Gut 50 Besucher kamen zum Heimatabend nach Bergneustadt. Bei Dönekes, Anedkdoten und Mundart wurde die Stadtgeschichte lebendig.
StadtjubiläumBeim Heimatabend in Bergneustadt gab es viel zu lachen

Die Akteure des Heimatabends (v.l.): Friedhelm Julius Beucher (h.v.l), Horst Kowalski, Dieter Rath, Michael Hesse, Manfred Rippel, Michael Kresin, Heinz Kowalski, sitzend Hermann Schürfeld, Gerda Rippel und Utz Walter
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In seiner Begrüßung erläuterte Vorsitzender Utz Walter, dass in früheren Zeiten „Dönekes“, also amüsante Geschichten, Anekdoten oder Schwänke aus dem Alltag, Vorrang vor der schriftlichen Überlieferung gehabt hatten. Und genau in diesem Stil sollte der Abend verlaufen.
Zur Einstimmung auf den bevorstehenden 725. Stadtgeburtstag hat der Heimatverein „Feste Neustadt“ am Freitag mit einem historischen Abend“ im Heimatmuseum auf die vergangenen Jahrhunderte zurückgeblickt. Walter kündigte an, dass es am 21. August eine Wiederholung des Formats geben wird.
Wiederholungen sind geplant
Moderator Heinz Kowalski legte noch einen drauf und stellte eine weitere Veranstaltung im Herbst in Aussicht – keine schlechte Idee, nachdem der Hochzeitsraum des Museums mit mehr als 50 Gästen zum Bersten gefüllt war.
Den Auftakt machte der Bergneustädter Hermann Schürfeld mit der Lesung eines Interviews mit seinem 1890 geborenen Vater August. „1904 habe ich das Stromnetz helfen bauen“, hieß es darin. Für den Betrag von 1,66 Mark konnten die Bergneustädter eine 25-Watt-Birne leuchten lassen. Kaum einer habe die Anschlussmöglichkeit nicht genutzt: „Es war jeder froh, dass er mit einem Knopfdruck von dunkel auf hell schalten konnte.“
Als die ersten Glühbirnen leuchteten
Zuvor hatte es Gaslampen gegeben, betrieben von der Gasanstalt der örtlichen Textilfirma Krawinkel. Das sei allerdings für die dortigen Mitarbeiter nicht ganz ungefährlich gewesen: „Manchmal haben die Gasarbeiter gelodert wie eine Fackel – gut, dass nebenan ein Brandteich war, in den sie hinein springen konnten.“
Gerda Rippel, bekannt als Minchen aus den „Brunnengesprächen“ am Losemund-Brunnen, begeisterte das Publikum mit einem Mundart-Gedicht über einen Nachttopf. Gleich darauf formulierte sie ein „Lob der Heimatsprache“, weil diese vielfach als rückständig und bäuerlich diskreditiert wurde. Die Mundart sei eine Ausdrucksform, die die Seele der Menschen offenbart: „Et es on bliev en kostbares Ärv.“
Die wechselvolle Geschichte von Lieberhausen
Unter dem Titel „Wann Lirwwerhüser noh dr Nyeschtat jingen“ beschrieb Dieter Rath sodann, wie eng und abwechslungsreich die Beziehung zwischen Bergneustadt und der heutigen Gummersbacher Ortschaft Lieberhausen war. So wurden im 17. Jahrhundert Stadt und Amt Neustadt samt den Kirchspielen Wiedenest, Ründeroth und Lieberhausen an die Schwarzenbergische Herrschaft übertragen.
Ab 1806 unter napoleonischer Besetzung wurden die Kirchspiele Lieberhausen und Wiedenest zu einer Mairie – also einem Bürgermeisteramt – zusammengefasst. Nach dem Wiener Kongress wurde daraus die preußische Bürgermeisterei Neustadt, die von Gummersbach aus verwaltet wurde – ein herber Schlag für die Neustädter. Am Ende ging Lieberhausen an Gummersbach, die Personenstandsbücher des Standesamtes wanderten jedoch aufgrund der historischen Beziehungen nach Bergneustadt.
Vom dicken Hering und dem dicken Hermann
Eine kurze Anekdote aus der NS-Zeit erzählte Friedhelm Julius Beucher von seinem Großvater Häcken Wilhelm. Gewohnt, mit „guten Tag auch“ zu grüßen, sei dieser aufgeklärt worden, dass das jetzt „Heil Hitler“ heiße. Nach mehrmaligem Verstoß gegen die neue Ordnung habe er seine Formel dann geändert, um Repressalien zu vermeiden: „Guten Tag auch – und Heil Hitler für die anderen.“
Ähnliches berichtete Michael Hesse nach seinem Vortrag über die Luftschutzbunker in Bergneustadt. Damals habe ein Fischverkäufer „Hering, so dick wie der Göring“ angepriesen. Daraufhin sei er mehrere Wochen von der Bildfläche verschwunden. Danach habe er gerufen: „Hering, so dick wie beim letzten Mal.“
Nach der Rezitation eines Gedichts von Wilhelm von der Linde „Eck soch vam Beul int Dörschpedal“ (Ich sah vom Beul ins Dörspetal) in bergischem Platt durch Horst Kowalski demonstrierte der 83-jährige Manfred Rippel mit seinem grandiosen Aufsatz „Meine Heimatstadt“, den er 1961 auf der Fachschule Hepel verfasst hat, welchen Stellenwert die Kenntnis der Heimatgeschichte in damaligen Zeiten hatte. Zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung zeigte Vereinsarchivar Michael Kresin Filme der runde Stadtgeburtstage seit der 600-Jahr-Feier im Jahr 1901.
