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Fünf Jahre nach der FlutIn Oberberg wäre mehr Hochwasserschutz möglich

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Ein überfluteteter Garten am Flussufer.

Mitte Juli 2021 wurden zahlreiche Grundstücke an Agger, Wipper und hier an der Leppe in Engelskirchen-Bickenbach unter Wasser gesetzt.

Im Juli 2021 traten auch in Oberberg Flüsse über die Ufer und verursachten schwere Schäden. Wären wir heute besser geschützt?

Das Hochwasser an der Ahr war ungleich verheerender. Aber auch an Wipper, Agger, Leppe  und Wiehl gab es im Juli 2021 schwere Schäden, an der Sülz sogar ein Todesopfer. Wäre die Region bei einem erneuten derartigen Starkregen heute besser aufgestellt? Zum fünften Jahrestag geben die Wasserwirtschaftsverbände darauf eine differenzierte Antwort.

Für den Wupperverband, der unter anderem für die Gewässer in Wipperfürth und Marienheide zuständig ist, passt die aktuelle Dürre ins Bild. Die Wetterextreme seien häufiger und stärker ausgeprägt, stellt der Wuppertaler Verband in einer Bilanz zum Jahrestag des 2021er Hochwassers fest. „Sich auf diese Extreme besser einzustellen und resilienter zu werden, ist daher notwendiger denn je.“

Ein Fluss fließt an einem zerstörten Haus vorbei.

Am Lepperhammer in Engelskirchen riss die Flut ein halbes Haus weg.

Verbandsvorstand Ingo Noppen fordert, dass   Genehmigungsverfahren beschleunigt, Kooperationen über kommunale Grenzen gestärkt und mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Mit dem „Regionalpakt Wupper“ und dem „Zukunftsprogramm Hochwasserschutz“ will der Verband seinen Beitrag leisten.

Das Zukunftsprogramm besteht aus derzeit 223 Maßnahmen, die der Verband mit den Kommunen im Wuppergebiet in den nächsten 20 Jahren umsetzen möchte. So will man mit neuen   Hochwasserrückhaltebecken an Nebengewässern der Wupper   einen Teil des Starkregens abfangen. Dazu kommt der „grüne Hochwasserschutz“ mit Aufweitungen und Retentionsflächen, die helfen, den Wasserstand zu senken. Noch in diesem Sommer wird der Wupperverband die Wipper in Wipperfürth-Egerpohl und in Böswipper aufweiten.

Mehr Messstellen, neue Computersimulationen

Auch der Aggerverband war nicht untätig. Verbandschef Uwe Moshage berichtet, dass er drei Kläranlagen, die 2021 überflutet wurden, widerstandsfähiger machen ließ. 1,1 Millionen Euro hat der Verband aus Mitteln des NRW-Wiederaufbaufonds des Landes dafür eingesetzt, weitere zwei Millionen Euro für die Beseitigung von Gewässerschäden. In diesem Zuge wurden auch Engstellen beseitigt.

Um besser gerüstet zu sein, haben Agger- und Wupperverband in die Frühwarntechnologie investiert. Zusätzliche Pegelmesspunkte und bessere Modellsimulationen sollen rechtzeitig Alarm schlagen, damit Behörde und Bevölkerung Schutzmaßnahmen ergreifen.

Aber reicht das aus? Der beim Aggerverband zuständige Abteilungsleiter Wim Dissevelt   würde gern mehr machen, mehr Retentionsflächen anlegen, mehr Becken und Deiche bauen. Er sieht aber zwei wesentliche Hindernisse: Zum einen seien viele Anrainer nicht bereit, Flächen zur Verfügung zu stellen, die als Überlaufgebiet hergerichtet oder für ein Rückhaltebecken genutzt werden könnten.

Zwei junge Leute werfen Hausrat auf einen Container.

In Wipperfürth verursachte das Hochwasser in der Alten Drahtzieherei einen Millionenschaden.

Zum anderen stelle die Bezirksregierung als Geldgeber eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf, die den ländlichen Raum benachteiligt, sagt Dissevelt. Aus deren Sicht seien die Hochwasserschutzbauten   zu teuer, weil die Schäden in den weniger dicht bebauten Flusslandschaften sich relativ in Grenzen halten.

Die Finanzierung eines Regenrückhaltebeckens im Leppetal sei jüngst abgelehnt worden – zum Ärger der ansässigen Stahlfirmen, die nach eigenen Angaben durch das 2021er Hochwasser einen Schaden in Höhe von 15 Millionen Euro hatten.

Neuer Retentionsraum in Engelskirchen kommt zu spät

Der Retentionsraum an der unteren Leppe bei Engelskirchen-Blumenau wird im kommenden Jahr wahrscheinlich endlich fertig – zu spät für das Ärztehaus, das 2021 von der Flut weggespült wurde. Dabei lagen die Pläne damals schon vor. Bis zur Realisierung bedurfte   es aber auch in diesem Fall langwieriger Verhandlungen für den Grundstückserwerb und eines zähen Genehmigungsverfahrens, beklagt Dissevelt.

Aggerverbandsvorstand Uwe Moshage weist in diesem Zusammenhang auf den Konflikt mit dem Artenschutz hin: „Wenn solch ein Verfahren nur lang genug dauert, siedeln sich auf einem Gelände zwischenzeitlich seltene Arten an, die   dann im Wege stehen.“ In den Genehmigungsbehörden wolle niemand Entscheidungen treffen aus Angst, hinterher kritisiert zu werden. Moshage fordert, dass der Gesetzgeber hier Prioritäten setzt.

Der Aggerverbandschef bedauert, dass der Hochwasserschutz nicht als „übergeordnetes öffentliches Interesse“ gilt. Es fehle an der langfristigen Perspektive. „Die Holländer sind uns da weit voraus.“

Beide Wasserverbände setzen darauf, dass zumindest die betroffenen Anwohner aus Schaden klug geworden sind. Wupperverbandsvorstand Ingo Noppen appelliert: „Angesichts der zunehmenden Extreme, bei denen auch die besten Schutzmaßnahmen der öffentlichen Hand an ihre Grenzen kommen, ist jeder gut beraten und sogar verpflichtet, selbst für sein Grundstück Eigenvorsorge zu treffen.“ Gewässerabteilungsleiter Dissevelt drückt es so aus: „Wir warnen vor Hochwasserdemenz. Aber zumindest an der Sülz wird man sich noch gut an 2021 erinnern. Wir können nur die Spitzen kappen und die Gefahr für Leib und Leben mindern. Dass Erdgeschosse in Flussnähe unter Wasser gesetzt wird, lässt sich nicht überall verhindern.“