Drohnen-Pilot Stefan Frösler bietet einen ganzen Strauß an verschiedenen luftigen Dienstleistungen an.
DrohnenserviceDieser Engelskirchener steuert den Blitzschutz-Inspektor

Stefan Frösler (37), kurz bevor er eine Drohne aufsteigen lässt.
Copyright: Stefan Frösler
Es sirrt, als die Drohne im Schatten der Windkraftanlage abhebt und ein Kabel in die Höhe zieht. Das Windrad steht still, Stefan Frösler hat es abgeschaltet. Das musste er, denn er führt hier mit seiner Spezialdrohne eine Blitzschutzinspektion durch. Dafür steuert er seinen fliegenden Assistenten ganz nah ran an alle drei Rotorblätter der Anlage.
Seine Drohne, Leihgabe einer schweizer Firma, von deren Sorte in Deutschland nur ein paar im Einsatz sind, trägt eine mechanische Kontaktsonde. Frösler sorgt dafür, dass diese in 200 Metern Höhe auf den kreisrunden Rezeptor am Rotorblatt drückt – so wird der Stromkreis geschlossen. In der Fachsprache: Frösler misst jetzt den Durchgangswiderstand des Ableitpfades vom Blitzrezeptor bis zur Erdungsanlage am Turmfundament. Diese Messungen müssen regelmäßig stattfinden – wie oft, das hängt vom Hersteller der Windenergieanlage ab – und der 37-jährige Frösler ist in ganze Deutschland und auch im Ausland unterwegs, um diese durchzuführen.
Wenn Menschen in großer Höhe und in engen Umgebungen arbeiten, sind sie immer in Gefahr.
Das Anwendungsfeld ist noch relativ neu, deshalb muss der Engelskirchener immer mal wieder erklären, dass er das darf und warum er das darf, wenn er seine Drohnen aufsteigen lässt, um den Blitzschutz zu prüfen oder auch, um ganze Gebäude auszumessen. Frösler betreibt den „Drontex Drohnenservice“ und bietet eine ganze Reihe unterschiedlicher Dienstleistungen an, in deren Mittelpunkt stets der Einsatz seiner verschiedenen Drohnen steht (siehe Anhang unten, „Ein breites Betätigunsfeld“).
Wenn keine Drohnen zum Einsatz kommen, werden diese Aufgaben von Technikern erledigt, die klettern müssen – mit deutlich größerem Zeitaufwand und stets auch verbunden mit Gefahren für Leib und Leben: „Wenn Menschen in großer Höhe und in engen Umgebungen arbeiten, sind sie immer in Gefahr“, sagt Frösler, der heute im rheinisch-bergischen Kürten lebt und auch als Mitglied der Engelskirchener Band „Lossjonn“ bekannt ist.

Die vom Drohnenpiloten ferngesteuerte Drohne fliegt hier gerade das Rotorblatt einer Windenergieanlage an. Die kleinen grauen kreisförmigen Flächen am Blatt sind die Rezeptoren, auf die die mechanische Kontaktsonde der Drohne drücken muss.
Copyright: Stefan Frösler
Ohne Drohnenunterstützung müssen Industriekletterer im Innern eines Windrades in einem Korb nach oben fahren, um sich dann wieder zur Spitze des unteren Rotors abzuseilen – oft eine Sachen von mehreren Stunden. Mit der Drohne ist die Inspektion im besten Fall nach einer Stunde für das ganze Windrad abgeschlossen. Die Anlage könne also deutlich schneller wieder in Betrieb genommen werden, um Energie zu erzeugen, betont Frösler.

