In der Mensa der Gesamtschule Derschlag wurde das Fastenbrechen groß gefeiert. Ein Essen, bei dem Menschen aus vielen Ländern zusammenkamen.
FastenbrechenEin Essen, das in Gummersbach die Menschen zusammenbringt

Im Monat Ramadan wird das abendliche Fastenbrechen zelebriert
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„So viele Menschen aus so vielen unterschiedlichen Kulturen. Das spiegelt die Vielfalt hier wieder.“ Gülcan Ugurlu strahlt. Zum ersten Mal hat das Müttercafé der Gesamtschule Derschlag ein gemeinsames Fastenbrechen organisiert, zum ersten Mal auch eine so große Veranstaltung. „Wir hatten mit 50 Teilnehmenden gerechnet, dann gab es plötzlich 140 Anmeldungen. Da dachten wir, oh, was machen wir jetzt?“
Was die rund 20 Mütter dann auf die Beine gestellt haben, war ein großartiger Abend des Austauschs zwischen Kurdinnen und Ukrainern, Iranerinnen und Deutschen, Jugendlichen mit türkischen oder syrischen Wurzeln, der lebhaften Gespräche und – nach Sonnenuntergang – zwei riesigen Büffets mit Spezialitäten aus vielen Ländern.
Stundenlang Salat und Gemüse geschnippelt
Dafür hatten die Frauen viele Stunden lang Salat und Gemüse geschnippelt und zu Hause und in den großen Töpfen der Mensaküche gekocht. Bis zum Iftar, dem Fastenbrechen, hieß es aber noch warten. Denn die Muslime verzichten im Fastenmonat Ramadan zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen und Getränke.
Erst als der 13-jährige Mohammed um 18.03 Uhr mit dem Ruf des Muezzins und der Koranlesung das Zeichen gab, durfte ganz traditionell zu Wasser und Datteln gegriffen werden. Die genauen Uhrzeiten für jeden Ort auf der Welt, also auch für Derschlag, sind im Internet verfügbar.
Es stockt ja in der Gesellschaft bei der Toleranz, das gemeinsame Fastenbrechen ist ein super Mittel, das Miteinander fördern.
„Ich glaube, heute Abend kann ich viel lernen“, sagt Jean-Louis. Der 19-Jährige ist gekommen, um mitzuhelfen. „Es stockt ja in der Gesellschaft bei der Toleranz, das gemeinsame Fastenbrechen ist ein super Mittel, das Miteinander fördern.“ Das will er unterstützen.“
Schülerinnen und Schüler aus 29 Ländern besuchen die Gesamtschule. Leicht irritiert stellt Jean-Louis fest, dass er die türkischen Anweisungen nicht versteht, und nicht weiß, was er tun soll. Aber dann klappt es doch, er findet seinen Platz an einer großen Salatschüssel, während andere Jugendliche die traditionelle Suppe aus Kichererbsen verteilen.
Vielfalt als Bereicherung verstehen
Eine von ihnen ist Lelaf. Die 15-Jährige fastet, weil es in ihrer Familie Tradition ist. Ihrer Freundin Berra geht es darum, einen tieferen Bezug zu ihrer Religion zu finden. Und der 17-Jährige Hamdi mit arabischen Wurzeln freut sich, dass das gemeinsame Essen die Schüler aus unterschiedlichen Kulturen zueinander bringt. „Sogar die christlichen Lehrer helfen mit.“
„Wir möchten Vielfalt als Bereicherung und nicht als Bedrohung verstehen und das Verständnis füreinander vertiefen“, sagt der stellvertretende Schulleiter Thomas Krupp. „Dafür stellen wir die Mensa gern zur Verfügung.“ Und die platzt aus allen Nähten.
Auf ein Programm haben die Organisatorinnen vom Müttercafé ausdrücklich verzichtet. „Wir möchten, dass es an den Tischen kommunikativ zugeht“, begründet Lehrerin Gülcan Ugurlu. Dazu wird aus riesigen Schüsseln Kalbfleisch, Bulgur verteilt, es gibt Fladenbrot und Kuchen. „Wir haben noch nie für so viele Menschen gekocht und wussten gar nicht, wie viel gebraucht wird“, meint sie lachend und lobt die Unterstützung durch etliche Sponsoren.
Betül gehört zu denen, die zum Schluss Berge von Geschirr abräumen. Die 18-Jährige erzählt, dass die muslimischen Jugendlichen sich gegenseitig Posts über TikTok schicken und auch mal freundlich spotten, wenn einer verschlafen hat und es nicht vor dem Sonnenaufgang um 5.23 Uhr geschafft hat, zu frühstücken.
Hass in den Sozialen Medien
Sie berichtet aber auch von einer Flut von Hass, der sich aus den Sozialen Medien über sie ergießt, weil sie fastet. Aber an der Schule fühle sie gut aufgenommen. Da gebe es viel Verständnis. Jean-Louis hilft mit, den Abwasch in die Küche bringen. Er sieht sich durch das gemeinsame Erlebnis bestärkt, noch mutiger rechten Parolen entgegenzutreten.
