Unter der Woche bereits geschlossenGastrobetriebe in Oberberg ächzen unter Personalmangel

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Personalmangel Gastronomie

Im Hotel Phönix können Marina Buse (l.) und Monika Latz zusätzliche Kollegen gebrauchen.

Oberbergs Hotellerie und Gastronomie leiden unter akutem Personalmangel.

Gastwirt Frank Schnackerz muss seufzen. „Ohne die Unterstützung der Familie müssten wir das Sümpfchen zumachen, und das nach 38 Jahren!“ Cousinen, Nichten und die Schwiegertochter helfen im Wiehler Bistro mit, trotzdem stehen er und Sohn Tim zwölf Stunden täglich hinter der Theke.

„Oft putzen meine Frau und ich dann noch spät in der Nacht.“ Was fehlt, ist Personal: „Wir brauchen zusätzlich vier Kräfte für Theke und Service, gern können sie auch älter sein“, sagt er.

Essen gehen wird zur Odyssee

Damit ist er nicht allein. „Die Situation ist verheerend“, stellt Uwe Reinhold, stellvertretender Kreisvorsitzender des Gastronomieverbands Dehoga fest. Im Nachbarkreis hätten bereits Restaurants schließen müssen. „Wenn Köche fehlen, ist es am schlimmsten.“

Personalmangel Gastronomie

Im Sümpfchen suchen Frank (l.) und Tim Schnackerz Verstärkung.

In Oberberg an einem Dienstag oder an einem Donnerstag auswärts essen zu gehen, erfordert eine kleine Odyssee: Viele Gastronomiebetriebe hätten nur noch am Wochenende geöffnet, sagt der Besitzer des Landgasthofs Reinhold in Lieberhausen.

Teilweise nur noch am Wochenende geöffnet

Sein eigenes Restaurant bildet da keine Ausnahme. Auch in der Holsteins Mühle in Nümbrecht kann man sich nur am Freitag- und Samstagabend sowie sonntags ab Mittag durch die Speisekarte schlemmen. „Wenn das Wetter schön wird, können wir nur einen Teilbereich des Biergartens öffnen, denn wir wollen keine langen Wartezeiten für unsere Kunden riskieren“, sagt Geschäftsführer Thomas Egger – denn dann drohen schlechte Online-Bewertungen.

Zwei bis drei Aushilfen würde er sofort einstellen. „Wir haben alles versucht, auch international, obwohl wir ein regionaler Arbeitgeber sein wollen. Wir wissen nicht, was wir noch machen sollen.“

Unterstützung willkommen

Im Hotel Phönix in Bergneustadt würden sich Marina Buse und Monika Latz über tatkräftige Unterstützung beim Housekeeping freuen. „Auch Küchenhilfen, zwei bis drei Minijobber oder Minijobberinnen suchen wir zur Verstärkung“, meint Geschäftsführer Artur Stroh, „aber die sind sehr schwierig zu finden.“ „Wo sind bloß die Leute?“, fragt sich Marlies Allmann fast verzweifelt. „Sie können doch nicht alle während der Coronazeit einen Job an der Supermarktkasse gefunden haben!“

Sie und ihr Mann Günter haben es geschafft, die Stammbelegschaft des Ballebäuschen in Hespert durch die Corona-Jahre zu retten. Aber jetzt schrubbt sie zusätzlich zu allen anderen Aufgaben abends die Töpfe und räumt Berge von Geschirr in die Spülmaschine. „Irgendwann geht es körperlich nicht mehr“, stöhnt die 60-Jährige. Ihr Mann ist 66 Jahre alt. „Uns fehlen die fleißigen Bienchen hinter den Kulissen, ohne die es nicht geht.“ Aktuell suchen die Allmanns dringend Spülkräfte, „in acht oder neun Portalen sind wir unterwegs.“

Arbeitszeiten schrecken ab

Hin und wieder bewerbe sich zwar jemand, „aber wir sind hier auf dem Land, da ist es ganz schwierig, spät abends nach der Schicht nach Hause zu kommen, wenn man nicht motorisiert ist.“ Aber ein Auto sei für viele potenzielle Aushilfen zu teuer, da lohne sich der Minijob nicht. Andere schreckten die Arbeitszeiten ab, außerdem seien jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge auf dem Arbeitsmarkt.

Die Konkurrenz um die wenigen Jobsuchenden ist hart. Manchmal scheitert es aber auch am Geld. „Sobald jemand mit Qualifikation kommt, hat er Lohnvorstellungen um die 2800 Euro“, kritisiert Egger. „Wir sind schon gebeutelt durch die Preisspirale und die hohen Energiekosten, das geht einfach nicht.“

Studenten wollen 16 Euro pro Stunde

Auch im Sümpfchen hätten arbeitswilligen Studenten 16 Euro die Stunde verlangt, erzählt Frank Schnackerz, „das können wir nicht bezahlen.“ „Es wäre schade, wenn wir nach 32 Jahren schließen müssten, weil das Personal fehlt“, sorgt sich Marlies Allmann.

„Eigentlich wollten wir noch ein paar Jahre weiter machen.“ Für Thomas Egger von der Holsteins Mühle ist klar: „Wenn wir jetzt zumachen, sperren wir nie mehr auf. Zum Glück sind wir noch da, und wir kommen durch den Tag. Aber die Situation ist alles andere als lustig.“

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