Für ukrainische KinderFerienkurs im Dieringhausener Jugendclub endet

Worte für Gefühle: Kursleiterin Franziska Deitenbach und ihr ukrainischer Schützling Arthur verständigen sich mit Händen und Füßen und Bildkärtchen. Annette May (hinten, l.) und Tanina Mirabella freuen sich über den Erfolg des Sprachkurses.
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Dieringhausen – Valeria ist neun Jahre alt und lebt derzeit in Bergneustadt. Sie mag Hunde, Katzen und Hamster, ihre Lieblingsfarbe ist Lila. Das alles kann sie in ganzen Sätzen auf Deutsch sagen. Und verstehen kann sie inzwischen noch viel mehr.
Am Freitag geht der zweiwöchige Ferienkurs zu Ende, den Valeria zusammen mit anderen ukrainischen Kindern im Dieringhausener Jugendclub besucht hat. Ihre Eltern haben sie dort angemeldet, damit die Grundschulkinder auch in den Ferien sprachliche Fortschritte machen. Zumindest sollen sie nicht verlernen, was sie im Kontakt mit deutschen Schulkameraden bereits gelernt haben, seit sie vor zwei oder drei Monaten hierher geflüchtet sind.
Gummersbacher Verein: 60 Bewerbungen auf 20 Plätze
Die Anregung kam von den jeweiligen Grundschulen. Auf 20 Plätze habe es 60 Bewerbungen gegeben, berichtet Annette May vom Gummersbacher Verein „Chancen – Leben geben“, der die Kurse veranstaltet. Ein weiterer beginnt in der kommenden Woche im Jugendzentrum in der Innenstadt. Für die praktische Umsetzung hat der Verein die professionellen Kräfte der örtlichen Nachhilfeschule „Übungsmeister“ angeheuert.
Dort ist Franziska Deitenbach beschäftigt, sie leitet die Gruppe. Heute geht es um „Gefühle“. Die 29-jährige Gummersbacherin hält Kärtchen hoch, auf denen ein trauriges, ein fröhliches oder ein erstauntes Gesicht abgebildet ist. Die Kinder sollen den Gesichtsausdruck nachmachen und das Wort sprechen. Natürlich gibt es viel zu lachen.
Kommunikation mit Kindern läuft gut
Deitenbach beherrscht weder die ukrainische noch die russische Sprache. „Deshalb hatte ich am Anfang auch Bedenken.“ Aber die Kommunikation funktioniere mit den Kindern erstaunlich gut, versichert die Philologin. „Außerdem geht es ja vor allem darum, dass die Kinder sechs Stunden lang am Tag deutsche Worte hören.“
„Spielend Deutsch lernen“ heißt das gebührenfreie Sommerferien-Programm, das von der Wipperfürther Hans-Hermann-Voss-Stiftung gefördert wird. Nach dem Vokabeltraining am Vormittag geht es raus zum Wildpark, in die Eisdiele oder einfach in den Wald, um die neuen Wörter praktisch auszuprobieren. Zwischendurch decken alle Kinder gemeinsam den Tisch für das Mittagessen und lernen dabei, was „Teller“ und „Nudeln“ bedeutet.
Nachhilfecamps bei deutschen Eltern eher unbeliebt
Tanina Mirabella gehört zur Geschäftsführung der „Übungsmeister“-Schule und berichtet, dass sie gern gemischte Gruppen eingerichtet hätte. „Aber Kinder, die schon Deutsch können, würden sich schnell langweilen.“ Zudem seien Nachhilfecamps bei deutschen Eltern eher unbeliebt. „Die Sommerferien sind ihnen heilig.“
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Während die Kinder draußen spielen, merkt man ihnen nicht an, dass bei ihnen zu Hause der Krieg wütet. Franziska Deitenbach berichtet, dass die Kinder manchmal unvermittelt weinen. Zwei seien besonders traumatisiert. „Aber eigentlich ist es erstaunlich, wie gut sie das wegstecken.“



