Fragen und Antworten zum Rentenpaket und zur Wiedereinführung der Wehrpflicht.
„Junge Gruppe“Oberbergs CDU-Politiker beantworten Fragen zum Rentenpaket

Der Deutsche Bundestag soll über das Rentenpaket der Großen Koalition entscheiden.
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Das Rentenpaket wird in der CDU kontrovers diskutiert. Die 18 Abgeordneten der jungen Gruppe, also die Junge Union, stellt sich gegen Bundeskanzler Friedrich Merz und dessen Pläne. Wir sprachen mit Oberbergs JU-Chef Tim Ochsenbrücher und dem oberbergischen CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Brodesser über die Rentenrebellion und das Thema Wiedereinführung der Wehrpflicht.
Wie muss man den Widerstand der Jungen Union einordnen?
Carsten Brodesser sagt, dass die Haltung der jungen Gruppe im Bundestag absolut legitim sei. Sie wolle wissen, wie es mit dem Rentenniveau, das bis zum Jahr 2031 auf 48 Prozent festgeschrieben werden soll, weitergeht. Ein Prozentpunkt mehr oder weniger würde für die Rentenkassen Milliardenbeträge bedeuten, die zu finanzieren seien. Die Absenkung des Rentenniveaus war zuletzt auch beim Arbeitgebertag von Merz gefordert worden. Eine weitere Belastung der Rentenkassen entstehe dadurch, dass die sogenannte Boomer-Generation in Rente gehe, gleichzeitig aber weniger junge Menschen in die Kassen einzahlten. Ochsenbrücher ist es derweil wichtig, deutlich zu machen, dass die junge Gruppe im Bundestag den Rentnern kein Geld wegnehmen wolle: „Das wird immer wieder so dargestellt und ist schlicht falsch.“
Worum geht es bei der Diskussion?
Der CDU-Rentenexperte Brodesser und Ochsenbrücher machen deutlich, dass es lediglich um den Anstieg der Renten ab dem Jahr 2031 geht. „Wenn die Löhne über die Jahre um 3,0 Prozent wachsen, sollen die Renten jährlich um 2,7 Prozent steigen“, erklärt Brodesser. Es gehe also darum, dass die Renten langsamer wachsen. Und: Niemandem solle von der Rente etwas weggenommen werden, wie beide sagen. Brodesser berichtet, dass der Koalitionsausschuss der Bundesregierung am Donnerstagabend noch einmal tage. Er hofft, dass alle Beteiligten zu einem Kompromiss kommen, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren. Das Ergebnis lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor.
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Und was heißt das fürs Portemonnaie?
Wenn die Rente nicht so stark steigt wie die Löhne, würden Männer mit durchschnittlich 1400 Euro Rente pro Monat 28 Euro weniger als bei gleichbleibendem Rentenniveau erhalten. Eine Kürzung der aktuellen Rente ist allerdings schon von Gesetzes wegen ausgeschlossen, wie Brodesser betont.
Wie sieht es mit der Rente in Zukunft aus?
Brodesser fordert schon seit Jahren neben der gesetzlichen Rente eine Frühstarterrente, die bereits Jugendliche abschließen sollen. Beide CDU-Politiker sehen aber das Problem, dass die Sozialversicherungspflichtigen durchschnittlich nur noch weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten. „Mit Teilzeit kommen wir bei der Rente nicht um die Ecke“, sagt Brodesser. Das, was es zu verteilen gilt, müsse erst einmal verdient werden.
Was sagen die beiden zur Wehrpflicht?
„Was spricht gegen eine Wiedereinführung?“, fragen beide, betonen aber, dass Deutschland vor dem Problem der fehlenden Struktur stehe – also Kasernen oder Kreiswehrersatzämtern. JU-Vorsitzender Tim Ochsenbrücher betont, dass man Wege finden müsse, diese Struktur wieder aufzubauen. Den Bedarf an Soldaten auf freiwilliger Basis zu decken, davon hält der JU-Mann nichts, weil zu wenig bereit wären. Genau wie Brodesser. Und beide finden, dass eine Lösung nur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe akzeptiert und angegangen werden könne. Denn Deutschland sei nicht einer abstrakten Bedrohungslage ausgesetzt, sondern werde schon jetzt jeden Tag hybrid attackiert.

