dürschevener Dorfhalle

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Zwei schwarz gekleidete Männer stehen auf der Bühne, sie halten mit Text beduckte große Papierseiten in den Händen.

Sprach-, aber nicht wortlos in Dürscheven: „De Zettelmänn“ Torsten Beulen (l.) und Jens Bongard.

Beim Auftritt der „Zettelmänn“ war es mucksmäuschenstill im Saal des Zülpicher Vorortes. Prinz Tobias I. war auch mit dabei.

170 Besucher füllten die Dürschevener Dorfhalle – und sie waren für einige Minuten mucksmäuschenstill. Das gibt es im Sitzungskarneval eher selten. Der Grund dafür – ob aus neugieriger Erwartung oder Ratlosigkeit, das sei dahingestellt – waren „De Zettelmänn“ alias Torsten Beulen aus Dürscheven und Jens Bongard aus Zülpich. Sie hatten sich für ihr jeckes Zwiegespräch selbstbemalte große Zettel mitgebracht. Für einen Auftritt als eine Art Mitlesestück ohne Worte.

„Wir sind jedenfalls vorher davon ausgegangen, dass wir nach heute Abend nicht für eine große Karnevalstournee durch die Säle im Kreisgebiet entdeckt werden“, meinte Torsten Beulen selbstkritisch. Fürwahr: So viel stumme Zuschaudisziplin wie in der Dürschevener Dorfhalle bei der Prunksitzung der KG Heimat 1919 dürfte andernorts eher selten sein.

Das rund dreistündige Programm brachte die Gäste in Stimmung

Egal, dachten sich Bongard und Beulen, Karneval ist, wenn auch mal was anders ist, und sie bewiesen Mut zur Sprachlosigkeit als Programm. „Aber Klatschen dürft ihr natürlich schon“, räumte Bongard mit Blick in den Saal mögliche Missverständnisse aus.

Der Ehrenkommandant der KG Heimat, Volker Dissemond, führte durch das rund dreistündige offizielle Programm in der Dorfhalle, bei dem wie gewohnt gleich zu Beginn das Tambour- und Fanfarencorps der Funken Rot-Weiß aus Dürscheven für Stimmung sorgte. Vor allem das Schövvener Karnevalsurgestein Wolfgang Oepen an der Trompete gab den tatsächlich komplett unnötigen Stimmungseisbrecher.

Es folgten unter anderem Showtanz der Damengarde der KG und ein närrisches Zwiegespräch von „Willi & Ernst“ aus Köln, die wie immer ihre Mischung aus kölschem Humor und Alltagskomik zeigten.

Ein älterer Mann in der Uniform der KG Heimat spielt Trompete.

Wolfgang Oepen, der Vorsitzende der KG Heimat, sorgte an der Trompete für Stimmung in der Dürschevener Dorfhalle.

Für ein herrliches Bild, das es so nur im Karneval geben kann, sorgten die Blauen Funken aus Zülpich mit der aktuellen römerstädtischen Tollität Tobias I. im Schlepptau. Die Zülpicher Garden wissen eben, wie man Militärparodie inszeniert – zum Beispiel mit einem innigen Stippeföttche-Tanz.

Mit dem „Danzspektakel“ aus Bürvenich kam dann eine Showtanzgruppe auf die Narrenbühne und Choreographisches der anderen Art. Die „Gulaschkapell“ sorgte mit viel Rhythmus und fetzigen Melodien für ausgelassene Feierstimmung.

In Dürscheven, so lobte Besucher Sven Lamb aus dem benachbarten Enzen, „haben sie es geschafft, auch über Generationen hinweg den Zusammenhalt zu sichern. Das gibt es auch im Karneval auf den Dörfern nicht mehr so oft.“ In Enzen und Dürscheven aber schon, meint Lamb, auch die Dorf-Nachbarschaft: „Die Enzener helfen heute den Dürschevenern beim Thekendienst, dafür unterstützen die uns bei der Kirmes.“

Nach der Prunksitzung am Freitag war vor dem „Kinderkarneval“ am Sonntag. Bei freiem Eintritt für die, für die er gedacht ist. Erwachsene aber mussten zahlen.