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Deutsche Geschichte in OberbergReichsgründung hat Bezüge ins heutige Kreisgebiet

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Coronakonforme Krönung: Solch ein Gedränge wäre derzeit aber auch mit Maske nicht mehr zulässig. Anders als die von ihm beauftragte Bearbeitung des Gemäldes von Anton von Werner beschäftigt sich Marcus Drägers Gastbeitrag ernsthaft mit dem Jahrestag.

Oberberg – Am 18. Januar erinnert der Bergische Geschichtsverein an ein Ereignis, das in mehrfacher Hinsicht für Oberberg bedeutend war: Heute vor 150 Jahren wurde nach dem siegreichen deutsch-französischen Krieg im Spiegelsaal von Schloss Versailles Wilhelm König von Preußen (1797 – 1888) zum Deutschen Kaiser proklamiert. Mit dem Deutschen Kaiserreich formte sich aus den deutschen Kleinstaaten erstmals ein Deutscher Nationalstaat.

Dieser feste äußere Rahmen ermöglichte eine beispiellose wirtschaftliche und gesellschaftliche Prosperität, die auch in Oberberg sichtbar wurde und gemeinhin unter dem Begriff Gründerzeit bekannt ist. 1871 hatte Gummersbach 5539 Einwohner, im Jahr 1900 bereits 10 000 – fast eine Verdoppelung in 30 Jahren.

Oberberger soll den ersten Franzosen erschossen haben

Dieses Deutsche Reich, welches heute von vielen als Hort des preußischen Militarismus angesehen wird, entstand aus dem 1870/71er Krieg. Den ersten Franzosen erschossen haben soll ein Oberberger: der Füsilier Wilhelm Kraus aus Reinshagen. So steht es hinter seinem Namen auf dem Kriegerdenkmal in Morsbach-Holpe.

Der Waldbröler Heimathistoriker Kurt Hamburger hat für den Geschichtsverein recherchiert, dass der in Bohlenhagen geborene Kraus mit den deutschen Truppen am 19. Juli 1870 bei Saarbrücken über die Grenze ging und aus 300 Schritten Entfernung einen französischen Infanteristen erschoss. Aus Berlin bekam er dafür eine Prämie von 30 Talern, die auf den ersten getöteten Franzosen ausgesetzt war. Nur knapp zwei Wochen später ist Kraus im Alter von 23 Jahren selbst gefallen. Auch an anderen oberbergischen Kriegerdenkmälern findet man Hinweise auf den Krieg von 1870/71

Am Ende dieses Krieges stand die pompöse Kaiserproklamation, die die Gründung des neuen Staatswesens symbolisierte.

Oberberger in preußischer Delegation

Die Reichsverfassung war schon zum 1. Januar 1871 in Kraft getreten. Der Titel Deutscher Kaiser und eben nicht „Kaiser von Deutschland“ zeigt deutlich den föderalen Charakter. Es war ein Bund von 22 Fürsten und den drei freien Städten Hamburg, Bremen und Lübeck.

Das Gemälde des Hofmalers Anton von Werner zeigt auf dem Podest in der Mitte Kaiser Wilhelm I. Rechts von ihm bringt mit erhobener Hand der Großherzog von Baden ein Hoch auf den Kaiser aus, links von ihm Kronprinz Friedrich, der spätere Kaiser Friedrich III. Rechts vom Großherzog der Kriegsminister Albrecht Graf von Roon. In weißer Uniform dargestellt ist Otto Fürst von Bismarck, rechts daneben Generalfeldmarschall Helmut Graf von Moltke.

Vielen Gummersbachern dürften diese Namen von ihrer Adresse her bekannt vorkommen. Ein Gummersbacher Landrat konnte aber sogar sagen: „Mein Vater und mein Onkel sind dabei gewesen.“ Friedrich Ludwig von Sybel (1844–1927) war von 1875 bis 1885 Landrat des Kreises Gummersbach. Sein Vater war der preußische Hofhistoriker Heinrich von Sybel. Dieser schrieb zwischen 1889 und 1894 ein siebenbändiges Werk: „Die Begründung des Deutschen Reiches durch Wilhelm I.“ Auch der Bruder seines Vaters, Ministerialrat Alexander von Sybel, gehörte zur preußischen Delegation, die Wilhelm I. in Versailles den Wunsch vortrug, die Krone anzunehmen.

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Die Maske auf dem nachträglich coronakonform gestalteten Bild hätte der Kaiser übrigens zurecht getragen. Ein großes Unwohlsein ist verbürgt, er war wohl erkältet. Er hat nur relativ kurz an der Versammlung teilgenommen und sich dann zurückgezogen.Kammerherr der Kaiserinwar ein Oberberger

Natürlich wurden später im Oberbergischen von den zahllosen Kriegervereinen am 18. Januar sogenannte Reichsgründungsfeiern ausgerichtet, auch wenn Theodor Fontane später schrieb, „bei uns ist immer achtzehnter“ – im Hinblick auf das ständige preußische Säbelrasseln und die Freude an Paraden und Uniformen.

Der neue deutsche Kaiser Wilhelm I. war verheiratet mit Kaiserin Augusta, (1811– 1890) einer geborenen Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Sie liebte das Rheinland, hatte fast zehn Jahre in Koblenz verbracht, als ihr Mann noch als Kronprinz Generalgouverneur der Rheinprovinz war. Als Kammerherrn und später als Oberhofmeister beschäftigte die Kaiserin einen Oberberger: Bertram Maximilian Graf von Nesselrode-Ehreshoven (1817 – 1898).

Marcus Dräger ist Vorsitzender der Oberbergischen Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins.