ChemotherapieKrankenschwester half einer Engelskirchenerin durch schwierige Zeit

Heute blickt Sylvia Korn voll Dankbarkeit auf die schwere Zeit der Therapie.
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Engelskirchen – Mit dem Satz „Schwester Ulla hat den Vorrang für diesen Wettbewerb vor Queen Elizabeth erhalten, die ich 2001 in Royal Deeside bei ihrer Fahrt zum sonntäglichen Kirchgang im Vorbeifahren gesehen habe“. So beginnt Sylvia Korns Schilderung einer besonderen Begegnung.
Die Engelskirchenerin hat zwar am selben Tag Geburtstag wie die Queen und ist ein Fan der Monarchin, doch Schwester Ulla, bis zu ihrem Ruhestand im Brustkrebszentrum des Evangelischen Krankenhauses in Bergisch Gladbach tätig, war ihre „hervorstechendste und berührendste Begegnung“ – und vielleicht auch die mit den meisten Facetten.
Beide Frauen lernten sich im Jahr 2014 kennen
Sylvia Korn lernte Schwester Ulla 2014 in der ambulanten Chemotherapie gegen Brust- und Unterleibskrebs kennen. Zunächst nahmen sich die Frauen nur flüchtig wahr. „Als Metastasen mich neun Monate nach der ersten Chemotherapie in eine zweite Runde mit sechs Chemos und anschließender Immuntherapie katapultierten, fielen wir uns wirklich auf“, erinnert sich Sylvia Korn

Zum Modell des Brustkrebszentrums, das Sylvia Korn im vergangenen Jahr zu ihrem 100. Infusionstermin angefertigt hat, gehört natürlich auch die Figur von Schwester Ulla (2.v.l.).
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Gespräche, geführt alle drei Wochen bei den Therapieterminen, dauerten nur wenige Minuten, wurden aber immer intensiver, denn: „Die Quintessenz hörst du auch in zwei Minuten raus“. Schwester Ulla verriet ihr Faible für die Provence, für gutes Essen und tröstete, wenn die Unruhe ihrer Patientin groß wurde. „Zwei, drei Zusammenstöße zwischen uns gab es zu Beginn durchaus, begründet in meinem Zorn ob meiner erneuten Therapie. Doch im Laufe der Zeit wurde Schwester Ulla zu einer großen Bereicherung.“
Es sei eine „Muss-Begegnung“ gewesen, die zu einer Freundschaft wurde, die Schwester Ulla, offen und freundlich, mit einer Prise fürsorglicher Mütterlichkeit füllte. Als Schwester Ulla ihr erzählte, sie lese sehr gerne, schickte Sylvia Korn ihr Lieblingsbuch an die Adresse der Klinik. „Das Geheimnis des siebten Weges“ wurde allerdings in einen toten Briefkasten gesteckt und tauchte erst sechs Wochen später auf. Selbstgestrickte Socken erhielt Schwester Ulla zu Weihnachten, ein von Sylvia Korn gemalter Sonnenaufgang am Flussufer erinnert sie ebenso an ihre Patientin. „Dieses Bild konnte ich nur ihr überlassen“, ist die Malerin überzeugt. „Ihre ruhige und konzentrierte Arbeitsweise war mir ein Vorbild. Sie war außerdem ungemein einfühlsam, trotz des stressigen Jobs. Und auch mit ihrer Art Humor konnte ich ganz viel anfangen.“
Humor ist wichtig in jeder Situation
Humor ist ein wichtiges Stichwort in dieser Geschichte, denn Sylvia Korn ist überzeugt, dass man Selbstheilungskräfte aktivieren muss, um mit einer Krebsdiagnose fertig zu werden – und dass Fröhlichkeit, Kreativität und Lachen absolut dazugehören. Darum plante sie zur 100. Infusionssitzung im Juni des vergangenen eine Feier auf der Station.
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Es gab Fotos, Dankeskarten für alle, ein Pappmodell der Station mit einer kleinen Schwester Ulla-Figur und sogar ein extra getextetes Lied, das die Buschhausenerin zum Vergnügen aller dort zum Besten gab.„Leider wusste ich da schon, dass meine geliebte Schwester Ulla kurz darauf in Rente gehen würde, diese grandiose Krankenschwester mit Leib und Seele, der aber der zunehmende Kostendruck und der damit verbundene Zeitdruck und der Zeitmangel in der täglichen Arbeit zu schaffen machten“, blickt Sylvia Korn zurück.
Kontakt, das war beiden klar, würden sie nicht halten. Aber das sei vollkommen okay gewesen. „Ich verlor eine starke Stütze, die Krankenhauswelt gewinnt eine Schwester Ulla, die jetzt zur Klinikclownin Ulla wird – ein Herzenswunsch von ihr.“



