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Neujahrsboom im FitnessstudioSo gelassen sind die Stammgäste in Gummersbach

4 min
Zwei Männer sitzen im Fitnessstudio auf dem Fahrrad, während der Trainer daneben steht.

Für sie ist Training Routine: (v.l.) Trainer Solomon Omar mit Daniel Stahl und Gerd Balla.

Wie langjährige Mitglieder und Trainer im Wellcome Gummersbach den Ansturm zum Jahresbeginn erleben.

Der Jahresanfang ist traditionell Hochsaison in den Fitnessstudios. Gute Vorsätze, neue Motivation und der Wunsch nach Veränderung sorgen dafür, dass Laufbänder, Fahrräder und Kraftgeräte plötzlich dicht umlagert sind. Auch im J+Just More Wellcome in Gummersbach ist das nicht anders. Doch wie erleben diejenigen diese Zeit, die das Studio seit Jahren regelmäßig besuchen?

Rüdiger Daun (60) gehört zu den Menschen, die man im Wellcome fast immer antreffen kann. Seit 1986 trainiert er dort, bis zu sechs Mal pro Woche. Krafttraining, Cardio, Kurse – manchmal kommt er sogar nur zum Dehnen. „Mittlerweile ist mein Ziel einfach, fit und gesund zu bleiben“, sagt Daun. Früher war das anders: Als junger Mann betrieb er Leistungssport, war Wettkampf-Bodybuilder, hörte aber mit 21 auf. „Das war mir auf Dauer zu ungesund.“

Gelassen durch den Januar

Dass es im Januar voller ist als sonst, stört ihn nicht. „Stoßzeiten gab es schon immer – und nicht nur zum Jahreswechsel“, sagt Daun. Seine Trainingszeiten passe er deshalb aber nicht an. Menschen, die nur kurz motiviert sind und nach wenigen Wochen wieder verschwinden, lassen ihn gelassen. „Das ist nicht mein Thema. Viele wollen einfach zu viel auf einmal.“ Sein Rat an Anfänger ist simpel: „Mach erstmal und bring Ruhe rein.“

Diese Gelassenheit teilt auch Sieglinde Lermer (56), die seit drei Jahren im Wellcome trainiert. Zwei Mal pro Woche kommt sie – im Sommer etwas seltener, weil es sie dann nach draußen zieht. „Zum Jahreswechsel sage ich immer zu meinem Mann: Jetzt wird die Bude wieder voll sein“, erzählt sie schmunzelnd. Zwei bis drei Monate halte das meist an, dann werde es wieder ruhiger. Nervig finde sie das nicht: „Wir waren alle mal Anfänger und voller Eifer.“ Angefangen mit dem Sport hat Lermer, nachdem sie mit dem Rauchen aufgehört hatte. „Dann habe ich mir gedacht: Jetzt mache ich das Beste daraus.“

Viele denken, sie bekommen nach zwei Monaten einen Traumkörper. Aber das ist kein Sprint, sondern ein Marathon.
Solomon Omar, Sport- und Fitnesskaufmann

Auf den Rädern im Cardiobereich sitzen an diesem Tag Rainer Sülzer (73) und Christian Leitzke (54). Seit 20 beziehungsweise 31 Jahren gehören sie zum Studio. „Ich komme Anfang des Jahres immer gerne“, sagt Sülzer. „Das ist für mich ein kleiner Selbsttest.“ Die Neuen erkennt man schnell – ebenso wie die, die nach ein paar Wochen wieder verschwinden. „Es ist löblich, wenn Leute gute Vorsätze haben“, ergänzt Leitzke. „Aber man merkt, wer ab Mitte Februar nicht mehr auftaucht.“ Warteschlangen an den Geräten versuchen beide dann eher zu vermeiden.

Geduld statt Perfektion

Aus Trainersicht bestätigt Solomon Omar (27) diese Beobachtungen. Seit vier Jahren arbeitet er im Wellcome, hat dort seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann absolviert und ist inzwischen auch als Personal Trainer tätig. „Man merkt zum Jahresanfang deutlich, dass mehr los ist“, sagt er. Stressiger sei es deshalb aber nicht. „Als Trainer bist du mehr als das – du hörst zu und motivierst.“ Wenn er sehe, dass jemand Übungen falsch ausführt, gehe er direkt auf die Person zu. „Nicht, weil jemand etwas falsch macht, sondern weil es immer bessere und sicherere Varianten gibt.“

Omar rät Neueinsteigern, geduldig zu bleiben. „Gewicht ist nicht alles. Saubere Technik ist viel wichtiger.“ Wer wirklich etwas erreichen wolle, müsse auch an der Ernährung arbeiten. „Viele denken, sie bekommen nach zwei Monaten einen Traumkörper. Aber das ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“

Motivation zwischen Job und Alltag

Für Gerd Balla (71) ist das Fitnessstudio schon seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil seines Lebens. Seit 1979 trainiert er regelmäßig. Nach einer Erkrankung in den 1970er-Jahren musste er vieles neu lernen. „Ich bin ins Fitnessstudio gegangen, um wieder fit zu werden – aber auch, um unter Menschen zu sein.“ Der Andrang zum Jahresbeginn fällt ihm heute kaum noch auf. „Früher war das schlimmer. Vielleicht auch, weil alles teurer geworden ist.“

Auch Daniel Stahl (47) nimmt den Jahresanfang entspannt. Seit rund 16 Jahren – mit Unterbrechung – trainiert er im Wellcome, etwa drei Mal pro Woche. Vorsätze habe er für sich selbst abgelegt, doch neue Gesichter versucht er zu motivieren. „Ich sehe, wer neu ist, und rede einfach mit den Leuten.“ Dass es voller ist, störe ihn wenig. „Man fragt halt, wie lange jemand noch braucht und wechselt sich an den Geräten ab.“ Warum viele nicht dabeibleiben, erklärt er pragmatisch: „Man denkt, anderes ist wichtiger. Job, Familie, Freunde – und man selbst rutscht nach hinten.“