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Neues UnternehmenIn Gummersbach lernt die Künstliche Intelligenz, wie der Mensch zu sehen

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Peter Lüdorf (links) und Professor Patrik Tichelmann sind zwei der insgesamt drei Gründer des Unternehmens „Detection-X“. Dieses hat senen Sitz in Gummersbach.

Peter Lüdorf (links) und Professor Patrik Tichelmann sind zwei der insgesamt drei Gründer des Unternehmens „Detection-X“. Dieses hat senen Sitz in Gummersbach.

Patrik Tichelmann, Peter Lüdorf und André Küke haben das Unternehmen „Detection-X“ gegründet. Maschinelles Sehen und Objekterkennung ist ihr Metier.

„Detextion-X“ ist ein junges Gummersbacher Unternehmen, das Künstliche Intelligenz (KI) für maschinelles Sehen und Objekterkennung entwickelt. Im Kern geht es darum, Maschinen beizubringen, das zu erkennen und zu beurteilen, was Menschen mit ihren Augen wahrnehmen – und damit Prozesse in Industrie und Logistik zu automatisieren.

Gründer sind Professor Patrik Tichelmann, Leiter des Labors für angewandte KI an der Technischen Hochschule Köln, Peter Lüdorf, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Gummi-Berger-Gruppe, und André Küke, Internationaler Großhändler im Bereich Nutzfahrzeugreifen.

Bei dieser Konstellation wundert es nicht, dass die KI-basierte Erkennung von Reifen im Fokus der ersten Produktfamilie „Tire :AI“ stand. Inzwischen hat sich Detection-X jedoch zu einem branchenübergreifend tätigen KI-Unternehmen entwickelt. Doch was kann Tire :AI?

Diese Unternehmensgrafik zeigt, wie ein KI-unterstützter Arbeitsablauf im Bereich der Reifenerkennung abläuft. Entwickelt worden ist das System in Gummersbach.

Diese Unternehmensgrafik zeigt, wie ein KI-unterstützter Arbeitsablauf im Bereich der Reifenerkennung abläuft. Entwickelt worden ist das System in Gummersbach.

Reifen laufen über ein Förderband und werden von einer Kamera erfasst. Und dann kommt die KI ins Spiel: Das System ist so schnell, dass das Förderband ohne Stopp durchläuft und die Kamera die Reifenseitenwand auslesen mit allen relevanten Daten des Reifens auslesen kann. Aber nicht nur das. Zeitgleich prüft das System auch noch die Reifen auf Beschädigungen und ermittelt die Profilstärke. Sind diese Daten automatisch erfasst, gelangen die Reifen an dem für sie innerhalb des Betriebs vorgesehenen Lagerpunkt. Das spart nicht nur Zeit, der Prozess ist zugleich hochpräzise, wie Peter Lüdorf erläutert.

Das KI-basierte lesen reduziere menschliche Fehler. Vorschäden an den Reifen würde nahezu nicht mehr übersehen, sagt er. Ziel dieses Prozesses ist unter anderem, deutlich mehr Reifen einer hochwertigen Wiederverwendung oder Runderneuerung zuzuführen und damit den Verbrauch von Rohstoffen und die CO₂-Emissionen der Reifenbranche nachhaltig zu reduzieren.

Das Gummersbacher Unternehmen hat für seine richtungsweisende Entwicklung bereits einen Preis erhalten

Dass die Entwicklung richtungsweisend ist zeigt auch ein Preis, den es für das Unternehmen in diesem Sommer gab. Die Detection-X GmbH wurde mit ihrer KI-Lösung TireSort:AI beim bundesweit ausgeschriebenen Innovationswettbewerb „Going Circular“ der Industrie- und Handelskammer zu Köln mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Der Wettbewerb prämiert Unternehmen, die mit innovativen Technologien und zirkulären Geschäftsmodellen einen besonderen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten.

Doch mit der Erkennung von Reifen hört das Tool der Gummersbacher nicht auf. „Alles, was der Mensch sehen kann, bringen wir der KI bei“, sagt Prof. Tichelmann und macht damit deutlich, was alles noch vorstellbar ist. Unternehmen aus dem Bereich Textilien oder Lebensmittel nutzen bereits die KI aus Gummersbach. Im Bereich der Reifenindustrie ist es Branchenriese Michelin. Doch es gibt auch Lösungen, die Schäden an Lkw oder deren Anhängern erkennen, wenn zuvor die Ist-Daten hinterlegt worden sind. So auch bei der Erkennung von Paketen im Versand, ob diese unter Umständen beschädigt sind.

Die Gummersbacher KI lernt, wie sie fehlerhafte Ware automatisch aussortieren kann

Doch Detection-X geht noch einen Schritt weiter mit seinem Portfolio. Einen wesentlichen Schwerpunkt bildet heute die selbst entwickelte Plattform Profundus:AI. Statt für jeden Anwendungsfall eine komplett neue Software zu programmieren, ermöglicht sie Unternehmen, eigene KI-Anwendungen für maschinelles Sehen zu entwickeln, zu trainieren und anschließend in der Praxis einzusetzen.

Die Oberfläche ist so angelegt, dass sie nicht nur von Informatikern, sondern von Ingenieuren so bearbeitet werden kann, dass eine unternehmensspezifische Lösung erarbeitet werden kann, wie Tichelmann sagt. So kann die KI zum Beispiel mit Hilfe von Bildern eines einwandfreien Produkts angelernt werden und mit diesem „Wissen“ dann in der Praxis fehlerhafte Ware automatisch aussortieren. Dabei setzt Detection-X darauf, die Künstliche Intelligenz direkt bei den Unternehmen betreiben zu können. Sensible Bild- und Produktionsdaten müssen dadurch nicht zwingend an externe Cloud-Dienste übertragen werden.

Aus den ersten Projekten in der Reifenbranche ist damit in Gummersbach ein Technologieunternehmen entstanden, das eine eigene Plattform für industrielle Künstliche Intelligenz entwickelt und diese zunehmend branchenübergreifend einsetzt. Detection-X ist in den vergangenen Jahren auf 13 Beschäftigte gewachsen. Zwei davon arbeiten von Tunesien aus. Und ein weiteres Wachstum ist geplant.