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ModellprojektWiehler Baugenossenschaft feiert Quantensprung

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Das Foto zeigt das Modellprojekt nach der Sanierung: Aus dem Zwölfparteienhaus von 1960 an der Wiesenstraße im Wiehler Zentrum ist ein Effizienzhaus geworden.

Modellprojekt nach der Sanierung: Aus dem Zwölfparteienhaus von 1960 an der Wiesenstraße im Wiehler Zentrum ist ein Effizienzhaus geworden. 

Ständiger Spagat: Trotz Investitionen in Wohnkomfort und Energieeffizient müssen Mieten bezahlbar bleiben.

„Ein Quantensprung für Wohnkomfort und Klimaschutz“ sei die Maßnahme, freut sich Baugenossenschaftschef Michael Söntgerath. Die Baugenossenschaft Wiehl feiert den Abschluss der Sanierung und Aufstockung eines Mehrfamilienhauses aus ihrem Bestand. Am Freitag, 29. Mai, 17 Uhr, lädt die Genossenschaft Bauleute, Bewohner und Nachbarn zu einem kleinen Fest am Haus Wiesenstraße 16 ein, um auf „ein Modellprojekt für energetische Modernisierung im Bestand“ anzustoßen.

Um drei Wohneinheiten gewachsen

Aus dem Zwölfparteienhaus von 1960 ist ein Effizienzhaus geworden. Wie die Genossenschaft mitteilt, wurde das 1960 erbaute Gebäude nicht nur umfangreich modernisiert, sondern auch um drei Wohneinheiten erweitert. Die neuen Wohnungen wurden in einem Staffelgeschoss oben aufgestockt. Eine Besonderheit: Die Sanierung erfolgte im bewohnten Zustand.

Im Ausgangszustand entsprach das Haus der Energieeffizienzklasse E, verbrauchte also 151,7 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Nach der Sanierung sind es nur noch 34,6 Kilowattstunden, was der Effizienzklasse A oder dem KfW-Standard 55 EE entspricht. Wie der Genossenschaftsvorstand erläutert, wurden dafür an der Fassade eine 160 Millimeter starke Mineralwolldämmung angebracht und die Kellerdecken gedämmt, zudem dreifach verglaste Wärmeschutzfenster installiert. Die Gasbrennwerttherme hat die Genossenschaft durch eine moderne Luftwärmepumpe ersetzt und diese mit einer Photovoltaikanlage kombiniert.

Das Foto zeigt, wie das Haus an der Wiehler Wiesenstraße vor der Sanierung aussah.

So sah das Zwölfparteienhaus, Baujahr 1960, an der Wiehler Wiesenstraße vor der Sanierung aus.

Daneben investierte man in Komfort und Barrierefreiheit. Das alte Treppenhaus wurde ersetzt und mit einem Aufzug ausgestattet. Die bestehenden Loggien wurden zu großzügigen Vorsatzbalkonen erweitert, Laubengänge und Eingangstüren erneuert. Rund 2,5 Millionen Euro beträgt die Gesamtinvestition.

„Die Kosten sind ernüchternd“, sagt Michael Söntgerath. „Wir müssen ja als Genossenschaft bei der Refinanzierung besonders darauf achten, dass die Mieten bezahlbar bleiben. Das ist immer ein Spagat.“

Für die Bestandsmieter an der Wiesenstraße steigt die Miete von rund 5 auf 6,50 Euro pro Quadratmeter, für Neumieter der unteren Wohnungen auf 8,50 Euro. Die neuen Wohnungen im Staffelgeschoss sind mit 10,60 Euro angesetzt. Für Wohnungen in dieser zentralen Lage in Wiehl, meint Söntgerath, sei dieses Niveau noch immer „sehr human“.

Die Baugenossenschaft Wiehl verwaltet rund 500 Wohnungen in Wiehl und Gummersbach-Dieringhausen, der Großteil stammt ebenfalls aus den 60er und 70er Jahren. Bis alle diese Häuser einen vergleichbaren Standard haben, wird noch einige Zeit vergehen. Als nächste stehen kleinere Nachbarhäuser an der Wiesenstraße auf dem Programm. Zudem hat die Genossenschaft bei einem Bauingenieurbüro ein Konzept zur klimafreundlichen Modernisierung der Häuser an der Eichhardtstraße und am alten Sportplatz beauftragt. Dort geht es nicht nur um den Sinn eines eigenen Wärmenetzes, sondern auch um den Quartierumbau als Lebensraum, berichtet Michael Söntgerath.

Wir investieren Schritt für Schritt, nur so, wie es der Etat zulässt. Damit sind wir immer gut gefahren.
Ulrich Jobsky, Wiehler Baugenossenschaft

Vor drei Jahren feierte die Wiehler Baugenossenschaft ihr 75-jähriges Bestehen. Die Parole, die Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Jobsky damals ausgab, gilt noch immer: „Wir investieren Schritt für Schritt, nur so, wie es der Etat zulässt. Damit sind wir immer gut gefahren.“