Kommunalwahl in KölnStaatlich geprüfte Clownin will in den Stadtrat

Karina Syndicus, Spitzenkandidatin der Wählergruppe „Die Guten“.
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- 45 Wahlbezirke gibt es in Köln. Bis zur Wahl am 13. September berichten wir aus allen Veedeln der Stadt.
- Es geht um spannende Duelle, interessante Kandidaten, prägende Themen und Trends und Kuriositäten.
- In diese Folge stellen wir Ihnen Karina Syndicus vor, Spitzenkandidatin der Wählergruppe „Die Guten“.
Köln – Unter allen Ratsbewerbern hat Karina Syndicus, Spitzenkandidatin der Wählergruppe „Die Guten“, wohl den exotischsten Job: Sie ist nicht nur Schauspielerin, sondern auch staatlich geprüfter Clown mit Schwerpunkt „Physical Theatre“ – die Aus- und Weiterbildung zum Clown gibt es wirklich, sie wird von diversen Instituten angeboten. Die weibliche Form „Clowin“ gefällt ihr nicht, ein „Clown“ sei ohne Geschlecht. Die 31-jährige alleinerziehende Mutter von drei Kindern ist passionierte Radlerin; auch zum Treffen am „Taj Mahal“ auf dem Nippeser Markt kommt sie auf dem Lastenrad.
Zur Wahl steckt sie die Ziele für die „Guten“ hoch. „Mit sieben oder acht Mandaten wäre ich sehr zufrieden; elf wären ein Traum.“ Das Minimalziel seien drei Mandate, dann wären die „Guten“ in Fraktionsstärke mit allen damit verbundenen Rechten im Stadtrat vertreten. Derzeit sitzen die „Guten“ zu zweit – mit Thor-Geir Zimmermann und Tobias Scholz – im Rat. Syndicus kandidiert auf Platz Eins der Reserveliste der Partei und zugleich im Wahlbezirk 25 aus Bilderstöckchen, Mauenheim und Nippes-Nordwest als Wahlkreisvertreterin. Dass sie im Wettstreit mit den Kandidaten der großen Parteien das Direktmandat holt, ist recht unwahrscheinlich.
„Ich konnte direkt mitmischen“
Aber Überraschungen schließt Syndicus nicht aus. Seit drei Jahren ist sie bei den „Guten“ aktiv. „Für Politik war ich immer schon offen – und finde es besser, etwas zu machen anstatt nur zu meckern. Und als dreifache Mutter, die viel per Lastenrad durch Köln fährt, sowie als um ihre Räume bangende Künstlerin weiß ich, wo Bedarf besteht, Dinge zu ändern“, sagt sie. „Bei »Gut« mag ich sehr, dass man direkt mitmischen konnte.“
Sie reize das freie Denken und der Mut zu ausgefallenen Ideen – wie dem „Rheinpendel“, der von den „Guten“ lancierten Rheinseilbahn als Nahverkehrsmittel für Köln. „Zunächst erschrecken alle, wenn ich die Seilbahn anspreche, weil sie so unkonventionell ist. Dabei ist das System schnell zu errichten, weil kein Tiefbau nötig ist.“ Mit ihren Großraum-Gondeln böte sie eine hohe Kapazität und schaffe Querverbindungen zwischen Links- und Rechtsrheinischem, wo Bus und Bahn umständlich und zeitraubend seien. Zudem sei eine Seilbahn touristisch reizvoll und bringe das Ziel einer autoarmen City näher, mit Park-and-Ride-Häusern für Pendler an den Einstiegen.
In den Veedeln setzen die Guten ebenso auf Quartiersparkhäuser, um Platz zu gewinnen – sowie auf Lastenräder für die „letzte Meile“ zur Wohnung. In ihrem kinderreichen Wahlbezirk wolle sie mit Aufklärung und Kontrollen erreichen, dass Autofahrer das Schritttempo auf Spielstraßen beachten. „Mehr Kontrollen auf der Fahrradroute Etzelstraße tun ebenfalls not.“ Ebenso schweben ihr Schulhof-Öffnungen zum Spielen, grüne Fassaden sowie mehr Wasserstellen für den Sommer vor. „Wir wollen grüne und blaue Infrastruktur schaffen. Man sieht am Ebertplatz, was dies zusammen mit Gastro- und Kultur-Angeboten bewirken kann.“
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Ihre Wählergruppe ging aus dem Bündnis „Deine Freunde“ hervor, für die Zimmermann 2009 erstmals in den Rat einzog. Wegen eines Streits um Geld spalteten sich die nunmehr zwei Mandatsträger 2016 als „Die Guten“ ab, behielten jedoch ihre Ratsmandate. Ihre früheren Weggefährten treten diesmal als „Klima-Freunde“ an, mit noch stärkerem Umwelt-Fokus. Dass die „Guten“ die Mandate behielten, obwohl ihre Wähler ihr Kreuzchen bei „Deine Freunde“ gemacht hatten, fanden die Freunde gar nicht gut. Wenig überraschend sieht Syndicus das ganz anders: Sie meint, dass man in erster Linie die Person wählt, die einen im Rat vertreten soll. „Daher war es legitim, dass sie ihr Mandat behalten.“
„Wir verfolgen allerdings ähnliche Ziele; auf die Gespräche zwischen uns und den Klima-Freunden nach der Wahl bin ich gespannt“, meint sie zum Verhältnis zu den Ex-Mitstreitern. Inhaltlich würden wohl auch viele Grüne die Ansichten der „Guten“ teilen. „In ihrem schwarz-grünen Ratsbündnis sind sie jedoch weit weg von ihrem Programm. Wir als Wählergruppe können viel freier an Themen heran gehen.“
Bei dieser Wahl hoffen gleich mehrere kleine Parteien, den Grünen Wähler abspenstig zu machen. Die „Guten“, die „Klima-Feunde“ sowie die internationale, europafreundliche Partei „Volt“ setzen auf „grüne Themen“. Und hoffen auf viele Unzufriedene, die den Grünen ihr Bündnis mit der CDU und den Verzicht auf einen eigenen OB-Kandidaten übel nehmen. Auch die Linken haben die Grünen zum Gegner erklärt. Doch Syndicus setzt darauf, dass das Gute – respektive die „Guten“ – sich durchsetzen mögen.
Wahlbezirk 25
Bilderstöckchen und Mauenheim wären etwa das für Köln, was Connecticut und das kleine Rhode Island für die USA sind – ein solides Terrain für die (Sozial-)Demokraten. Jörg van Geffen, erneut der SPD-Kandidat, gewann 2014 mit satten 14 Punkten Vorsprung vor dem CDU-Bewerber. Diesmal gehören jedoch auch zwei Stimmbezirke aus Nippes zum Wahlbezirk: 50106 (Eisenbahnviertel inkl. autofreier Siedlung) und 50112 (zwischen St.-Vinzenz-Hospital und Gürtel), die 2014 – selbst für Nippeser Verhältnisse – stark zu den Grünen neigten.
Die bei den vorigen Wahlen zweitplatzierte CDU schickt den 28-jährigen Samuel Gail ins Rennen. Er hat sich Verkehr, digitalisiertes Lernen und einen Supermarkt für Bilderstöckchen vorgenommen. Die Grünen treten mit der Bezirksvertreterin Bärbel Hölzing an, sie legt den Schwerpunkt auf Umwelt, Kultur sowie Bildung. Bei der letzten Kommunalwahl waren hier auch die Linken stark. Bei dieser Wahl treten im Wahlbezirk insgesamt elf Parteien an.



