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Blackout-SzenarioKlinik in Gummersbach ist 72 Stunden unabhängig vom Netz

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Notstrom Kreiskrankenhaus Gummersbach, Jens Hartung an der Notstromanlage

Jens Hartung ist Technischer Leiter der Klinik. 

Für den Fall eines Blackouts ist das Krankenhaus in Gummersbach vorbereitet und kann erst einmal weiterarbeiten. Auch der Betrieb in den acht OP's der Klinik würde in diesem Fall nicht beeinträchtigt. 

Das Kreiskrankenhaus Gummersbach hat gut für den Fall eines Blackouts vorgesorgt – ganze 72 Stunden kann der Betrieb jetzt mit nur geringfügigen Einschränkungen fortgeführt werden. Das war nicht immer so. Jens Hartung, Technischer Leiter der Klinik, schildert, dass Krankenhäuser verpflichtet seien, eine eigenständige Energieversorgung für 24 Stunden zu gewährleisten. Bis 2019 hätten vier Dieselmotoren diese Absicherung übernommen. Jeweils zwei Motoren hätten immer abwechselnd für die Beheizung der Klinik gesorgt, im Fall eines Stromausfalls hätte das gerade stillstehende Paar die Stromversorgung übernommen.

Verlagerung auf ein Blockheizkraftwerk

Allerdings seien im Laufe der Jahre die Steuerung veraltet, der Betrieb unwirtschaftlicher und Ersatzteile immer schwerer zu bekommen gewesen. So habe sich die Klinik vor drei Jahren entschlossen, die Wärmeerzeugung auf ein Blockheizkraftwerk zu verlagern und die Notstromversorgung mit nur einem Motor sicherzustellen. Der an die Dieselmaschine angeflanschte Generator liefert eine Leistung von 1250 Kilovoltampere. Ohne Durchlauferhitzer oder Wärmepumpen wäre das ausreichend, um 80 bis 100 Einfamilienhäuser mit Strom zu versorgen.

Nur mit Notbeleuchtung

„Das bedeutet aber nicht, dass wir damit Normalbetrieb fahren können“, erklärt Hartung. So gebe es nur eine Notbeleuchtung, ein Teil der Aufzüge müsse abgeschaltet werden und in der Radiologie ein Computertomograf. „Allerdings bleiben die acht OP-Säle voll funktionsfähig“, betont der Ingenieur. Die wichtigsten Verbraucher, etwa auch OP-Leuchten, hätten sicherheitshalber zusätzlich noch eigene Akkus, um einen unterbrechungsfreien Betrieb zu gewährleisten, denn auch wenn der Motor auf 40 Grad vorgewärmt sei, benötige er ohne eine Kaltstartphase etwa 15 Sekunden, bis er seine volle Leistung abgeben könne.

Eigene Absicherung für die IT

Die IT habe eine separate Absicherung, um absolut ohne Unterbrechung weiter zu funktionieren, ebenso die Telefonanlage, die zudem mit den Standorten Waldbröl und Marienheide vernetzt ist. Diese Vernetzung hat sich bereits im Alltag bewährt. Kliniksprecherin Angela Altz erinnert sich, dass es bei Tiefbauarbeiten auf dem Steinmüllergelände einmal eine Leitungsunterbrechung gegeben habe: „Wir hatten dadurch praktisch keine Einschränkungen – die Vermittlung über Waldbröl hat problemlos geklappt.“ „Mit der Gasmangellage und den anschließenden Diskussionen über einen Blackout ist eine völlig neue Situation entstanden“, erläutert Jens Hartung.

Mehr Diesel gebunkert

Daraufhin sei mehr Diesel gebunkert worden, sodass die Stromversorgung anstelle der vorherigen 24 nun über 72 Stunden aufrechterhalten werden kann. Wenn der Stromausfall länger dauere, hänge es sehr von seiner Ausdehnung ab. Bei einem lokalen Stromausfall könne Treibstoff problemlos von außerhalb der Stadt geliefert werden, bei einem NRW-weiten Blackout sehe die Sache schon ganz anders aus. „Dann muss ein Krisenstab die weitere Vorgehensweise klären“, schildert der Technische Leiter und ergänzt: „Auf jeden Fall zeigt die jetzige Situation, wie wichtig es ist, die kritische Infrastruktur abzusichern.“Und er ergänzt, dass das Krankenhaus in Waldbröl identisch abgesichert ist.