Landrat Klaus Grootens hat einen 6,7-Millionen-Förderbescheid übergeben. Damit soll der Umbau der Tapetenfabrik P+S zum Wohnkomplex unterstützt werden.
RekordförderungWohnungen in Gummersbach für jeden Geldbeutel

Stadtentwicklung (v.l.): Michael Starck, Patrick Deyerl, Klaus Grootens, Julia Leuker und Raoul Holding-Hoppenheit freuen sich, dass in Innenstadtnähe neue Wohnungen entstehen.
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Draußen lächelt Designer Guido Maria Kretschmer milde von einem Plakat. Im Erdgeschoss des entkernten Gebäudes steht noch eine alte Druckmaschine, Julia Leuker möchte sie gern im Foyer des Hauses ausstellen. Ansonsten erinnert nur noch wenig daran, dass hier einst Tapeten entworfen und hergestellt wurden. Schon Ende kommenden Jahres sollen die ersten Mieter einziehen, kündigt die Geschäftsführerin der Kaiser90 Immobilien GmbH aus Soest an.
Dass aus der Fabrik von Pickardt und Siebert (P+S) an der Kaiserstraße ein Wohnhaus wird, ist einer stattlichen staatlichen Unterstützung zu verdanken. Am Dienstag hat Landrat Klaus Grootens den Bescheid über eine Förderung des privaten Bauvorhabens in Höhe von 6,7 Millionen Euro übergeben – die höchste Summe seit Jahrzehnten für ein solches Projekt in Oberberg.

So soll der neue Komplex einmal aussehen.
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Es handelt sich um ein zinsgünstiges Darlehen aus Landesmitteln zur Förderung des Sozialwohnungsbaus. Das Kreisbauamt musste den Antrag daraufhin prüfen, ob er den strengen Kriterien entspricht. Wie Amtsleiter Michael Starck erläutert, werde ein hochwertiger Wohnungsbau gewährleistet, dazu gehöre eine hohe energetische Effizienz.
Landrat Grootens berichtet, dass insgesamt rund 13 Millionen Euro in diesem Jahr für die Wohnraumförderung ausgegeben werden, darunter für kleinere Projekte in Waldbröl und Bergneustadt. „Die Baukosten sind in die Höhe geschossen, die Zinsen liegen wieder über vier Prozent.“ Bei dem Gummersbacher Vorhaben werde nicht „auf der grünen Wiese“ Fläche verbraucht, sondern „eine „tolle Bausubstanz genutzt und einer Industriebrache neues Leben eingehaucht“.
Dank an die Stadt Gummersbach
Der Landrat dankt der Bauentwicklerin Leuker und ihrem Bruder und Mitgeschäftsführer Patrick Deyerl für den Mut zu der 23-Millionen-Euro-Investition und die Stadt Gummersbach für das zügige Genehmigungsverfahren.
Der anwesende Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit nennt das Bauprojekt angesichts steigender Einwohnerzahlen „passgenau“. Die Insolvenz der Tapetenfabrik vor acht Jahren sei schmerzhaft für die Stadt gewesen, die Umwidmung des Geländes für den Wohnungsbau aber richtig. Eine neue gewerbliche Nutzung in dem inzwischen von Wohnungen geprägten Stadtteil wäre sehr schwierig geworden.
Investor Patrick Deyerl nennt die fußläufige Nähe zur Innenstadt entscheidend für das ganze Projekt. 20 Prozent der nicht geförderten Eigentumswohnungen, die in einem Neubau an der rechten Seite der Tapetenfabrik entstehen, seien schon verkauft. Wenn bald 40 Prozent vermarktet seien, werde man mit den Hochbauarbeiten beginnen, damit auch diese Appartements Ende 2027 bezugsfertig sind. Leuker und Deyerl berichten, dass viele Käufer in Süddeutschland oder sogar der Schweiz leben, aber ursprünglich aus Gummersbach stammen und in eine Wohnung in der Heimat investieren, um dort später einen Altersruhesitz zu haben.
Der Zeitplan bleibt ehrgeizig. Die Investoren arbeiten parallel an den Plänen für ein Bauprojekt auf der anderen Straßenseite. Für mehr als zehn Millionen Euro wird dort ein ähnlich großes Gebäude errichtet, das vielleicht ein Hotel wird, wahrscheinlicher aber ein Ärztehaus. Dieses soll schon 2028 fertiggestellt sein, kündigt Julia Leuker an.
92 Wohnungen für Gummersbach
Auf dem Gelände der ehemaligen Tapetenfabrik an der unteren Kaiserstraße sollen 92 Wohnungen entstehen. 31 Mietappartements (52 bis 100 Quadratmeter) im noch bestehenden Altbau werden einkommensschwachen Menschen mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung stehen. Die Kaltmiete beträgt je nach Einkommen der Mieter nur 6,65 Euro oder 7,70 Euro pro Quadratmeter. Der Bau dieser Wohnungen wird mit dem günstigen Kredit gefördert. Im Neubau, der daneben errichtet wird, kommen weitere 61 Eigentumswohnungen (35 bis 125 Quadratmeter) hinzu, die ausschließlich privat finanziert werden.
