Abo

BroschüreWarum im Krieg eine Klinik nach Marienheide kam

2 min
Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt die Klinik in Marienheide um das Jahr 1950.

Die Klinik Marienheide um 1950. Die Barecken wurde mittlerweile fast alle abgerissen.

Manfrd Huppertz hat jahrelang zur Entstehung der Klinik in Marienheide in der NS-Zeit geforscht. Die Gemeinde Marienheide hat jetzt dazu eine Gratis-Broschüre veröffentlicht.

Warum wurde in Marienheide mitten im Zweiten Weltkrieg ein Krankenhaus gebaut? Und welche Rolle spielte dabei Karl Brandt, einer der ranghöchsten Mediziner des NS-Regimes, der an furchtbaren Verbrechen maßgeblich beteiligt war, nach Kriegsende Gericht gestellt und 1948 hingerichtet wurde?

Manfred Huppertz aus Marienheide – er arbeitet als Archivar im Kreisarchiv und im Stadtarchiv Gummersbach – ist diesen Frage in jahrelanger privater Forschungsarbeit nachgegangen. Ende 2024 und Anfang 2025 präsentierte er deren Ergebnisse bei Vorträgen in Lindlar und Marienheide. Das Interesse war so groß, dass beide Vorträge wiederholt werden mussten.

Die Gratis-Broschüre liegt im Rathaus aus

Die Gemeinde Marienheide hat jetzt eine von Huppertz verfasste, 37-seitige Broschüre zu dem Thema herausgegeben, die mit vielen Fotos illustriert ist. Der Autor erläutert zunächst, in welchem Umfeld die Eugenik und „Rassenhygiene“ entstanden und wie damals in Wissenschaft und Politik über „lebensunwertes Leben“ diskutiert wurde – Gedanken, die die NS-Ideologie übernahm.

Huppertz beleuchtet, wie Brandt ins Zentrum der Macht aufrückte, und seine Beziehungen zur Familie Rüggeberg in Marienheide. Auch über die 2023 aufgelöste Brandt-Grabstätte in Müllenbach berichtet die Broschüre.

Das Foto zeigt den Arzt und SS-Offizier Karl Brandt.

Professor Karl Brandt wurde als Hauptangeklagter des Nürnberger Ärzteprozesses zum Tode verurteit und 1948 gehenkt. Seine Überreste wurden später in Marienheide-Müllenbach beigesetzt.

Gemeinsam mit seinem Freund, Rüstungsminister Albert Speer, entschied Brandt über die Standorte von Ausweichkrankenhäusern, dazu zählte auch Marienheide. Beim Bau der Klinik wurden Zwangsarbeiter eingesetzt.

Nach Kriegsende diente Marienheide zunächst als Lungenklinik, bevor das Haus in eine psychiatrische Heilanstalt umgebaut wurde – das heutige Zentrum für Seelische Gesundheit. Die Broschüre liegt im Rathaus der Gemeinde Marienheide, Hauptstraße 20, zur kostenlosen Mitnahme aus. Bedauerlich ist nur, dass der Name „Karl Brandt“ auf dem Cover falsch geschrieben wurde.