- Verspätungen, Ausfälle und volle Züge – die Qualität ist im dritten Jahr noch schlechter.
- Immer deutlicher zeigen sich nun die Folgen der völlig überlasteten Infrastruktur.
- Wir fassen die Ergebnisse des Qualitätsberichtes des NVR zusammen.
Köln – Ausfälle, Verspätungen und überfüllte Züge – zunehmend gibt es Probleme, den regionalen Bahnbetrieb stabil zu halten, heißt es im neuen Qualitätsbericht des Nahverkehr Rheinland (NVR), der eher ein Schadensbericht ist.
Im dritten Jahr in Folge weist die am Freitag veröffentlichte Analyse Verschlechterungen bei den zentralen Angebotskriterien auf der Schiene auf. Immer deutlicher zeigen sich die Folgen der völlig überlasteten Infrastruktur. Der Korridor zwischen Dortmund und Köln ist nach Bahnangaben zu 140 Prozent ausgelastet, nur 60 Sekunden beträgt der Puffer zwischen zwei Zügen. Da reiche eine winzige Verzögerung aus, um einen Stau auf der Schiene zu erzeugen. Hinzu kommen Baustellen und technische Probleme bei den Fahrzeugen. Gleichwohl stiegen die Fahrgastzahlen im vergangenen Jahr um knapp ein Prozent, die Zahl der Kundenbeschwerden aus den genannten Gründen verdoppelte sich.
Deutlich weniger Sitzplätze in S-Bahnen
Auf den Regionalexpress-Linien fielen 2,7 Prozent der Sitzplatzkapazitäten aus (2017: 2 Prozent), auf den Regionalbahn-Linien 2,4 Prozent (2017: 1,5 Prozent) und auf der S-Bahn 2,3 Prozent (2017: 1,1 Prozent).
Auch die Pünktlichkeit der Züge im NVR-Gebiet nahm 2018 erneut deutlich ab: Im Durchschnitt aller Fahrten um 2 Minuten und 15 Sekunden (2017: 2 Minuten und 6 Sekunden). Für Verspätungen im Nahverkehr sorgen neben Überholungen durch den Fern- und Güterverkehr unter anderem Streckensperrungen nach Unfällen, Langsamfahrstellen, Baustellen und technische Störungen. Aber weil auch so viele Menschen Bahn fahren, dauert das Ein- und Aussteigen immer länger. Besonders betroffen sind die langlaufenden Regionalexpress (RE)-Linien RE 1, RE 5, RE 6 und RE 7. Insgesamt haben sich die RE-Linien auf etwa 3 Minuten 20 Sekunden verschlechtert (2017: 3:13 Minuten). Bei den Regionalbahnen liegt die durchschnittliche Verspätung bei 2 Minuten 7 Sekunden (2017: 1:49 Minuten). Bei den S-Bahnen hat die durchschnittliche Verspätung um etwa 12 Prozent zugenommen: von 1 Minute 16 Sekunden auf 1 Minute 25 Sekunden.

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Bei den Zugausfällen konnte sich lediglich der Bereich der S-Bahnen stabilisieren. Hier stieg die Ausfallquote von 3,2 Prozent in 2017 nur leicht auf 3,5 Prozent an. Bei den RE-Linien kam es zu einem Sprung auf 8,3 Prozent (2017: 6,3 Prozent). Mit 9,7 Prozent gab es den größten Anstieg bei den RB-Linien. Grund waren vor allem Baustellen beispielsweise zwischen Aachen-West und Rheydt, bei der an mehreren Bahnhöfen die Bahnsteige umgebaut wurden. Besonders betroffen waren Fahrgäste der RB 25 im Oberbergischen: Hier gab es wegen Brückenbauarbeiten eine Totalsperrung zwischen Juni und September. Auf der Siegstrecke waren die Ausfälle auf zwei Böschungsbrände im Raum Siegburg zurückzuführen.
„Alle Beteiligten sind sich bewusst, dass wir eine Verbesserung nur durch einen erheblichen Ausbau der Infrastruktur erreichen können. Da sind wir Anfang dieses Jahres durch die Unterzeichnung von weiteren Planungsvereinbarungen für den Ausbau des Kölner Bahnknotens einen wichtigen Schritt weiter gekommen“, so NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek. „Als SPNV-Aufgabenträger müssen wir uns fragen, welche Stellschrauben wir haben, um eine höhere Qualität zu erzeugen.
Dies betrifft beispielsweise eine deutlich höhere Vorgabe an Reservefahrzeugen, das Nichtzulassen von planmäßigen Kurzwenden oder auch das Unterlassen der Integration neuer Halte, die nicht bereits gesetzt sind, in einen eh schon angespannten Fahrplan. Dies wird zwar erhebliche Finanzmittel binden. Das sollte uns eine Verbesserung der Qualität aber auch Wert sein.“
Trotz aller Widrigkeiten stiegen auch 2018 die Fahrgastzahlen , wenn auch nur um knapp ein Prozent. Durchschnittlich nutzten werktags 436 000 Einsteiger die Bahn. Den stärksten Zuwachs mit 1,76 Prozent gab es laut NVR bei den S-Bahnen, bei den RB-Linien einen Rückgang um 0,75 Prozent.
Die Zahl der Beschwerden stieg 2018 laut NVR um mehr als das doppelte auf 2504 (2017: 1116). In 57,87 Prozent der Fälle benutzten Kunden dazu das 2017 installierte Feedback-Formular in der VRS-App, mit dem sich bequem von unterwegs mit dem Smartphone Anregungen und Kritik äußern lassen. Am häufigsten wurden die vareo-Linien RE 22, RB 24 und RB 25 kritisiert. Moniert wurden vor allem die Verspätungen und , dass die bestellten Fahrzeugkapazitäten nicht vorhanden waren.
Verbessert hat sich laut dem alle zwei Jahre erscheinenden NVR-Kundenbarometer die subjektive Sicherheit in den Fahrzeugen, wegen der mittlerweile in vielen Zügen angebrachten Videoanlagen und Bodycams beim Sicherheitspersonal.
Positiv vermerkt der Bericht des NVR, dass es 2018 weniger defekte Toiletten gegeben habe. Beim RE 9 bleibe das Problem mit 2,9 Prozent aber weiter ausgeprägt. Generell zugenommen haben laut NVR mutwillige Beschädigung in Zügen. Übertroffen würden diese schlechten Werte nur noch von Störungen an mindestens einer Außentür. Spitzenreiter dieses Problems sei der die RB25 mit 5,3 Prozent, gefolgt vom RE 9 mit 4,8 Prozent.
Den kompletten Qualitätsbericht gibt es im Internet: www.nvr.de/fileadmin/Dateien/ PDF/SPNV_Qualitaetsbericht NVR2018_FINAL.pdf

