Nikola Roganović spricht über seinen Wechsel zum VfL Gummersbach, die Härte der Bundesliga und seine großen Ziele.
Interview der WocheNikola Roganović über seinen Start beim VfL Gummersbach

In Gummersbach ist Nikola Roganović auf eine neue Liga, eine neue Mannschaft und ein neues Umfeld getroffen.
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Nikola Roganović gilt als eines der vielversprechendsten Nachwuchstalente im Handball: Mit 20 Jahren hat der Schwede zur Saison 2026/27 den nächsten großen Schritt in seiner jungen Karriere gewagt und ist vom schwedischen Traditionsverein HK Malmö zum VfL Gummersbach gewechselt. In Gummersbach ist der schwedische Nationalspieler auf eine neue Liga, eine neue Mannschaft und ein neues Umfeld getroffen. Vor dem Spiel gegen die Füchse Berlin, dem nächsten Champions League-Teilnehmer, hat Lara Mielke mit ihm über seinen Wechsel nach Gummersbach, die ersten Eindrücke von der Bundesliga und seinen Zielen für die Zukunft gesprochen.
Wie sind Sie zum Handball gekommen und wie alt waren Sie?
Ich spiele Handball, seit ich laufen kann. Mein Vater war selbst Handballer und mit fünf Jahren habe ich in meinem ersten Team gespielt. Seitdem gehört Handball einfach zu meinem Leben und ich habe fast jeden einzelnen Tag trainiert. Natürlich habe ich in meiner Jugend auch mal Fußball oder Basketball ausprobiert, aber für mich war eigentlich immer klar, dass ich Handball spielen möchte.
Ihr Vater hat Sie lange Zeit in Schweden selber trainiert. Wie war das für Sie?
Am Anfang war es ein wenig komisch und schwierig, ihn in der Halle als Trainer und nicht als Vater zu sehen. Aber nach ein paar Monaten wurde es einfacher und ich glaube, dass er als Trainer das beste war, was mir hätte passieren können. Er hat mich immer sehr direkt kritisiert, aber das hat mir geholfen, mich weiterzuentwickeln.
Wie kam der Kontakt zum VfL Gummersbach zustande?
VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler hat meinen Manager gefragt, ob ich nach Gummersbach kommen möchte, um den Verein kennenzulernen und mit Trainer Gudjon Valur Sigurdsson zu sprechen. Goggi hatte natürlich auch schon vorab mit mir telefoniert. Ich war sehr interessiert, bin nach Gummersbach gekommen, habe mir ein Spiel angeschaut und mit vielen Leuten aus dem Verein gesprochen. Ich habe mich von Anfang an sehr willkommen gefühlt. Seitdem genieße ich hier jeden einzelnen Moment.
Was hat Ihnen letztlich das Gefühl gegeben: Gummersbach ist der richtige Schritt für mich?
Die Gespräche mit Goggi liefen sehr gut. Es war mir wichtig, dass ich bei meinem nächsten großen Schritt einen guten Trainer an meiner Seite habe und ich sehe in ihm einen ähnlichen Trainer wie in meinem Vater. Natürlich haben mich aber auch die Stärke des Teams und die Ambitionen des Vereins sehr beeindruckt. Es hat sich für mich alles sehr passend angefühlt.
Sie sind von Schweden nach Deutschland gezogen. Was war Ihr erster Eindruck von Deutschland?
Ich hatte von einigen Leuten negative Sachen über Deutschland erzählt bekommen, wie zum Beispiel der viele Papierkram. Aber die ersten Monate fühlen sich sehr gut an und meine Erwartungen sind eingetroffen. Ich bin sehr glücklich und es ist sogar ein bisschen ähnlich zu meinem Heimatland Schweden.
Was vermissen Sie am meisten an Ihrer Heimat?
Ganz klar meine Familie. Ich dachte, ich hätte mehr Chancen, nach Hause zu fliegen und sie zu besuchen. Aber mit den täglichen Trainingseinheiten und den Spieltagen ist das nahezu unmöglich. Meine Mama hat mich in den ersten Wochen hier in Gummersbach stark unterstützt, das hat mir sehr geholfen. Trotzdem vermisse ich meine Familie am meisten.
Gibt es Unterscheide in der Art zu trainieren und zu spielen im Gegensatz zu Schweden?
