Das Veranstalter Deutschlands größtes Hardstyle-Festival startet am Samstag in Zülpich. Mehr als 10.000 Besucher werden am Wassersportsee erwartet.
Hardstyle-FestivalSo bereitet sich Zülpich auf „Into the Madness“ vor

Schwindelfrei müssen die Männer sein, die an der großen Bühne in luftiger Höhe arbeiten.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Der Wassersportsee ruht still in der Morgensonne. Er ist aber definitiv der Einzige, der hier ruht. Rundum wird gearbeitet. Gabelstapler düsen hin und her, Lastwagen rangieren, es wird gebohrt, geschraubt, gehämmert. Benjamin Reichert, den alle nur Benny nennen, kommt auf einem E-Scooter angesaust. Er versucht den Überblick zu behalten. Und er sagt: „Unterm Strich bin ich relativ entspannt.“ Obwohl er kaum einen Satz zu Ende bringen kann, ohne dass sein Handy klingelt.
Am Samstag steigt im Zülpicher Seepark „Into the Madness“, laut Veranstalter Deutschlands größtes Hardstyle-Festival. Bis dahin müssen fünf Bühnen aufgebaut sein, unzählige Zaunelemente platziert, Zelte verankert. Die Türme der Hauptbühne stehen bereits, die Männer, die jetzt daran arbeiten, müssen schwindelfrei sein: Sie werden auf sicheren Plattformen in luftige Höhen gehoben, um dort letzte Hand anzulegen. Ein Kran steht bereit, um eine Windrose gewissermaßen als Krönung auf den riesigen Bühnenaufbau zu setzen.
Zu „Into the Madness“ werden in Zülpich 75 Artists erwartet
Rund 50 bis 70 Leute seien derzeit in Zülpich im Einsatz, sagt Benny Reichert. Beim Festival selbst werden es rund 200 Kräfte sein, dazu kommen die 75 Artists, die die Musikfans beschallen werden. Ein Lastwagen aus den Niederlanden hält, der Fahrer fragt nach dem Weg zu der Stelle, wo seine Ladung für den Bühnenaufbau gebraucht wird. Reichert muss nachdenken, in den Plan schauen, schickt den Lkw schließlich zurück und einmal außenrum.
Am Montag vergangener Woche war der Produktionsleiter vor Ort und hat mit GPS den genauen Standort der Bühnen ausgemessen. Standardmodelle sind hier nicht gefragt: „Jede Bühne ist jedes Mal ein Sonderbau“, erklärt Benny Reichert. „Und an jeder sind bis zu zehn Gewerke beteiligt.“ Die Hauptbühne – das Herzstück des Festivals – nimmt schon Gestalt an mit ihren hoch aufragenden Türmen. Hier wird am Samstag gegen Mitternacht das Festival enden, mit Feuerwerk und einem Track, der aus den Musikstücken des Abends zusammengeschnitten ist.

Noch sieht es in dem Zelt, in dem die zweite Bühne stehen wird, wie auf einer Großbaustelle aus. In drei Tagen steigt hier das Festival.
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Benny Reichert behält den Überblick auf dem Gelände.
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Zwischen Palmen, Strand und einem Piratenboot rangieren Gabelstapler, damit am Seeufer eine der Stages entsteht.
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So schnell kann es gehen: Aus dem Seehaus ist das Madhaus geworden.
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13.000 Hardstyle-Fans waren im vergangenen Jahr bei „Into the Madness“, mit mindestens genauso vielen rechnet Reichert diesmal bei der fünften Auflage. Die Bühnen sind in diesem Jahr etwas anders auf dem Gelände am Wassersportsee verteilt, das Zirkuszelt steht bereits auf der Hotelwiese. Die Seebühne wird nicht bespielt, stattdessen rückt eine neue Bühne am Stand dicht ans Ufer heran.
Er lege viel Wert auf die Zusammenarbeit mit Betrieben aus der Region, erzählt Reichert. Das Catering für die Mitarbeiter und auch für die Künstler hat Marienborn übernommen, das DRK Zülpich leistet den Sanitätsdienst auf dem Gelände. Der Lastwagen eines Zülpicher Getränkelieferanten muss millimetergenau rangieren, weil Palmen und ein Piratenschiff im Weg stehen – eher ungewöhnliche Hindernisse in der Zülpicher Börde. Benny schaut wieder auf seinen Plan: „Jede einzelne Palme ist da nun auch nicht eingezeichnet.“
Wegen des Festivals ist der Seepark bis zum 9. September gesperrt
Im vergangenen Jahr seien die Gäste des Festivals aus 16 Ländern gekommen, erzählt Jan Blatzheim von der Seepark Zülpich gGmbH. Für den Veranstalter sei das nichts Außergewöhnliches, aber „für Zülpich schon“. Der Seepark ist wegen das Festivals für eine Woche gesperrt, am kommenden Mittwoch, 9. September, öffnet er wieder.
Auf dem großen Parkplatz direkt am Eingang zum Seepark ist am Samstag der Einlass zum Festival, auch die anderen regulären Parkplätze sind als Lagerflächen oder als Wartezone für die Shuttlebusse belegt. Deshalb wurden von den Landwirten Flächen angemietet, die als Parkplatz genutzt werden können. Angefahren werden kann das Gelände nur von der B477, die an diesem Tag in diesem Abschnitt als Einbahnstraße ausgewiesen ist. Die Straße am Wassersportsee ist gesperrt.
„Während des Festivals kann es zu erhöhter Lautstärke kommen“, warnt der Seepark auf seiner Seite. Jan Blatzheim und Benny Reichert sind sich allerdings einig, dass mittlerweile ein Großteil der Zülpicher, die in Hörweite des Sees wohnen, das Festival ohnehin besucht.
Ab 12 Uhr am Samstag ist Einlass, es gibt noch Karten. Die kann man allerdings nicht vor Ort kaufen, sondern ausschließlich im Internet. Schluss ist pünktlich um Mitternacht, wenn das Feuerwerk über die Bühne gegangen ist. „Die Gastro beginnt schon in der Nacht mit Abbau“, erzählt Benny Reichert. Am Mittwoch muss der Park ja wieder tipptopp sein, einige der Mitarbeiter waren dann zweieinhalb Wochen vor Ort.
Und dann? Dann beginnt die Planung für das kommende Jahr. Denn auch das sechste „Into the Madness“ soll am See stattfinden.
