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„Nachschlag“Ex-Schulleiter aus Lindlar hat ein neues Buch geschrieben

3 min
Werner Kronenberg hält sein neues Buch in den Händen.

Werner Kronenberg hält sein neues Buch in den Händen. 

Werner Kronenberg war bis 2018 Leiter des Wipperfürther EvB-Gymnasiums. Er hat vieles erlebt und noch mehr zu erzählen.

„Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.“ Diesen Satz der Poetry- Slammerin Julia Engelmann hat Werner Kronenberg seinem neuen Buch „Nachschlag“ vorangestellt. Ein Credo in doppelter Hinsicht: Kronenberg, Jahrgang 1953 und bis 2018 Leiter des Wipperfürther EvB-Gymnasiums, ist alt geworden. Er hat vieles erlebt und noch mehr zu erzählen. Unverblümt, witzig, süffig im Tonfall, mitunter ein wenig selbstverliebt – doch nie langweilig.

In 30 Episoden entfaltet der Buchautor, gleich einer Wundertüte, ein buntes Panoptikum seines Lebens. Kronenberg blickt zurück auf seine Kindheit in Lindlar-Scheel, als man im Kaufladen um die Ecke noch anschreiben lassen konnte, als die Kneipe den Mittelpunkt im Dorfkosmos bildete und die heilige Dreifaltigkeit aus katholischer Landjugend (KaJuja), der Freiwilligen Feuerwehr und dem Sportverein bestand.

Erinnerung an echte Scheeler Originale

Ausgestattet mit einer wunderbaren Gabe zur Beobachtung, erinnert Werner Kronenberg an echte Scheeler Originale: den Ruusch Hubbät, das Kappes Lisbeth und Kuchems Hans – ein Immi, der nur Hochdeutsch sprach und der als Fußballschiedsrichter gerne die halbe Mannschaft vom Platz stellte.

Wer selbst in den 1950er oder 60er Jahren geboren wurde, dem wird vieles, was Kronenberg schreibt, vertraut vorkommen. Etwa der Brauch junger Männer, in gemeinsamer Runde aus dem Glasstiefel zu saufen, der immerhin fünf Liter Bier fasst. Wer nicht aufpasste, musste den nächsten Stiefel blechen. Für Kronenberg sind das „Mosaiksteine der guten alten Zeit, auch wenn man sie Kindern und Enkeln nicht zur Nachahmung empfehlen möchte“.

Mit nostalgischem Augenzwinkern erinnert sich der Autor an seine Studentenzeit und die erste Wohnungseinrichtung aus ausgedienten Apfelsinenkisten, mangels Geld für „richtige“ Möbel.

Nicht alles war damals lustig

Doch nicht alles war damals lustig. Als Austauschstudent in Frankreich wird der junge Deutsche 1973 mit dem für ihn bis dahin völlig unbekannten Namen „Oradour“ konfrontiert. Ein französisches Dorf, in dem die Waffen-SS die gesamte BeBevölkerung, über 600 Männer, Frauen und Kinder, hingemetzelt hatte .

Kronenberg ist bis heute ein passionierter Leser und Buchliebhaber. Fast zärtlich schwärmt er von seinen „10.000 stummen Freunden“, die sich im Lauf der Jahrzehnte in seinem Haus breit gemacht haben.

Er nimmt die Leser mit zu einem Konzertbesuch im großen Saal des Wiener Musikvereins, wo er und seine Frau ganz hinten einen Stehplatz ergattert hatten und plötzlich, zu ihrer eigenen Verblüffung, in den Saal hineingebeten wurden, auf einen fürstlichen Sitzplatz zehnte Reihe Mitte. Am Abend bringen die ORF-Nachrichten dies Rätsels Lösung. Die beiden Plätze hatten einem wenigen Stunden zuvor verstorbenen Promi gehört und sollten nicht frei bleiben. Werner Kronenberg kann, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt – etwa bei einer angekündigten massiven Grundsteuererhöhung in Lindlar – zum wortgewaltigen, wütenden Kampfschwein werden. Einige Briefe, die der Autor seinem Buch beigefügt hat, zeugen von diesem „furor teutonicus“. Auch das ist eine Gabe, die wohl – leider – vom Aussterben bedroht ist.

„Alles, was ich erzähle, ist erfunden. Einiges davon habe ich erlebt. Manches von dem, was ich erlebt habe, hat stattgefunden.“ Auch diese Sätze von Matthias Brand hat Kronenberg seinem mittlerweile siebten Buch beigefügt. Ein herrliches Paradoxon, das zum Schmunzeln verführt und zum Nachdenken anregt – so wie das ganze, wunderbare Buch von Werner Kronenberg.


Termine

Werner Kronenberg liest aus seinem neuen Buch „Nachschlag“. Die Termine: Mittwoch, 9. September, 18.30 Uhr, DER Reiseagentur Lindlar, Kamper Straße 1 (Premiere); Freitag, 9. Oktober, 18 Uhr, Bücherwurm Frielingsdorf, Jan-Wellem-Straße (in der Grundschule) Freitag, 16. Oktober, 19 Uhr, Bürgerhaus Scheel (im Rahmen des Mundart-Abends des Bürgervereins Scheel); Donnerstag, 5. November, 18.30 Uhr, EvB-Gymnasium Wipperfürth, Lüdenscheider Straße (Bibliothek); Montag. 9. November, 18.30 Uhr, Albertus-Magnus-Gymnasium Bensberg, Kaule 3-15 (Aula-Bühne)