Hektoliter Wasser aus der Leitung können nicht die Lösung sein. Mancherorts ist solch eine Bewässerung schon verboten. Wie kann man seinen Garten hitzebeständig machen?
FreilichtmuseumExperten gaben in Lindlar Tipps für den hitzebeständigen Garten

Der Rainfarn, den Katja Wopfner präsentiert, bringt derzeit Farbe in den Naturgarten.
Copyright: Dennis Börsch
Auf den ersten Blick sieht man einen „Knuspergarten“, wie Katja Wopfner es nennt. Die andauernde Hitze hat viele Stauden ausgetrocknet. Der Salbei ist vorzeitig zur Notreife übergegangen. Wenn die Besucher des „Bergischen Naturgartens“ im Lindlarer Freilichtmuseum sich aber von den ehrenamtlichen Experten die Augen öffnen lassen, entdecken sie viel Grün. Skabiose, Wegwarte und Wolfsmilch erfreuen mit bunten Blüten. Schmetterlinge flattern von einer zur nächsten.
Wopfner gießt noch eine Kanne Wasser unter einen neu gepflanzten Baum. Ganz ohne Pflege funktioniert auch ein Naturgarten nicht. „Wenn man gar nichts machen würde, steht hier in zehn Jahren ein Wald.“ Die Lindlarer Aktivistin von „Naturgarten e.v.“ will etwas anderes, nämlich Artenvielfalt. Und dazu kann jeder Privatgarten einen Beitrag leisten.

Ein Distelfalter hat sich auf der Blüte des Wasserdosts niedergelassen
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Beim „Gartentag“ des Museums nutzten an diesem Sonntag die Besucher die Gelegenheit, sich bei Wopfner und ihren Mitstreitern Tipps zu holen. Am Gartengelände neben dem „Hof zum Eigen“ hatten sie dafür einen Infostand aufgebaut.
Die andauernde Hitzewelle macht derzeit allen Gartenfreunden zu schaffen. Und angesichts des Klimawandels werden sie sich darauf einstellen müssen, dass solche Trockenphasen häufiger auftreten. Wie kann man den eigenen Garten dagegen wappnen?
Bergische Arten halten länger durch
Zum einen durch die Anpflanzung der richtigen Arten. Also Stauden, die tief wurzeln und im Boden sich so einnisten, dass sie auch nach einem trockenen Sommer im kommenden Jahr wieder austreiben. Diese Arten siedeln sich oft ganz von selbst an. Die genetische Vielfalt der natürlichen Aussaat gewährleistet maximale Widerstandsfähigkeit. „Naturgarten“-Mitglied Helga Nemetz berichtet: „Ich war ganz erstaunt, was alles an den Stellen wuchs, an denen ich den Kirschlorbeer abgesägt habe.“

Das Team des Naturgarten e.V. warb am Sonntag beim Gartentag im Freilichtmuseum dafür, im eigenen Beet die Artenvielfalt zu fördern.
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Man kann sich heimische Wildpflanzen bei den einschlägigen Tauschbörsen besorgen oder auch bei Fachbetrieben kaufen. Auf der Naturgarten-Homepage findet sich eine Liste. Katja Wopfner empfiehlt die Alexiander Klostergärtnerei in Köln. „In den örtlichen Baumärkten findet man leider oft keine qualifizierten Ansprechpartner. Und im Angebot sind hochgezüchtete Arten, die eingeflogen werden und mit denen die heimischen Insekten nichts anfangen können.“
Durch die Trockenzeit hilft zum anderen ein intelligentes Wassermanagement, das ohne teures Leitungswasser auskommt. Manche Kommunen in Deutschland haben die Gartenbewässerung schon verboten. Wer keine Zisterne hat, kann zumindest Regentonnen aufstellen. „Die Gießkanne ist mein Fitnessgerät“, sagt Katja Wopfner.
Lösung aus Spanien
Zudem kann man das Wasser aus dem Regenfallrohr auch direkt vom Haus weg und ins Beet leiten und das Wasser langsam in den Boden sickern lassen. Wie das geht, demonstrieren die Naturgärtner am Strohballenhaus neben der Anlage. Helga Nemetz schwört auf spanische „Ollas“, also Tonkrüge, die im Boden vergraben werden.
Ein Haufen Totholz ist nicht nur ein Refugium für alle Arten von Kleingetier, sondern auch ein Feuchtigkeitsspeicher. Auch hier gilt, dass man mit der Naturgärtnerei nicht alle Gestaltungsfreude aufgeben muss, im Gegenteil, betonten die Vereinsexperten. Und wer nicht gleich den ganzen Rasen opfern möchte, kann mit kleinen Blühinseln anfangen. Die Bergische Agentur für Kulturlandschaft mit Sitz in Rösrath verschickt auf Anfrage kostenlose Saatguttütchen.
Die Naturgärtner werben vor allem dafür, dass man den eigenen Garten als Lebensraum wahrnimmt. „Wir heben nicht den Zeigefinger, sondern wollen die Leute begeistern“, versichert Katja Wopfner. „Der Garten kann ein Erlebnis sein. Er sieht dann in jedem Jahr ein bisschen anders aus, und nicht alle Pflanzen bleiben, wo sie waren.“ Jede neue heimische Art locke neue Insekten, so der Natternkopf eine auf ihn spezialisierte Mauerbiene.
Im Grunde ist alles eine Frage der Haltung, glaubt die Naturgärtnerin. „Ich sage den Leuten immer: Wenn Ihr Schmetterlinge sehen wollte, müsst Ihr die Raupen ertragen.“
Trockenobst und -gemüse
Weitaus schwieriger ist es, einen Gemüsegarten durch die Hitzewelle zu bekommen. Marianne Frielingsdorf kümmert sich seit 25 Jahren mit dem Arbeitskreis „Bergische Gartenarche“ um den Erhalt alter Obst- und Gemüsesorten. „Mit Trinkwasser zu gießen, geht mir gegen den Strich“, sagt Frielingsdorf. „Aber früher hat es so lange Trockenperioden nicht gegeben, und jede Zisterne ist irgendwann leer.“ Sie behilft sich mit Mulchen und der Aussaat von bodendeckendem Gründünger. „Aber Im Grunde bin ich noch auf der Suche nach einer Lösung.“
