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Ultraschall statt HörsaalSo wirbt Oberberg um künftige Hausärzte

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Christian Franchy zeigt den jungen Studierenden das Ultraschallgerät.

Hausarzt Christan Franchy (M.) erkärt (v.l.) Marian Asselbach, Isabelle Brossmann und Avrora Kleymenov den Umgang mit dem Ultraschallgerät.

Neun Medizinstudierende übten in Lindlar den Umgang mit Ultraschall und lernten den Alltag einer Hausarztpraxis kennen.

Wie untersucht man die Halsschlagader? Wie erkennt man Veränderungen an der Schilddrüse? Und worauf kommt es beim Ultraschall des Bauchraums an? Mit diesen Fragen beschäftigten sich neun Medizinstudentinnen und -studenten der Universität zu Köln in der Hausarztpraxis von Christian Franchy in Lindlar. Vier Stunden übten sie an den Ultraschallgeräten.

Bereits zum dritten Mal fand der Sono-Kurs in der Lindlarer Praxis statt. Ziel ist es, theoretisches Wissen mit dem Alltag einer Hausarztpraxis zu verbinden. „Ultraschall lernt man im Studium nur in begrenztem Umfang“, sagt Professorin Beate Müller, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der Uniklinik Köln.

Das ist hier ein super intensives Training. So etwas bekommt man normalerweise nicht
Christian Franchy über den Sono-Kurs

Praxisinhaber Franchy, der neben seiner Praxis in Lindlar auch einen Standort in Drabenderhöhe betreibt, beschäftigt insgesamt vier Fachärzte sowie drei Weiterbildungsassistenten. Nachwuchssorgen kennt er nach eigenen Angaben derzeit nicht. Das führt er auch auf sein eigenes Engagement zurück. Franchy unterrichtet in Köln unter anderem zu Durchblutungsstörungen und wirbt dort regelmäßig für die Arbeit als Hausarzt im ländlichen Raum.

„Das ist hier ein super intensives Training. So etwas bekommt man normalerweise nicht“, sagt Franchy. Ärztinnen und Ärzte müssten für vergleichbare Ultraschall-Weiterbildungen später häufig selbst viel Geld bezahlen. Der erhebliche organisatorische Aufwand lohne sich dennoch: „Wir haben inzwischen bestimmt fünf oder sechs Leute, die nach dem Kurs eine Famulatur gemacht haben oder später noch einmal für ein Praktikum zurückgekommen sind.“ Die Famulatur ist das viermonatige Pflichtpraktikum.

Engagement für den Nachwuchs

Franchy sieht die persönliche Betreuung als entscheidenden Vorteil. Neben der Patientenversorgung engagiere sich seine Praxis in der Weiterbildung, beteilige sich an Studien und investiere bewusst zusätzliche Zeit in den medizinischen Nachwuchs. „Durch das Engagement und die zusätzliche Zeit bekommt man die Leute einfach hierhin.“

Unter den Teilnehmenden war auch Marian Asselbach (21), der im sechsten Semester Humanmedizin studiert. Wohin ihn sein Berufsweg später führen wird, weiß er noch nicht. Da er aus Bergisch Gladbach kommt, könne er sich aber grundsätzlich vorstellen, später auch im Oberbergischen zu arbeiten.

Auch Isabelle Brossmann (28), die im neunten Semester studiert, hält die Arbeit als Landärztin grundsätzlich für denkbar. Allerdings sei das Studium noch lang und langfristig ziehe es sie eher zurück in ihre Heimat rund um Frankfurt.

Müller sieht in Angeboten wie dem Sono-Kurs eine Chance, früh das Interesse an der hausärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum zu wecken. Nach ihrer Erfahrung kehrten viele Studierende mit ländlichem Hintergrund später in ihre Heimatregion zurück. Einen vergleichbaren Ultraschallkurs für Medizinstudierende kenne sie aus keinem anderen Landkreis.


Förderungen des Kreises

Mit verschiedenen Förderprogrammen möchte der Oberbergische Kreis dem Haus- und Kinderärztemangel entgegenwirken. Studienbeihilfe: Medizinstudierende können nach dem Physikum monatlich 600 Euro bis zum Ende der Regelstudienzeit erhalten. Voraussetzung ist u.a. eine Famulatur (Pflichtpraktikum) und später eine Tätigkeit im Oberbergischen Kreis. Famulatur: Für eine allgemeinmedizinische oder kinderärztliche Famulatur in einer Oberbergischen Praxis gibt es einmalig 600 Euro.Facharztweiterbildung: Ärztinnen und Ärzte erhalten während der Weiterbildung in Allgemeinmedizin oder Pädiatrie 600 Euro pro Monat – maximal sechs Jahre lang. Im Gegenzug verpflichten sie sich, anschließend für einen entsprechenden Zeitraum im Kreis tätig zu sein.

Zusätzlich organisiert der Kreis zweimal jährlich Netzwerktreffen für Geförderte. Derzeit sind 34 Hausarztsitze und fünf Facharztsitze in Oberberg unbesetzt. Die Fördermittel für Studienbeihilfen und Facharztweiterbildungen sind aktuell ausgeschöpft, Bewerbungen für Famulaturen sind weiter möglich.