Der Drohnenpilot steht an der Bedienung einer Windenergieanlage.
Copyright: Stefan Frösler
Die notwendigen zertifizierten Schulungen für die Arbeit in der Höhe hat er übrigens selbst auch absolviert: Höhenarbeit, Höhenrettung, spezielle Ersthelfer-Ausbildung. Warum eigentlich, wenn er die Drohnen vom Boden aus steuert? „Der Drohnenpilot bleibt zwar normalerweise unten, arbeitet aber trotzdem im Gefahrenbereich der Windenergieanlage“, erklärt der 37-Jährige. „Die Kletter- und Rettungsausbildung ist notwendig, damit er im Notfall sicher auf die Anlage kommt oder dort oben helfen kann – zum Beispiel bei einer Bergung, technischen Störung oder wenn sich die Einsatzsituation kurzfristig ändert.“ Außerdem verlangten viele Betreiber und Sicherheitsvorschriften, dass alle Personen im Team die grundlegenden Höhenrettungs- und Sicherheitsstandards erfüllen, damit jeder die Risiken der Anlage versteht und im Ernstfall handlungsfähig ist, erklärt Frösler.
Auch darüber hinaus bringt er die Voraussetzungen für seinen Drohnenservice mit: Der studierte Ingenieur hat eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton absolviert und freiberuflich als Kameramann gearbeitet. Die anderen gefragten Expertisen hat sich dann nach und nach angeeignet, in enger Zusammenarbeit mit den Herstellern der Windkraftanlagen, die ihn als zugelassenen Inspektor zertifizieren mussten.
Die Systeme der verschiedenen Hersteller arbeiten sehr unterschiedlich, hat er festgestellt. Der Ingenieur hat sich nicht nur eine Menge Fachwissen angeeignet, auch seine Technik hat es in sich: Die Drohne für den Blitzschutz gehört der Schweizer Fachfirma Voliro, die sie nur verleiht, aber nicht verkauft. Nur rund 50 davon seien weltweit im Einsatz, sagt der Drohnenpilot, der zu den gefragtesten Experten auf seinem Gebiet zählt: „Im Jahr 2025 war ich beispielsweise der Pilot mit der meisten Flugzeit mit diesem Drohnensystem.“
Ins Ausland nur per Auto
Der Engelskirchener wird auch für Einsätze im Ausland angefordert. In diesen Fällen setzt er inzwischen allerdings am liebsten auf eine bodengestützte Anreise. Warum verzichtet ausgerechnet ein Drohnenpilot auf eine Anreise per Flugzeug? Das habe mit den strengen Auflagen zu tun, die schnell lästig werden können: So dürfe er nur eine beschränkte Anzahl an Akkus mitnehmen und diese muss er als Handgepäck bei sich tragen. Überhaupt reist er mit viel technischem Gerät im Gepäck zu den Aufträgen. Trockenes fazit: „Da fahre ich lieber im vollgepackten Auto, dann bin ich weniger eingeschränkt.“
Ein breites Betätigungsfeld
Mit seinem Drohnenservice bietet Stefan Frösler ganz verschiedene Dienstleistungen an, nicht nur die Blitzschutz-Inspektionen für Windenergieanlagen. So fertigt er mit einer fliegenden Wärmebildkamera Thermografien von Photovoltaikanlagen jglicher Größe an und kann so überhitzte Module und unsichtbare Materialschäden entdecken. „Sogenannte Hotspots, also schwache Module oder fehlerhafte Verbindungen, lassen sich so sichtbar machen. Man kann verhindern, dass Ertragseinbußen oder in der Folge größere Schäden eintreten“, erklärt der 37-Jährige. Am Ende bekommt der Auftraggeber einen Prüfbericht, der auch von Versicherungen akzeptiert werde.

Eine von Stefan Frösler gesteuerte Drohne misst hier die Schichtdicke per Ultraschall.
Copyright: Stefan Frösler
Darüber hinaus führt Frösler auch Vermessungen durch, digitalisiert Objekte als CAD-Projekt oder lässt seine fliegenden Assistenten auch dort messen, fotografieren oder Videoaufnahmen machen, wo das menschliche Auge nicht hinkommt. So kann er per Ultraschall die Schichtdicke von Tanks messen oder visuell das Innere von Brennkammern in Müllverbrennungsanlagen inspizieren. Zu seinen Auftraggebern gehören Industrieunternehmen, aber auch private Betreiber von PV-Anlagen.
