Die alte Kegelbahn aus Marienheide-Niederwette wurden Freilichtmuseum Lindlar neu aufgebaut. Besucher können dort künftig spielen
Neue AttraktionIm Freilichtmuseum Lindlar wird jetzt gekegelt

Hans-Joachim Linden, dessen Vorfahren die Kegelbahn errichten ließen, Werner Hütt und Museumsleiterin Sandra Badelt (l., v.l.).
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Gleich hinter dem Biergarten des Freilichtmuseums werden Besucher künftig regelmäßig auf Pudel stoßen. Aber nicht die Hunderasse. Ein „Pudel“ ist ein Fehlwurf beim Kegeln. Wer keinen einzigen Pinn trifft, oder wer die Kugel in der Gosse – die Rinne neben der Bahn – versenkt – der hat einen „Pudel“ geworfen.
Das Lindlarer Museum hat eine neue Attraktion, eine Kegelbahn, die am Freitag, 21. August, beim Sommerfest des Fördervereins, offiziell eingeweiht wird und danach allen Besuchern offen steht. Für Kinder gibt es kleinere Pinne und leichtere Kugeln vor Ort, Erwachsene können sich größere und schwerere Exemplare an der Getränkeausgabe des Biergartens ausleihen.

Aus der Bauakte für die Errichtung der Kegelbahn.
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1886 ließ Peter Linden, Eigentümer der Gaststätte Lindenhof in Marienheide-Niederwette, eine Sommerkegelbahn errichten. Einen einfachen, langgestreckten Fachwerkbau, der zur einen Seite offen war. Die eigentliche Bahn lieferte die Firma Hans Nörling aus Köln, wie ein Schild verrät. Das Unternehmen besteht bis heute.
Kegeln war damals ein beliebtes Freizeitvergnügen, sowohl bei Einheimischen als auch bei Ausflüglern. Niederwette war über die Kleinbahn zwischen Engelskirchen und Marienheide ans Bahnnetz angeschlossen – bis die Bimmelbahn durchs Leppetal 1950 stillgelegt wurde. Kegeln blieb auch nach 1945 sehr populär, zeitweise nutzen vier Kegelclubs die Bahn in Niederwette. Anfang der 1950er Jahre ließ der Besitzer die Kegelbahn modernisieren. Das Gebäude erhielt rundherum Wände und war damit auch im Winter benutzbar.

Die Kegelbahn in den 1950er Jahren
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Hans-Joachim Linden, Nachfahre des Gaststättenbesitzers, kann sich noch gut an diese Zeit erinnern. Die Kegel mussten nach jedem Wurf von Hand aufgestellt werden. Das war der Job der „Kegeljungs“, die dafür mit zwei Mark die Stunde und einer „Zitsch-Limonade“ entlohnt wurden. Später wurde die Bahn in Niederwette mit einem elektrischen Stellautomaten ausgerüstet. Doch der ging in den 1990er Jahren kaputt, ans Kegeln war fortan nicht mehr zu denken. Die Gastwirtschaft hatte die Familie Linden bereits in den 1970er Jahren aufgegeben.
Schon Hans Haas, der erste Leiter des Freilichtmuseums, hatte ein Auge auf die alte Bahn in Niederwette geworfen und wollte sie nach Lindlar translozieren lassen. Doch die Denkmalschutzbehörde hatte zunächst Einwände. Hass’ Nachfolger Michael Kamp aber ließ nicht locker. Im Jahr 2018 konnte die Bahn schließlich nach Lindlar umziehen und wurde zunächst eingelagert, weil Geld für den Wiederaufbau fehlte. Schließlich sprangen das Land NRW und der Verein der Freunde und Förderer des Museums ein.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf 143.600 Euro, davon übernimmt das Land NRW 92.600 Euro, das entspricht einem Anteil von 65 Prozent. Den Wiederaufbau der Kegelbahn haben eine Zimmerei, der Bauhof des Museums und Freiwillige des Fördervereins gemeinsam gestemmt. Der Standort der Bahn unterhalb des Biergartens wurde ganz bewusst gewählt. Während sich Kinder beim Kegeln vergnügen, können die Eltern eine kleine Auszeit einlegen.
In der wieder aufgebauten Kegelbahn dürfen Besucherinnen und Besucher künftig aber nicht nur selbst eine „Kugel schieben“, sondern sich in einer kleinen Ausstellung über das Kegeln als Freizeitvergnügen und die Geschichte der Bahn in Niederwette informieren. Sandra Badelt ist seit kurzem neue Direktorin des Lindlarer Freilichtmuseum und freut sich sehr über die zusätzliche Attraktion des Museums. „Hier wird ein Stück Alltagskultur wieder lebendig, an der alle teilhaben können.“
