1956 gebautDiese Ideen gibt es in Bergneustadt für das Schullandheim in Dreiort

Lesezeit 3 Minuten
Blick auf ein netz aus roter Schnur, vor dem Menschen stehen.

Mit acht Kilometern roter Maurerschnur hatten die angehenden Architekten die Eingänge in dem verwinkelten Schullandheim Bergneustadt markiert.

Beim Ideenfest in Bergneustadt kamen Wissenschaftler genauso zu Wort wie die Bürgerschaft. Die Vorschläge waren höchst unterschiedlich.

Dass die Stadt den Jugendfreunden Velbert tatsächlich das Schullandheim in Dreiort abkauft, war im vergangenen Herbst noch eine unsichere Idee, zum Jahreswechsel ein hartnäckiges Gerücht und Anfang Februar bereits ausgemachte Sache. Beim Ideenfest konnte sich die Bergneustädter Bürgerschaft nun selbst ein Bild von dem 1956 errichteten und danach in sechs Etappen erweiterten „Haus Veste Nyestadt“ machen – und im wahrsten Sinne Vorschläge zur Zukunft des Hauses auf den Tisch legen. In allen Bereichen des 50 000 Quadratmeter großen Geländes waren Tische mit Papier zu finden, auf denen eigene Ideen formuliert werden konnten.

Studierende haben fünf Nächte in Bergneustadt übernachtet und geplant

Wer sich ins Gebäudeinnere wagte, brauchte ordentlich Orientierungssinn, um sich zwischen Turnhalle, kleiner Aula, Küchenbereich, den Schlafetagen und der holzvertäfelten Bibliothek – „Whisky-Raum“ genannt – nicht zu verlaufen. „Die Probleme beginnen beim ersten Besuch schon damit, hier überhaupt einen Eingang zu finden“, bestätigte Ragnhild Klußmann, Professorin für Architektur an der Alanus Hochschule, das Gefühl vieler Bürger. Zusammen mit zwölf Studierenden hatte Klußmann das Areal in Dreiort fünf Tage lang auf Herz und Nieren geprüft und auch dort übernachtet.

Scheckübergabe zwischen zwei Männern

Als „Startschuss“ bezeichnete Frank Grebe, Chef der Sparkasse Gummersbach, den Scheck über 5000 Euro, den er beim Ideenfest an Bergneustadts Bürgermeister Matthias Thul überreichte. Zugleich versprach Grebe, die Sparkasse werde auch den weiteren Weg der Umnutzung des Schullandheims begleiten.

Eine ihrer ersten Handlungen: Mit roter Maurerschnur wurden Netze gesponnen, die die Eingänge kennzeichneten. Nach einer eingehenden Standortanalyse, bei der auch die ruckelige und schmale Zufahrt eine Rolle spielte, hatten die Studierenden zu zweit oder dritt Modelle für die künftige Nutzung entworfen, die durchaus unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Wohnraum könnte Bergneustadt Einnahmen bringen

Julian Krüger und Ella Marciniak etwa favorisieren ein „Gemeinschaftshaus im Grünen“, das die Lage weg von der lauten Innenstadt betont – mit kleiner Eventhalle, mietbaren Gartenflächen inklusive Streichelzoo und dem Außengelände, das Platz für Weihnachts- und Flohmarkt bietet. Um Geld zu verdienen, würden Teile des Schlaftrakts umgebaut und als Wohnung vermietet. Ein anderes Modell legt die Nutzung als Sportherberge nahe, wieder andere können sich wegen der großen Fläche eine gemeinsame Forschungsstelle für nachwachsende Rohstoffe der Alanus Hochschule und der Unis Bonn und Siegen vorstellen.

Von den Besuchern kamen beim Ideenfest zum Beispiel noch Entwürfe für ein Gesundheitszentrum mit Physiotherapie, für eine Kur-Anlage oder auch für ein Frauenhaus dazu. In einer Straßenumfrage der Studierenden in der Innenstadt hatte die Mehrheit für Angebote für Kinder und Vereine gestimmt.

Und wie geht es nun weiter in Dreiort? Nach dem Ideenfest wolle man sich mit denjenigen zusammensetzen, die bereits ernsthaftes Interesse an dem Gebäude signalisiert hätten, sagte Bürgermeister Matthias Thul. Zum Beispiel mit Vereinen auf der Suche nach regelmäßigen Übernachtungsmöglichkeiten oder Musikern, die sich einen Probenraum wünschen. Dabei dränge die Zeit, so die Stadtspitze. Denn natürlich koste die Immobilie Geld.

Rundschau abonnieren