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Neu im AmtLindlars Bürgermeister Sven Engelmann berichtet über seine ersten Monate im Amt

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Der zweite Weg morgens führt Sven Engelmann zum Posteingang, der erste zur Kaffeemaschine.

Der zweite Weg morgens führt Sven Engelmann zum Posteingang, der erste zur Kaffeemaschine.

Im Interview hat Sven Engelmann auch verraten, welche Ziele er sich als Bürgermeister in Lindlar gesetzt hat.

Sven Engelmann ist der neue Bürgermeister in Lindlar. Nach Jahren als Ratsherr, CDU-Parteichef und Mitglied in vielen Vereinen sitzt er nun auf dem Rathaus-Chefsessel.

Herr Engelmann, Sie waren nur wenige Tage im Amt, als die Kämmerin eine Haushaltssperre verhängt hat. Wie belastend ist diese zusätzliche Bürde zu Beginn?

Natürlich wünscht man sich zu seinem Einstieg keine Haushaltssperre, aber es ist ein notwendiger und richtiger Schritt. Ich halte das auch nicht für so schlimm. Es hat eine Signalwirkung nach innen und nach außen, mit den Finanzen sparsam und sehr bewusst umzugehen. Wobei auch klar ist, dass die finanzielle Ausstattung der Kommunen durch Land und Bund bei weitem nicht ausreichend ist und hier dringend Nachbesserungen erforderlich sind.

Personell ist die Gemeindeverwaltung aktuell nicht besonders gut aufgestellt.

Die Ausschreibung für einen Beigeordneten beziehungsweise Allgemeinen Vertreter ist schon länger raus und ich bin zuversichtlich, dass hier in Kürze eine Entscheidung getroffen werden kann. Die Personalknappheit betrifft fast alle kommunalen Verwaltungen. Es muss unser Ziel sein, das Lindlarer Rathaus zu einem attraktiven Arbeitsplatz und die Verwaltung zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind ja schon länger möglich, wir müssen zu sehen, dass wir flexible, familienfreundliche und attraktive Angebote schaffen können.

Zur Kritik an der mangelnden Finanzausstattung kommt oft auch die Kritik an der Kreisumlage, die den größten Ausgabeposten im Haushalt darstellt.

Man kann alles kritisieren, und natürlich muss auch der Kreis entsprechend sparsam wirtschaften, aber ich bin davon überzeugt, dass wir in einem Miteinander von Kommunen und Kreis die   zahlreichen Herausforderungen anpacken müssen, nicht in einem Gegeneinander. Ich werde in Gesprächen mit den Nachbarkommunen schauen, wo und wie wir möglicherweise zusammenarbeiten oder Synergien erzielen können. Die interkommunale Zusammenarbeit an gemeinsamen Inhalten und Projekten ist mir sehr wichtig. Ich sehe hier zahlreiche Chancen. Nicht jede Kommune muss alles selber machen.

Wie bewerten Sie denn die Chancen von Lindlar, wo liegt das Potenzial der Gemeinde?

In meinen Augen hat die Gemeinde sehr großes Potenzial, und das auf verschiedenen Ebenen ...

Welche sind das konkret?

Da ist das große ehrenamtliche Engagement von zahlreichen Menschen, in Vereinen, Institutionen und Einrichtungen. Diese Menschen leisten einen großen Beitrag, ohne den unser Gemeinwesen nicht funktionieren würde. Das kann man gar nicht oft genug loben, aber man muss auch etwas dafür tun. Ich will das Ehrenamt weiter stärken und das Ehrenamt mit an den Tisch holen. Im Rathaus soll dazu ein permanenter Ansprechpartner für die Vereine geschaffen werden. Insgesamt ist mir wichtig, dass wir es schaffen, in Lindlar ein „Wir-Gefühl“ zu erzeugen. Nur gemeinsam lassen sich die Herausforderungen stemmen, das können weder Politik noch Verwaltung alleine schaffen. Ich möchte hier Impulse setzen.

Wo sehen Sie die weiteren Potenziale?

Der Tourismus hat in meinen Augen große Entwicklungsmöglichkeiten. Mit dem ältesten Wald der Welt haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, das wir noch viel besser vermarkten müssen. Die Weichen dafür werden ja gerade gestellt. Die Wander- und Radwege durch unsere schöne Landschaft sind ebenfalls ein Potenzial, das noch besser genutzt werden könnte. Wir haben hier insgesamt viele Naherholungsmöglichkeiten, damit können wir sicher noch deutlich mehr Besucher begeistern. Weitere große Potenziale haben wir bei unseren Flächen für Wohnen und Industrie. Die Planungen sind weit vorangeschritten, jetzt müssen wir aber in die Umsetzung kommen. Es fehlt vor allem an bezahlbarem Wohnraum.

Die Haushaltssperre wurde verhängt, weil insbesondere aus der Gewerbesteuer Millionen fehlen.

Ja, die Gewerbesteuer hat sich leider nicht so entwickelt, wie die Kämmerin das hat prognostizieren können. Wir haben in Lindlar sehr viele Arbeitgeber und einen breiten Branchenmix und sind nicht von einem Industriezweig abhängig. Aber ganz klar ist die Wirtschaftsförderung eine wichtige und zentrale Aufgabe für die Verwaltung. Wir müssen hier ein kompetenter und zuverlässiger Ansprechpartner sein und Entwicklung ermöglichen.