SondengängerGummersbacher entdeckt römische Münzen

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Sondengänger Alexander Maier.

Auf einem Acker in der Nähe von Wipperfürth ist Alexander Maier mit seiner Sonde unterwegs.

Diesen Tag im Dezember 2021 wird Alexander Maier nie vergessen. Denn da gelang dem Sondengänger aus Gummersbach ein besonderer Fund.

 „Es war kalt, ich war in der Nähe von Nagelsgaul auf einem Acker unterwegs“, erinnert er sich. Zunächst schlug die Sonde, die auf Metall im Boden reagiert, nur selten aus. Doch dann gab es ein deutlich vernehmbares „Piep, Piep, Piep“. Maier grub ein wenig und hatte plötzlich eine kleine Münze in der Hand. Die hellgrüne Patina deutete darauf hin, dass die Münze schon lange im Boden gelegen hatte. Alexander Maier konnte den Schriftzug „Tre“ entziffern, und wusste, dass er eine römische Münze vor sich hatte. Denn Tre steht für die römische Stadt „Augusta Treverorum“, also Trier.

Alexander Maier ist normalerweise ein ruhiger Typ, „aber in diesem Moment ging mein Puls hoch“. Die Archäologen vom Rheinischen Landesmuseum, denen der Gummersbacher seinen Fund vorlegte, konnten die Münze genauer datieren. Sie stammt aus dem vierten Jahrhundert nach Christus und zeigt ein Porträt des Kaisers Constantinus II.

In der Nähe fand Maier noch eine weitere Bronzemünze und Scherben von römischem Tafelgeschirr. Eine kleine historische Sensation, denn nach heutigem Wissensstand war das Bergische Land nie von Römern besiedelt. Es gab allerdings Handelswege, die durch das Bergische Land führten, und vereinzelte Vorstöße von römischen Einheiten in Richtung Sauerland.

Das Interesse für Geschichte hat schon früh begonnen

Alexander Maier hat schon früh begonnen, sich für Geschichte zu interessieren. Über ein Video im Internet wurde er auf das Thema „Sondeln“ aufmerksam, 2019 ging er erstmals bei einem erfahrenen Sondengänger mit und kaufte sich dann seine erste eigene Sonde, die er schon bald durch ein leistungsfähiges Modell ersetzte. Ende April 2024 begleitete unsere Zeitung den heute 24-Jährigen auf einem Streifzug.

Wir haben uns in Kempershöhe verabredet, ganz in der Nähe liegt der Acker, den Maier heute begehen wird, nachdem er sich zuvor vom Eigentümer die Genehmigung geholt hat. Wir ziehen los über den erst kürzlich gepflügten Acker. Der Sondengänger schwingt seine Metallsonde dicht über dem Boden – immer in einem Halbkreis von links nach rechts und wieder zurück, ähnlich wie eine Sense. Er hat Kopfhörer aufgesetzt und lauscht konzentriert den Signalen der Sonde. Schon nach wenigen Minuten piepst es das erste Mal vernehmlich.

Mit kurzen Sondenbewegungen kreist Meier die fragliche Stelle ein, und nimmt dann einen Pinpointer zu Hilfe, eine kleine, stabförmige Sonde, mit der er im Erdreich stochert. Ein kleiner Schlackebrocken ist die erste Ausbeute, die der Sondensucher in einer Tasche am Gürtel verstaut. Der nächste Fund ist eine Patronenhülse, möglicherweise aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Weil nicht auszuschließen ist, dass da noch Phosphorreste dran haften, lässt Maier sie an Ort und Stelle, macht aber ein Foto samt Geodaten, das er später dem Kampfmittelräumdienst schicken wird.

Sondengänger aus Gummersbach:  Münze wird später genauer bestimmt

Zwischendrin stößt der 24-Jährige immer wieder auf Deckel und Dosenreste sowie eine ausrangierte Trecker-Bremsscheibe – auch diesen Müll nimmt er mit und tut so noch etwas für die Umwelt. Kurz darauf ertönt wieder ein „Piep, Piep, Piep“. „Hört sich nicht schlecht an“, meint Maier, und er hat recht.

Der Fund: Eine kleine, weißlich verfärbte Münze, „das liegt am Zinkgehalt“, erklärt Maier. Später wird er die Münze genauer bestimmen können. Sie stammt aus dem Deutschen Kaiserreich, und zwar aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, als die Kupfermünzen durch Zinkexemplare ersetzt wurden. Alexander Maier bereitet sich bei seinen Streifzügen gewissenhaft vor. Dazu gehört das Studium von alten Karten, um ein lohnenswertes Areal genauer bestimmen zu können. Der Gummersbacher ist kein Schatzsucher, sondern besitzt eine offizielle Nachforschungsgenehmigung des Landesamtes für Denkmalpflege (siehe Ende dieses Textes).

Dem Grundbesitzer steht eine Entschädigung zu

Wenn ein registrierter Sondengänger etwas findet, darf er es in der Regel behalten. Dem Grundbesitzer steht allerdings eine Entschädigung von 50 Prozent des Wertes zu. Archäologisch besonders interessante Funde – so wie die römische Münzen – landen im Museum. In diesem Fall im Rheinischen Landesmuseum in Bonn. Seit kurzen engagiert sich Alexander Maier im Bergischen Geschichtsverein, Abteilung Oberberg, wo er jüngst in den Beirat gewählt wurde.

In Juni erscheint das neue Jahrbuch des BGV Oberberg, dort ist der Gummersbacher mit einem Aufsatz über die römischen Münzen und die historische Bedeutung des Fundes vertreten. Regelmäßig tauscht sich Alexander Maier zum Fachsimpeln mit anderen Sondengängern aus, auch in diversen Internetforen . Nur die genauen Orte, an denen er sucht, die behält der Gummersbacher lieber für sich. 


Rechtslage

Wer mit einer Metallsonde unterwegs ist, braucht dazu eine Genehmigung. Genauere Auskünfte erteilt die Broschüre „Die Rechtslage in NRW – Sondengänger und Archäologie“, die online erhältlich ist. 

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