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Schock-Welle bis BensbergMessstation bei Köln registriert „Erdbeben“ nach Katastrophe in Nepal

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Videoaufnahmen zeigen die zerstörerische Flutwelle in Tibet.

Videoaufnahmen zeigen die zerstörerische Flutwelle in Tibet.

Der Gletschersturz im Himalaya war so enorm, dass sogar die Messgeräte der Erdbebenstation Bensberg der Uni Köln ausschlugen.

Ein gewaltiger Gletscher- und Felssturz im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet hat am Dienstag (25. August) eine der schwersten Naturkatastrophen der jüngeren Himalaya-Geschichte ausgelöst. Nach aktuellem Stand kamen in China und Nepal zusammen mindestens 472 Menschen ums Leben, weiterhin gelten mehr als 1.300 Menschen als vermisst. Und selbst 6.800 Kilometer entfernt, an der Erdbebenstation Bensberg der Universität zu Köln, schlugen die Messgeräte aus.

Am Morgen des 25. August um 4.52 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit brach an der Nordflanke des Langtang-Massivs ein riesiger, an einer Steilwand hängender Gletscher zusammen und riss den darunterliegenden Fels mit sich, so die Rekonstruktion des Unglücks durch das Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ). Durch die Reibung beim Absturz schmolz das Eis nahezu augenblicklich, vermischte sich mit Geröll und Sedimenten und bildete einen gewaltigen Schlammstrom, der mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde ins Tal des Flusses Lende Khola schoss. Weniger als zehn Minuten später traf die erste Welle den chinesisch-nepalesischen Grenzposten Gyirong – Gebäude und Infrastruktur wurden dem Erdboden gleichgemacht. Die Zerstörungswelle zog sich anschließend mehr als 100 Kilometer das Trishuli-Tal hinunter.

Ganze Dörfer wurden im Schlamm begraben.

Ganze Dörfer wurden im Schlamm begraben.

Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS handelte es sich seismisch nicht um ein klassisches tektonisches Erdbeben, sondern um die durch den Massensturz freigesetzte Energie. Trotzdem war das Signal so stark, dass Seismometer weltweit anschlugen – mit einer errechneten Magnitude von 5,69 Mw, so die Expertinnen und Experten vom GFZ weiter. Die Oberflächenwellen brauchten rund 40 Minuten, um Deutschland zu erreichen.

Kölner Messstation registrierte deutliche Bodenbewegung

Auch im Messnetz der Erdbebenstation Bensberg der Uni Köln zeigte sich das Ereignis. Die Station BGG auf Burg Eltz registrierte deutliche Bodenbewegungen, wie deren Leiter Dr. Martin Zeckra bestätigte. Im Seismogramm der Station ist zu erkennen, wie die Ausschläge nach dem Ereignis in Nepal spürbar zunehmen – schwächere Signale treffen dabei zuerst ein, stärkere folgen mit Verzögerung. Der Grund: Seismische Wellen breiten sich auf unterschiedlichen Wegen durch und entlang der Erdkugel aus und benötigen dadurch unterschiedlich lange bis zu einem Messpunkt.

Dass ein Ereignis dieser Größenordnung überhaupt bis ins Rheinland durchschlägt, liegt an der reinen Wucht der Massenbewegung. Auch ohne tektonischen Ursprung setzen große Berg- oder Gletscherabbrüche genug Energie frei, um weltweit messbare Erschütterungen zu erzeugen – ein Phänomen, das auch am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam beobachtet wurde, wo eine baugleiche Station in Flechtingen (Sachsen-Anhalt) das Ereignis ebenfalls aufzeichnete.

Forscher: Frühwarnung wäre möglich gewesen

Für die Betroffenen im Himalaya kommt die wissenschaftliche Erkenntnis zu spät. Prof. Dr. Niels Hovius, Leiter der Sektion Geomorphologie am GFZ und seit über zehn Jahren in der Region tätig, sagt: „Es gibt keine Möglichkeit, solche Ereignisse zu verhindern. Es handelt sich um Naturereignisse, die im Himalaya mehrmals im Jahr auftreten. Frühwarnsysteme auf der Grundlage seismischer Signale sind jedoch möglich. Ein solches System hätte mit nur wenigen Minuten Verzögerung flussabwärts Warnungen ausgeben können.“

Die Suche nach den Vermissten im Katastrophengebiet geht weiter.

Die Suche nach den Vermissten im Katastrophengebiet geht weiter.

Ein internationales Forschungsteam, an dem auch das GFZ beteiligt ist, arbeitet bereits an einem seismischen Frühwarnsystem für die Himalaya-Region. Es soll unabhängig von einzelnen überwachten Seen oder Flussläufen funktionieren und stattdessen die bei solchen Ereignissen freigesetzten Erschütterungen aus der Ferne erkennen – ähnlich jenen, die jetzt auch in Köln und Sachsen-Anhalt registriert wurden. Rückblickend zeigten Analysen früherer Katastrophen, dass eine Vorwarnzeit von bis zu elf Minuten möglich gewesen wäre.

Im Katastrophengebiet selbst dauert die Suche nach Vermissten weiter an, erschwert durch unwegsames Gelände und zerstörte Infrastruktur. Die USA kündigten Soforthilfe in Höhe von 500.000 Dollar an, auch die Vereinten Nationen und Indien schickten Hilfsgüter und Personal in die Region.