Der Projektierer Abo Energy rechnet mit 170 Millionen Euro Verlust, will aber die Vorhaben in Lindlar, Engelskirchen und Reichshof umsetzen.
SanierungskursDem Entwickler oberbergischer Windparks droht ein Millionen-Verlust

Dunkle Wolken hängen aktuell über der deutschen Windkraftindustrie.
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Der Windparkentwickler Abo Energy steckt in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Wie das Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden auf seiner Internetseite selbst berichtet, gab es vor einigen Tagen eine Gläubigerversammlung, bei der die Geldgeber einem Sanierungskurs zustimmten.
Projekte in vier oberbergischen Kommunen
Für Oberberg sind die Vorgänge in Wiesbaden deshalb interessant, weil Abo Energy hinter den geplanten Windparks auf dem Lindlarer Vogelberg, dem Engelskirchener Heckberg und in der Nähe des Biebersteiner Stausees in Reichshof steckt. Auch für den Bau von Windrädern zwischen Lützinghausen und Strombach ist Abo Energy im Gespräch.
Dass sich Abo Energy in schwerem Fahrwasser bewegt, hatte sich schon länger angedeutet. Im November hatte die Geschäftsführung der Kommanditgesellschaft auf Aktien eine erste Gewinnwarnung für 2025 veröffentlicht und die Jahresprognose von gut 30 Millionen Euro Überschuss in einen Verlust von rund 95 Millionen geändert. Im Januar folgte dann Gewinnwarnung Nummer zwei, nun ging die Chefetage für das Geschäftsjahr gar von einem Fehlbetrag von 170 Millionen aus, dem mit Abstand größten Verlust der Firmengeschichte.
Wir arbeiten mit unvermindertem Elan und Engagement an dem Projekt Windpark Lindlar.
Als Hauptgrund für den Einbruch hatte die Geschäftsleitung „sich weiter verschlechternde Marktbedingungen sowohl in Deutschland als auch international“ benannt. Laut einer Analyse für die Münchener Börse trifft Abo Energy zum Beispiel die Hängepartie bei der Herstellung von grünem Wasserstoff besonders hart. Dieser brauche grünen Strom, doch durch Verzögerungen und das gegenüber der Planung viel geringe Wachstum beim Wasserstoff gebe es auch eine deutlich geringere Nachfrage nach grünem Strom.
Lindlarer Windpark ist am weitesten fortgeschritten
In der Folge der beiden Gewinnwarnungen war der Kurs der Abo Energy-Aktie von gut 46 Euro im vergangenen Juli auf etwas über vier Euro eingebrochen. In dieser Woche ist das Papier rund sechs Euro wert. Mehrere Wirtschaftsmagazine werten die Einigung der Gläubiger als Werkzeug, eine Insolvenz von Abo Energy abzuwenden. Zugleich bezeichnen es Analysten als beunruhigende Nachricht, dass der langjährige Finanzgeschäftsführer das Unternehmen vor einigen Tagen verlassen hat.
Auswirkungen auf die Pläne im Oberbergischen habe die wirtschaftliche Lage indes nicht, heißt es von Abo Energy. Von den drei Projekten in der Region ist das in Lindlar, oberhalb von Brochhagen, am meisten fortgeschritten. Auf Nachfrage teilt eine Unternehmenssprecherin mit: „Wir arbeiten mit unvermindertem Elan und Engagement an dem Projekt Windpark Lindlar.“
Die Rodungsarbeiten auf dem Vogelberg, wo drei Windräder von jeweils knapp 250 Metern Höhe aufgestellt werden sollen, seien abgeschlossen. Allerdings räumt die Sprecherin ein, dass man den Zeitplan für Lindlar nach hinten verschoben habe. Bislang war der Start der Tiefbauarbeiten (einerseits die Verbreiterung des Weges von Oberhabbach hinauf auf den Vogelberg und das Herrichten der Windrad-Fundamente, andererseits das Planieren einer Wiese in Nochen für ein Zwischenlager der Windrad-Komponenten) für Anfang März vorgesehen.
Nun rücken die Tiefbauer erst im Laufe des zweiten Quartal dieses Jahres an, berichtet Abo Energy. Gleichwohl lägen die Arbeiten noch im Gesamtzeitplan und an der geplanten Inbetriebnahme der Windräder im vierten Quartal 2027 ändere sich nichts.
Reaktionen aus Oberberg:
Engelskirchens Bürgermeister Lukas Miebach sagt, dass man in stetigem Kontakt mit dem Unternehmen sei und das Projekt in Engelskirchen nicht in Frage gestellt sein. Wir gehen davon aus, dass Abo-Energy die Windräder baut.
In Reichshof bestätigt Sarah Schmidt, Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters, dass man die Entwicklung bei Abo Energy im Blick halte – sie betont allerdings auch, dass die Gemeinde beim kompletten Thema Windkraft nur in der Zuschauerrolle sei.
Sven Engelmann, Bürgermeister in Lindlar, betonte, dass man die Entwicklung intensiv verfolge. Es gebe bislang keine Hinweise, dass Abo Energy das Projekt nicht wie geplant weiterführen werde.

