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BrandgeruchOberbergischer Kreis macht Luftmessungen – Hausärzte-Chef mahnt zur Vorsicht

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Die Löscharbeiten in Belgien werden wahrscheinlich noch lange andauern.

Die Löscharbeiten in Belgien werden wahrscheinlich noch lange andauern.

Der Waldbrand in Belgien beschäftigt auch Oberberg: Vielerorts stinkt es. Und das könnte noch wochenlang so weitergehen.

Wer über Nacht das Fenster auf Kipp gelassen hatte, wachte am Morgen womöglich im Rauchgestank auf: In vielen Orten Oberbergs waren die Auswirkungen des Flächenbrandes im deutsch-belgischen Grenzgebiet Hohes Venn auch am Mittwoch deutlich zu riechen. Meldungen über den Brandgeruch erreichten unsere Redaktion unter anderem aus Marienheide, Engelskirchen, Lindlar, Gummersbach und Nümbrecht. Die Warnmeldung zur „Geruchsbelästigung durch Brandrauch“, die von der Leitstelle des Oberbergischen Kreises bereits am Dienstag unter anderem über die Nina-App veröffentlicht worden war, gilt am Mittwochvormittag weiterhin. Auch für die kommenden Tage und sogar Wochen sei weiterhin mit dem Gestank zu rechnen, sagt die Kreisverwaltung auf Nachfrage.

Wind trägt Brandrauch nach Oberberg

Im Naturschutzgebiet Hohes Venn kämpfen auch am Mittwoch hunderte Einsatzkräfte gegen den verheerenden Waldbrand. Der Wind trägt den Rauch von dem rund 80 Kilometer entfernten Gebiet seit Tagen immer wieder in unsere Region und Teile des Oberbergischen. Wie sich die Rauchgase ausbreiten, beobachtet der Deutsche Wetterdienst anhand von Satellitenbildern und erstellt sogenannte Ausbreitungsprognosen, die auch vom Oberbergischen Kreis seit mehreren Tagen regelmäßig abgefragt werden, erklärt Philipp Ising aus der Kreispressestelle: „Diese Berechnungen können zirka sechs bis acht Stunden in die Zukunft blicken und geben uns Aufschluss darüber, ob und wie wir Warnmeldungen an die Bevölkerung herausgeben.“ Die Kreisleitstelle befinde sich in enger Abstimmung mit ihren Kollegen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis – in dieser Schneise liegt das Waldbrandgebiet in Belgien.

Kreis lässt Luftmessungen durchführen

Dass der Brandgeruch bald abzieht, sei aktuell nicht zu erwarten, weil die Löscharbeiten in dem torfigen Gelände noch lange dauern werden, erklärt Ising: „Deswegen gehen wir davon aus, dass der Brandgeruch noch Tage und Wochen immer wieder zu uns herzieht.“

Am Mittwochmorgen sieht der Oberbergische Kreis noch keinen Anlass, vor einer konkreten Gesundheitsgefährdung zu warnen. Zwar sei bekannt, dass Brandrauch Feinstaub enthalte. Doch Luftmessungen, die im Hohen Venn durchgeführt würden, hätten laut Ising keine gefährlichen Stoffe nachgewiesen. Gleichwohl setzte die Leitstelle am Mittwochmorgen einen Feuerwehr-Messwagen aus Lindlar in Marsch, um eigene Messungen durchzuführen. Am Vormittag hieß es vom Kreis auf Nachfrage: Alle gemessenen Werte liegen im grünen Bereich. Trotzdem sollten vorerkrankte Menschen sensibel auf etwaige Symptome reagieren und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen.

Daten zeigen eine zeitweise sehr schlechte Luftqualität

Ob mit dem Brandgeruch eine Gesundheitsgefährdung verbunden ist, kann auch der Mediziner Ralph Krolewski nicht ausschließen. Er ist Vorsitzender des Oberbergischen Hausärzteverbands und in der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin Mitglied der Arbeitsgruppe „Klimawandel und Gesundheit“. Er hat am Mittwoch Daten des Atmosphärenüberwachungsdienstes Copernicus herangezogen – und die zeigten eine zeitweise sehr schlechte Luftqualität. Krolewski: „Das kann Atemwegserkrankungen, Schlaganfälle und Herzinfarkte auslösen. In der Wohnung, bei geschlossenen Fenstern, können diese stundenweise erhöhten Werte deutlich gemindert werden.“ Wenn es besonders stinkt, sollten körperliche Aktivitäten im Freien gemieden werden, so Krolewski. Und: Kleinkinder sollten vor dem Brandgeruch geschützt werden.

Krolewski beklagt, dass es für Oberberg nach wie vor keine offiziellen Luftschadstoffmessungen gibt, die Aufschluss über eine konkrete Gefährdungslage geben könnten. Fest stehe nur, dass gesundheitsgefährdende Feinstäube ein bedeutender Bestandteil von Rauchgasen seien. Der Brandgeruch sei ähnlich einzuordnen wie qualmende Kamine in der Heizperiode, meint der in Gummersbach-Bernberg tätige Hausarzt: „Aus eigenen Messungen weiß ich, dass wir auch dann steigende Feinstaubkonzentrationen haben.“

In seiner Praxis hat Krolewski bislang noch kein erhöhtes Patientenaufkommen feststellen können. Und er sagt: „Über einen längeren Zeitraum können wir uns gegen den Brandgeruch nicht schützen.“ Wer bei geschlossenen Fenstern in seinen eigenen vier Wänden dem Gestank entflieht, hat nach einigen Stunden den Sauerstoff aufgebraucht. „Da braucht man schon voll klimatisierte Räume mit Luftfilteranlage“, sagt Krolewski. Wer unter dem Brandgeruch leidet und zum Beispiel Kopfschmerzen bekommt, solle seinen Hausarzt aufsuchen: „Diese Symptome werden dann behandelt.“