31 Wagen und 55 Fußgruppen zogen an Dominik Mauelshagen, Präsident der Karnevalsgesellschaft Morsbach, vorbei, der den Zug launig kommentierte.
Inklusion und GlasfaserausbauLokale Themen sind Trumpf in Morsbachs Rosenmontagszug

Morsbachs Prinzessin Liya schwebte unter einem Schirm durch die Menge.
Copyright: Michael Kupper
In der Republik erleben tausende Jecken am Rosenmontag einen grandiosen Karnevalszug – und auch wettermäßig ist einfach alles dabei. Nach heftigen Schneefällen in der vergangenen Nacht, in der mehr als zehn Zentimeter der weißen Pracht gefallen sind, hat am frühen Morgen Tauwetter eingesetzt. Und während sich der Zug aufstellt, lacht die Sonne vom blauen Himmel, der sich alsbald jedoch zuzieht. Etwa zur Mitte des Zuges setzt Regen ein, zu dem sich später auch wieder der Schnee gesellt. Der guten Laune tut das jedoch keinen Abbruch: Die gut 1300 Teilnehmenden feiern einfach weiter – und das närrische Volk am Straßenrand ebenso.
Traditionell am Kreisel vor dem Rathaus kommentieren Dominik Mauelshagen, Präsident der Karnevalsgesellschaft Morsbach, und Stefan Hähner, ehemaliger Prinz, launig die 31 Wagen und 55 Fußgruppen, die an ihnen vorbeiziehen. Musikalisch läuft dem Zug der Musikkreis aus Holpe voraus, mittendrin spielt das Klangwerk Morsbach und der Musikverein Lichtenberg kündigt Prinzessin Liya I. an.
Die Wagenbauer haben sich diesmal besonders viel Mühe gegeben. Gleich zu Beginn startet das Raumschiff „Inklusio“ des Wohnverbunds St. Gertrud – mit Menschlichkeit an Bord. Dichter Qualm strömt aus den Raketendüsen, dazu gibt es Seifenblasen. Aus dem Wagen der „Glücksbärchis“ der Firma Pro-Glas Dommeldinger, die früher Kindern mit Glücksstrahlen geholfen haben, fliegen nun reihenweise Kamelle. Während sich die Kolpingjugend über zehn Jahre Open Air-Kino freut, wollen die Beer-Bitches mit ihrem aufwendig gestalteten Wagen mit Sprungschanze Olympia in das Skigebiet Springe holen und spielen bereits Eishocky auf der Straße.

Glück hatten die Gruppem, die den Regenschutz gleich in ihr Kostüm eingebaut hatten.
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Diese Gruppe griff die Olympischen Winterspiele beim Zug in Morsbach auf.
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Fabelhafte Wesen am Rosenmontag in Morsbach.
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Mit „Konfetti im Herzen und Freude am Leben“ grüßt das Damendreigestirn der KG Tolle Elf aus Reichshof-Wildberg von der Spitze ihres Wagens, gefolgt vom Hofstaat und den Tanzgarden. Gleich darauf zeigt sich das Prinzenpaar der Karnevalsfreunde Schönenbach, ebenfalls mit Gefolge.
Mit von der Partie der befreundeten Karnevalsvereine sind auch der KC Hövels, die Gesellschaften aus Altenkirchen und Wissen sowie der FKC Fensdorf und die Föschber Jecken aus Rheinland-Pfalz. Aus dem Oberbergischen beteiligen sich auch die KG Rot-Weiß Denklinken mit ihrem Prinzenpaar sowie die Waldbröler KG aus der nächsten Nachbarschaft mit ihrer Prinzessin am Morsbacher Rosenmontagszug.
Absolute Hingucker sind etwa die Highspeed-Krawallas, die mit einem Wagen Glasfaser verlegen. Lidija Schmallenbach verrät, dass – anders als geplant – zwar noch nicht alle Häuser einen Anschluss hätten, doch seien die meisten bereits glücklich: „Das war der Grund für uns, dieses Thema auch im Karneval aufzugreifen.“

Auch das Thema Glasfaserausbau wurde im Morsbacher Karnevalszug thematisiert.
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Auch diese beiden Schafe wurden am Rosenmontag in Morsbach gesichtet.
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Nach der Einweihung des Hallenbads greift auch die Leonardo-da-Vinci-Sekundarschule ein lokales Thema auf: „Fünf Jahre Trockenschwimmen – Jetzt Pool-Position“. Und der Festverein Lichtenberg rollt Einkaufswagen über die Straße in voller Hoffnung auf den „Tante Enso“-Laden im Ort und der Kegelklub „Knall Drop“ präsentiert sich mit heißen Rhythmen als Mariachi-Band „2Los Knalldropos“.
Seit 24 Jahren geht auch die Gruppe „Querbeet“ mit. Die Mitglieder kommen diesmal in schwarzen Outfits mit unzähligen Spiegelapplikationen daran – ihr Motto: „Wir halten der Welt den Spiegel vor“ sei der aktuellen Situation geschuldet: „Jeder kann auch mal vor seiner eigenen Tür kehren.“ Silvia Weitershagen ist gebürtige Lichtenbergerin und lebt jetzt seit 18 Jahren in Zürich. Aus der Schweiz hat sie viel Konfetti mit in die frühere Heimat gebracht: „Das gibt es in der Schweiz anstelle von Kamelle.“ Jedes Jahr kommt sie nach Morsbach zum Rosenmontagszug: „Es ist für mich Herzblut, mit meinen Freunden zusammen zu sein.“
Mit zehn Abteilungen und rund 180 Personen bildet die KG Morsbach die größte Gruppe im Zug, angeführt von der Alten Funkengarde, die mit Gleitschirmen über den Asphalt schwebt. Darauf gibt es QR-Codes mit Dating-Links. Zu hören ist, dass in Morsbach die Gerüchteküche kocht: „Wir halten alles im Blick“. Und auf dem Bagage-Wagen steht geschrieben: „Wir fliegen durch die Wölkchen und sehen so manches Fisternöllchen“. Nach den Garden der KG erscheint schließlich Prinzessin Liya I., begleitet von ihren Adjutantinnen Maira Hombach und Victoria Bolte, auf einem neugebauten Wagen im Konfettiregen und feiert mit den Jecken den Höhepunkt ihrer Session.

