Mit 29 Jahren trainiert Helen Alfes die Männer des TuS Immekeppel – und verfolgt auf der Trainerbank noch große Ziele.
Interview der WocheHelen Alfes geht als Trainerin in Immekeppel ihren eigenen Weg

Trainerin Helen Alfes hat gut lachen, sie ist mit dem TuS Immekeppel mit zwei Siegen in die neue Kreisliga A-Saison gestartet.
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Helen Alfes ist seit der Winterpause Trainerin der Fußballer des TuS Immekeppel in der Kreisliga A. Was als Übergangslösung gedacht war, wurde zur festen Einrichtung, auch weil sich die Fußballer für ihre Trainerin einsetzten. Fußball bestimmt das Leben der 29-Jährigen, die im Moment ihre Trainer-B-Lizenz ablegt. Sie ist Referentin für die Trainer-C-Lizenz im Fußballkreis Berg und spielt für die Frauen des TuS Immekeppel. Wie sie das alles unter einen Hut bekommt, darüber sprach Andrea Knitter mit ihr.
Es ist ungewöhnlich, dass eine Frau eine Männermannschaft trainiert. Ich weiß nicht, ob es das schon mal im Fußballkreis Berg gegeben hat. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe schon früh angefangen, Fußball zu spielen, doch dass ich Trainerin werden wollte, kam durch mein zweijähriges Stipendium als Spielerin beziehungsweise Torfrau in den USA.
Dabei sind die USA nicht gerade bekannt dafür, das Land des Fußballs zu sein.
Das stimmt, aber im Frauenfußball ist die Begeisterung größer als bei den Männern. Ich war an der University of Charleston in West Virginia und die Mannschaft gehörte bei den D2-Colleges zu den Top fünf der USA. Wir hatten einen englischen Trainer, der das so gut gemacht hat, dass ich unbedingt Trainerin werden wollte. Ich bin nach Hause gekommen und habe meine C-Lizenz gemacht.
Wie sind Sie dann Trainerin geworden?
Ich habe beim SSV Süng in der Landesliga als spielende Trainerin gestartet, zugleich wurde in Immekeppel ein Co-Trainer für die Herrenmannschaft gesucht. Ich war dann zwei, drei Wochen zur Probe da. Es hat einfach von Anfang an funktioniert. Ende Oktober vergangenen Jahres habe ich zunächst übergangsweise übernommen, die Mannschaft zum Klassenerhalt geführt und bin dann geblieben.
Wie waren oder sind die Reaktionen, wenn Sie als Trainerin am Rand stehen?
Im Verein war das von Anfang an kein Thema, ich bin gut aufgenommen worden. Und auch in der Liga sind die Reaktionen weitgehend positiv. Es gibt aber auch Negatives, was ich mir am Anfang zu Herzen genommen habe. Mittlerweile habe ich gelernt, es nicht aufzunehmen, es geht in ein Ohr rein und am anderen wieder raus. Zumal es meist dann ist, wenn der Gegner zurückliegt und nur von den Zuschauern kommt.
Was ist der Trainerin wichtig?
Ich möchte immer authentisch sein. Dabei bewerte ich die menschliche Ebene ein bisschen höher als die fachliche. Mit Teamdynamik kann man auch ohne Stars Spiele gewinnen. Ich stecke sehr viel Arbeit und Energie in die Vorbereitung und erwarte, dass das von der Mannschaft zurückkommt. Ich bin sehr ehrgeizig und habe den Anspruch an mich, Spielideen zu entwickeln, die jeden Spieler einbeziehen.
Es gibt nicht viele Frauen, die sich zur Trainerin ausbilden lassen.
Das ist leider im Bereich der Trainerinnen und der Schiedsrichterinnen so, dabei spielen viele Mädchen Fußball. In meinem Trainer-C-Lizenz-Lehrgang waren wir zwei Frauen unter 40 Männern, bei der B-Lizenz bin ich die einzige unter 20 Männern. Es ist schade, dass nicht mehr Frauen den Weg gehen. Es liegt vielleicht daran, dass die Frauen im männerdominierten Fußball oft klein gemacht werden.
Hat es geholfen, dass in der vergangenen Saison Marie-Louise Eta als erste Frau Trainerin in der Fußball-Bundesliga der Männer war? Sie trat bei Union Berlin die Nachfolge von Steffen Baumgart an und war als Interimstrainerin erfolgreich.
Das war Fluch und Segen zugleich. Da sie die allererste Frau als Cheftrainerin war, wurde es sehr hochgehangen. Ich hoffe einfach, dass so etwas einmal Normalität wird. Das Geschlecht hat ja nichts mit Kompetenz zu tun, weder auf der fachlichen noch auf der menschlichen Ebene.
Wie ist es in Ihrer Familie, welche Rolle spielt der Fußball?
Eine ganz große. Mit meiner Zwillingsschwester Claire spiele ich Fußball seit wir fünf Jahre alt sind. Wir sind fußballverrückt seitdem wir laufen können. Begonnen haben wir mit fünf Jahren beim SV Schlebusch und unser Vater war unser Trainer. Wir haben unzählige Stunden im heimischen Garten trainiert. Nur unsere Mutter und die ältere Schwester sind nicht so fußballverrückt. Claire und ich haben zusammen eine WG und unser Dauerthema ist der Fußball. Dabei hat sie ihren eigenen Weg eingeschlagen, sie spielt mit Viktoria Köln in der Mittelrheinliga und tritt in der Gehörlosen-Nationalmannschaft an.
Hat es Sie nicht gereizt, als Spielerin weiter erfolgreich zu sein?
Das Stipendium für die USA habe ich als Torfrau bekommen, als ich bei Bergfried Leverkusen in der Mittelrheinliga gespielt habe. Anschließend wollte ich aber auf dem Feld spielen, da hat es nur für die Landesliga gereicht. Außerdem musste ich nach meiner Rückkehr Arbeit und Trainerdasein unter einen Hut bekommen. Da passt es, dass ich mit Immekeppel in der Kreisliga A spiele.
Was ist Ihr Hauptberuf?
Ich bin Projektleiterin bei einer Firma und beschäftige mich da mit Nachhaltigkeit in den Fußball-Bundesligastadien. Also gibt es auch da wieder eine Verbindung zum Fußball.
Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?
Ich bin mittlerweile sehr ambitioniert und habe große Ziele. Mal sehen, wohin die Reise geht. Es ist einfach sehr schwer, die Trainer-A-Lizenz zu machen.
Haben Sie als Trainerin ein Vorbild?
Nein, auch wenn Bundestrainer Jürgen Klopp als Gesamtpaket dem am nächsten kommt.
