Dieringhausen – Zwei große Gitterboxen ungesichert auf dem Beifahrersitz und an der Ampel mit dem Handy hantiert – ziemlich unvermittelt geriet der junge Fahrer eines weißen Transporters gestern früh in die Schwerpunktkontrolle des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes des Kreises. Dabei war dem Wagen von außen gar nicht anzusehen, was er transportierte. Erst als er gestoppt worden war, wurde klar, dass der Wagen Lebensmittel an Bord hatte und damit exakt in die Zielgruppe der Kontrolle gehörte – ein Zufallstreffer.
Auf der Ladefläche transportierte der Fahrer für einen heimischen Caterer Schulessen – alles einwandfrei in einem Container verstaut. Auf dem Beifahrersitz hatte er in Gitterboxen volle Tüten mit Obst verstaut. Das war kurz vorher aus der Kühlung gekommen, auch da hatten die Kontrolleure nichts zu beanstanden. Die Polizei dafür umso mehr: Handynutzung während der Fahrt, die Sichtbeeinträchtigung durch die großen Kisten auf dem Beifahrersitz – Polizist Stefan Nahrgan klamüserte dem hörbar betreten wirkenden Fahrer haarklein auseinander, was er falsch gemacht hatte – und dass er wohl mit einem Punkt in Flensburg rechnen müsse.
Supermarktketten wissen um das Risiko
Derweil lotste ein Kollege Nahrgans von seinem Motorrad aus schon den nächsten Transporter vor den Dieringhausener Güterbahnhof. Dort prüften die Leiterin der Lebensmittelüberwachung, Nicole Arnold, und ihre Kollegen Stefan Neier und Harald Janto schon seit 5.30 Uhr die beiden Hauptkriterien der Aktion: die Temperatur in den Transportern, die Fleisch, Tiefkühl- oder Molkereiprodukte geladen haben, und die Hygiene – etwa in Bäckereifahrzeugen.
Einmal im Jahr finde eine solche Schwerpunktkontrolle im Oberbergischen Kreis statt, sagt Nicole Arnold. Transporteure und Lebensmittelunternehmen sollten wissen, dass man sie im Blick habe, „vielleicht verbessern sie dann noch etwas“.
1600 Kontrollen
Überprüft werden die Fahrzeuge aber nicht nur mit solchen Aktionen, sondern praktisch das ganze Jahr über: Bei den gut 1600 Kontrollen, die das Lebensmittelüberwachungsamt in Betrieben und Gaststätten durchführt, werden die Transporter der Firmen ebenfalls inspiziert. Und auch die Polizei meldet sich, wenn ihr bei eigenen Kontrollen Unregelmäßigkeiten in Sachen Temperatur und Hygiene auffallen: „Die versiegeln die Wagen und schicken sie zu uns“, schildert Arnold.
Die großen Supermarktketten wissen um das Risiko und die Folgen, mit schlecht gekühlter Ware erwischt zu werden. Die Temperatur auf der Ladefläche der Lastzüge kann vom Fahrerhaus kontrolliert und bei Kontrollen meistens auch gleich ein Beleg ausgedruckt werden.
Temperaturkontrolle
Ein Dutzend Lebensmitteltransporte musste gestern früh seine Fahrt am Güterbahnhof unterbrechen. Bei sieben gab es kleinere Mängel, Bäckereifahrzeuge etwa, deren Ladeflächen nicht sauber genug waren oder in Kühllastern konnte die Temperaturkontrolle das Protokoll nicht ausdrucken.

Auch in diesem Fischtransporter wurde die Fracht vorschriftsmäßig transportiert und bald danach ausgeliefert.
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Fast wäre den aufmerksamen Blicken ein Fischtransporter durch die Lappen gelangen. Polizist Nahrgan aber sprang rasch auf sein Krad, fischte den Kühlwagen kurz vor seinem Ziel noch ab und keine zwei Minuten später stand der statt am Kaufland-Markt vor dem Güterbahnhof. Auch hier war alles in Ordnung.
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Bei einem Kühl-Lastzug, der gerade in Dieringhausen abgeladen hatte und auf der Weiterfahrt nach Remscheid war, ließen die Kontrolleure die Plombe aufbrechen, damit hatte der Supermarkt den Laderaum vor der Weiterfahrt versiegelt. Die Ladung war ordnungsgemäß kalt gelagert – der Fahrer musste wenden und sich ein neues Siegel holen. Das nahm er gelassen hin. Er war schon vor zwei Jahren in die Kontrolle geraten und erkannte einen der Kontrolleure trotz Corona-Maske wieder, den er freundlich begrüßte.
Im zwölften Jahr nimmt Nicole Arnold die Schwerpunktkontrollen jetzt schon vor – ihr Fazit dazu: „Es ist immer besser geworden.“