Ja, es ist ein sehr großer Schritt von Schweden in die Bundesliga. Gerade die ersten Wochen waren sehr hart für mich. Ich war es nicht gewohnt, jeden Tag in dieser Intensität zu trainieren. Auch das Spiel ist viel physischer und schneller, als ich es bisher kannte. Aber es tut mir gut, weil ich merke, wie sehr ich mich in den letzten zwei Monaten schon entwickelt habe.
Und fällt es Ihnen mittlerweile leichter?
Ja, mittlerweile habe ich das Gefühl, dass das Spiel für mich langsamer wird. Es fühlt sich leichter an zu spielen und auch an die Härte gewöhne ich mich immer mehr. Die Krafteinheiten im Gym helfen mir sehr (lacht).
Wenn Sie Handball in drei Worten beschreiben müssten – welche wären es?
Schnell, physisch und mental.
Was machen Sie neben dem Handball?
Ehrlich gesagt nicht besonders viel. Normalerweise bin ich nach den Einheiten zu Hause und versuche mich so gut und schnell es geht wieder zu erholen. Manchmal gucke ich Netflix oder spiele ein Videospiel. Dart mag ich auch sehr gerne.
Wie war es für Sie, das erste Mal in der Schwalbe-Arena einzulaufen?
Es war sehr cool. Seitdem ich den Vertrag vor rund einem Jahr unterschrieben habe, war es mein Traum, in dieser Halle einzulaufen. Aber noch magischer war es, auch wirklich spielen zu dürfen. Die Atmosphäre war der Hammer.
Wie gehen Sie vor einem Spiel mit Druck um und haben Sie besondere Rituale?
Ein besonderes Ritual habe ich nicht. Ich versuche nur, meinen Tagesablauf an Spieltagen möglichst gleich zu halten – zum Beispiel immer zur gleichen Uhrzeit spazieren zu gehen. Am wichtigsten ist für mich aber, mich zu entspannen und mich auf das Spiel zu konzentrieren, statt über den Druck nachzudenken.
Worin sehen Sie die größte Stärke Ihrer Mannschaft?
Die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen uns läuft sehr gut. Gummersbach ist keine sehr große Stadt, die Mannschaft arbeitet und kommuniziert wie eine kleine Familie. Wir sind keine Individuen in einem Verein, sondern ein Team. Und wenn wir das auf das Feld bringen und im Spiel zeigen können, dann können wir jedes Team in dieser Liga besiegen.
Gibt es einen Gegner in der Bundesliga, vor dem Sie besonders aufgeregt sind?
Eigentlich freue ich mich auf jedes Spiel. Es macht mir Spaß, gegen große und bekannte Vereine anzutreten. Ich denke, dass ich ein bisschen aufgeregter sein werde, wenn ich gegen einen Freund auf der Platte antrete, aber auch darauf freue ich mich.
Was war bis jetzt die größte Herausforderung in Ihrer Karriere?
Natürlich fühlt sich gerade alles ein wenig wie eine Herausforderung an. Der Weg nach Deutschland ist also wahrscheinlich die größte Challenge bis jetzt. Wobei auch der Schritt in die schwedische Nationalmannschaft sehr schwierig war. Ich habe bis dahin nur in der schwedischen Liga gespielt und mit dem Nationalteam stand ich dann plötzlich Welthandballern gegenüber.
Sie haben in den Medien nicht erst nach den 15 Toren gegen Melsungen sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. Beeinflusst Sie das?
Nein, ich spreche noch kein Deutsch, also verstehe ich die Medien auch nicht (lacht). Aber grundsätzlich habe ich mich noch nie groß dafür interessiert, was andere Menschen über mich sagen. Natürlich sehe ich manchmal Kommentare oder Posts in den sozialen Medien und lese sie mir auch durch. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass mich das irgendwie beeinflusst.
Was haben Sie für Ziele mit dem VfL?
Der VfL möchte in den nächsten Jahren Champions League spielen, vielleicht schaffen wir das schon in der kommenden Saison. Und über einen längeren Zeitraum gesehen, möchten wir natürlich so viele Titel und Trophäen wie möglich holen.
Und welche persönlichen Ambitionen verfolgen Sie?
Ich persönlich will auch so viele Titel gewinnen wie möglich. Aber mein größtes Ziel seit meiner Kindheit ist es, der beste Spieler auf der Welt zu werden und hoffentlich kann ich das erreichen. Ich arbeite seit meiner Ankunft jeden Tag dafür, immer besser zu werden und ich denke, ich bin auf einem guten Weg.
