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RuhestandRiesen-Abschiedssause für Gritta und Hartmut Lange in Gummersbach

3 min
Auf dem Festplatz von Gummersbach-Niederseßmar tummeln sich am Freitagabend gut 250 Menschen, um das Ehepaar Gritta (links) und Hartmut Lange mit roten Rosen, viel Schulterklopfen und etlichen Tränen in den Ruhestand zu verabschieden.

Auf dem Festplatz von Gummersbach-Niederseßmar tummeln sich am Freitagabend gut 250 Menschen, um das Ehepaar Gritta (links) und Hartmut Lange mit roten Rosen, viel Schulterklopfen und etlichen Tränen in den Ruhestand zu verabschieden.

Das große Fest mitten in Niederseßmar ist eine heimlich geplante Überraschung. Rund 250 Menschen bedanken sich dort bei dem umtriebigen Ehepaar.

Freitag, 17.51 Uhr, Dudelsackklänge schallen über die Kölner Straße in Niederseßmar. 17.53 Uhr, Tränen fließen. Die Bäckerei von Gritta und Hartmut Lange ist ausgeräumt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich versammelt, um im Gummersbacher Stammhaus den allerletzten Arbeitstag des Ehepaares und auch den allerletzten Tag der Bäckerei Lange gemeinsam zu beenden. Und das geht natürlich nicht leise: Steffi und Axel Helmus blasen die Great Highland Bagpipes, ein Ehrenkomitee hat sich im Geschäft an der Kölner Straße eingefunden, um die Langes abzuholen.

Hinter den beiden Musikern vom Bernberg führen der Karl-Heinz Richter, Vorsitzender des örtlichen Bürgervereins, der Bundestagsabgeordnete Carsten Brodesser und Gummersbachs Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit den Abschiedstross in Richtung Ruhestand an. Doch bevor sich das Paar zur ersten Urlaubsreise verdrücken darf, steigt auf dem Niederseßmarer Festplatz eine große Party.

Beim Abschiedsfest für Bäcker Hartmut Lange (Zweiter von rechts) und seine Ehefrau Gritta in Niederseßmar erhält Lange aus den Händen von Gummersbachs Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit (Zweiter von links) auch die goldene Stadtmedaille. Carsten Brodesser (links) und Karl-Heinz Richter (Vorsitzender des Bürgereinvereins, rechts) freuen sich mit.

Beim Abschiedsfest für Bäcker Hartmut Lange (Zweiter von rechts) und seine Ehefrau Gritta in Niederseßmar erhält Lange aus den Händen von Gummersbachs Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit (Zweiter von links) auch die goldene Stadtmedaille. Carsten Brodesser (links) und Karl-Heinz Richter (Vorsitzender des Bürgereinvereins, rechts) freuen sich mit.

Rund 250 Menschen tummeln sich dort, um „Danke“ zu sagen. Heimlich eingefädelt hat das Karl-Heinz Richter, schon im April hat er mit dem Planen begonnen. Und „Boah“ ist erstmal das einzige, das Hartmut Lange (72) sagen kann. Ehefrau Gritta (65) ist eingeweiht: „Zu schweigen ist mir nicht schwergefallen, weil ich wollte, dass er sich so freut wie er sich jetzt freut.“

Die drei Kinder sind ebenso da wie die sieben Enkel. Tochter Wiebke, heute in Oldenburg zu Hause, feiert zudem ihren 39. Geburtstag und Söhnchen Paul (3) macht auf ihrem Arm zu allem große Augen. Überraschungsplaner Richter fallen viele Gründe ein, warum sich Niederseßmar bei den Langes bedanken möchte.

Er nennt ein paar davon: „Für die ungezählten Weckmänner, die sie an die Kindergärten und Schulen verteilt haben, für die Unterstützung des Schützenvereins Mühle-Niederseßmar und dafür, dass sich unsere Feuerwehreinheit nach Einsätzen morgens um 3 Uhr warme Brötchen bei Hartmut holen durfte.“ Das ist am Abschiedsmorgen auch der Plan von Wolfgang Maeding: „Ich wollte Brötchen und Schwarzbrot kaufen und dann bin ich da in einen Frühschoppen geraten“, erklärt der 90-Jährige, warum er ein bisschen später zu Ehefrau Lieselotte zurückgekehrt ist.

Im großen Tross ging es hinter den Dudelsackspielern Steffi und Axel Helmus vom Stammsitz der Bäckerei Lange an der Kölner Straße zum Festplatz in Gummersbach-Niederseßmar.

Im großen Tross ging es hinter den Dudelsackspielern Steffi und Axel Helmus vom Stammsitz der Bäckerei Lange an der Kölner Straße zum Festplatz in Gummersbach-Niederseßmar.

Auf dem Weg zum Festplatz stehen Menschen wie die beiden Spalier und klatschen, unterwegs gibt’s rote Rosen reichlich und von Bürgermeister Halding-Hoppenheit schließlich die goldene Medaille der Stadt Gummersbach für das Engagement um die Heimatstadt.

Zwölf Filialen in drei Kommunen mit etwa 140 Beschäftigten haben die Langes aufgebaut, sechs der Geschäfte übernimmt das Unternehmerpaar Kerstin und Philipp Schneider aus Netphen als „Schneider’s Bäckerei“, auch sie sind beim Fest dabei.

Unterdessen erinnert Rathauschef Halding-Hoppenheit an den Werdegang Hartmut Langes, der nach dem Abitur zunächst studiert und als Wirtschaftsingenieur arbeitet, bevor er mit 30 in die Bäckerlehre einsteigt und schließlich auch den Meister macht, um in dritter Generation dieses Handwerk auszuüben. 102 Jahre Tradition enden also. Halding-Hoppenheit würdigt Lange als einen Mann, der die Stadt und insbesondere Niederseßmar vielfältig geprägt habe.

„Man muss es irgendwann gut sein lassen, so lange man sich gut fühlt – und ich fühle mich einfach nur gut“, erklärt ein überwältigter Hartmut Lange und freut sich über die Familie, Sandkastenfreunde, Studienkollegen, Handballbegleiter, Mitstreiter im Arbeitsleben, die Feuerwehr und die Schützen – „und dass man mir eine kleine Bierstadt aufgebaut hat und dass so viele Menschen gekommen sind, was für eine Ehre“. Und die erste Tat im Ruhestand? „Auf Tour gehen!“