Ein 31 Jahre alter Mann muss sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs verantworten. Er sagt, das Mädchen habe ihm ein falsches Alter genannt.
Prozess in KölnLeverkusener wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen vor Gericht

Der Angeklagte ist jetzt 31 Jahre alt. Das Mädchen war 13, als er mit ihr Sex hatte, aus dem ein Sohn hervorging. Neben ihm sein Verteidiger Bernhard Scholz.
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Er war 30, sie 13. Als sie sich im Sommer vorigen Jahres am Opladener Busbahnhof kennenlernten, kam es schnell zu Sex. Kurze Zeit später war sie schwanger. Am 6. Mai ist ihr Sohn geboren. Und das war auch so gewollt, allerdings unter anderen Umständen: Er sei davon ausgegangen, dass seine neue Freundin 19 Jahre alt ist, sagt am Montag Bogdan B. (Name geändert) im Kölner Landgericht.
Ob diese Aussage, die alles ändern würde, auch stimmt, will die 2. Große Strafkammer unter Christoph Kaufmann in den nächsten Tagen herausfinden. Dort muss sich Bogdan B. wegen schweren sexuellen Missbrauchs verantworten. Dieser Tatvorwurf resultiert aus dem Alter des jungen Mädchens. Ab 14 Jahren wäre Sex rechtlich möglich gewesen.
Die sieht aus wie 19, 20.
Die erste Begegnung mit dem Mädchen aus Langenfeld schildert Bogdan B. so: Er und die Clique, mit der seine spätere Freundin unterwegs war, hätten auf einen Gras-Dealer gewartet. Alle seien dann in eine Kontrolle des Ordnungsamts geraten. Das Mädchen habe keine Papiere bei sich gehabt – und behauptet, sie sei 19 Jahre alt. Bei einer folgenden Polizeikontrolle habe sie dasselbe gesagt. Und er habe das auch für bare Münze genommen: „Die sieht aus wie 19, 20.“ Ein großes kräftiges Mädchen. Außerdem habe sie gesagt, dass ihr vorheriger Freund auch 31 Jahre alt gewesen sei. Das schien also stimmig.
Zwei bis drei Wochen später habe man sich dann geschrieben und schnell die Beziehung angefangen. Da sei es auch fast sofort um Kinder gegangen. Seine Idee: „Ich wollte die kriminellen Sachen hinter mir lassen.“ Der junge Mann aus Skopje, der in Deutschland nur geduldet ist, hat schon einiges auf dem Kerbholz. Von achteinhalb Jahren Haft ist die Rede wegen schweren Raubes.
Und ihre Motivation: Sie wollte von ihrer Mutter in Langenfeld weg und auch mit Oma und Opa nichts mehr zu tun haben.
Sex auf dem Bahnhofs-Klo in Opladen
Von elf intimen Kontakten ist in der Anklageschrift die Rede. Verhütet habe man mit Blick auf den Kinderwunsch natürlich nicht, sagt Bogdan B.: „Wir hatten ganz normal Sex. Es war Gottes Plan.“
Weil weder er noch sie eine Wohnung hatten, war die öffentliche Toilette am Opladener Bahnhof der Platz, an dem sie zusammenkamen. „Das dauert ja nur zwei Minuten, zehn Minuten“, beschreibt er die Treffen im Bahnhofsklo. Danach sei das Paar durch Opladen gezogen, „Bierchen trinken, was rauchen.“
Mitte September 2025 habe sich dann alles geändert: Die Mutter habe sie zum Frauenarzt begleitet; vor der Tür habe er das dann schriftlich gehabt: Seine Freundin ist schwanger. Was er da auch von ihr erfuhr. „Ich will Dich heiraten, aber ich bin erst 14.“ Ihr Geburtstag war am 19. September.
Sim-Karte mit falscher Adresse
Um diese Zeit war die strafbare Affäre schon bei der Polizei bekannt. Eine Beamtin konnte sich erinnern, dass sie Bogdan B. kurz vor dem Geburtstag des Mädchens angerufen hat. Die Nummer hatte sie aus dem Whatsapp-Chat des Mädchens. Das war wichtig, denn die Sim-Karte seines Telefons lief unter falschem Namen. „Das ist nichts Besonderes. Solche Fake-Adressen können sie für fünf bis zehn Euro kaufen“, informierte die Beamtin die Richter.
Sie habe Bogdan B. dann darüber aufgeklärt, dass seine Freundin erst 13 Jahre alt ist, Sex mit ihr ist also strafbar. Daraufhin habe er gesagt, dass es noch zu keinem intimen Kontakt gekommen sei. „Der war total freundlich“, beschreibt die Beamtin das Telefonat. Der Angeklagte hingegen bestreitet, dass die Polizei ihn schon im September darauf aufmerksam gemacht hat, wie alt seine vorgeblich 19-jährige Freundin in Wirklichkeit ist.
Für die getrennt lebende Mutter war die Situation offenbar sehr schwierig. „Jetzt habe ich eine rauchende, drogennehmende, schwangere Tochter zu Hause“, soll sie bei der Polizei gesagt haben. Das Mädchen sei sehr schwierig. Zwischendurch war sie mal im Heim, dann bei den Großeltern.
Vom Vorsitzenden Richter Christoph Kaufmann zu ihrem Eindruck von der Geschädigten befragt, zeichnet die Polizistin ein differenziertes Bild: „Sie sah durchaus ein, zwei Jahre älter aus.“ Aber ihr Verhalten sei „extrem unreif“ gewesen. Nur in einer Sache habe sie sich wie eine Erwachsene verhalten: Ihr sei klar gewesen, dass ihr Alter ihren Freund in Schwierigkeiten bringt: „Das möchte ich nicht auf mein Gewissen nehmen.“ Der Prozess wird am Freitag, 16. Oktober, fortgesetzt.
