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Weimarer RepublikMord an Rathenau sorgte für Aufruhr in Oberberg

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OB Rathenau

Hohe Wellen schlug der Mord an Außenminister Walther Rathenau heute vor 100 Jahren auch in Oberberg.  

Oberberg – Heute vor 100 Jahren, am 24. Juni 1922, wurde der damalige deutsche Außenminister Walther Rathenau von Mitgliedern der rechtsterroristischen „Organisation Consul“ ermordet. Der tödliche Anschlag fand im Oberbergischen Kreis erheblichen Widerhall.

Walther Rathenau   engagierte  sich politisch als Liberaler in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP).   Als Realpolitiker, der die schwierigen Bedingungen des Versailler Vertrags in Deutschland umsetzen musste, war er bei denen verhasst, die die Ergebnisse des vom Kaiserreich begonnenen und verlorenen Ersten Weltkriegs nicht wahrhaben wollten. Als Jude und als Demokrat wurde er von denen verachtet, für die die junge Demokratie in Deutschland die „Judenrepublik“ war.

Zehn Schüsse auf Rathenau

Am 24. Juni 1922 ließ sich Rathenau wie üblich von seinem Haus zum Ministerium fahren. Auf der Königsallee in Berlin-Grunewald wurde sein Wagen von einem ebenfalls offenen Mercedes-Tourenwagen überholt, aus dem der 23-jährige Student Erwin Kern zehn Schüsse aus einer Maschinenpistole  abfeuerte und der 26-jährige Maschinenbau-Ingenieur Hermann Fischer eine Handgranate in Rathenaus Wagen warf.

Im Reichstag kam es nach Bekanntwerden des Mordes zu erregten Szenen. Die Vertreter der demokratischen Parteien sahen in den Nationalisten von der „Deutschnationalen Volkspartei“ (DNVP) die geistigen Brandstifter für das Attentat. Bei der Sondersitzung am 25. Juni sprach Reichskanzler Wirth dann in Richtung der DNVP-Fraktion die bekannten Worte: „Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt.  Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: Dieser Feind steht rechts!“

Streiks und Geschäftsschließungen

Landesweit kam es zu Demonstrationen und Protestkundgebungen. Für den 27. Juni und dann noch einmal für den 4. Juli wurde zu Streik und Geschäftsschließungen aufgerufen. Hierüber berichtete auch die Presse im Oberbergischen Kreis. Die „Gummersbacher Zeitung“ schreibt am 27. Juni unter der Überschrift „Befristeter Generalstreik“: „Das Bezirkssekretariat der freien Gewerkschaften für Rheinland, Westfalen und Lippe fordert (...) für Dienstag die Arbeiter und Angestellten zu einer Kundgebung gegen die Feinde der Republik auf und ersucht, von 12 Uhr mittags nicht nur Fabriken, Werkstätten und Straßenbahnen stillzulegen, sondern auch in allen Geschäften, Berufen und Betrieben, den Gemeinde- und sonstigen Verwaltungen, die Arbeit ruhen zu lassen.  Im Oberbergischen soll die Arbeit von 3 – 5 Uhr nachmittags ruhen.“

Tags darauf wird von  Kundgebungen in Gummersbach anlässlich der Beisetzung des Ministers berichtet:  „Nachmittags hatten sich auf dem Schützenplatze Anhänger der sozialdemokratischen Parteien eingefunden, denen verschiedene Ansprachen gehalten wurden. Als die Teilnehmer an der Kundgebung sich zerstreuten, wurden an verschiedenen Häusern schwarz-weiß-rote Fahnenstangen gewaltsam entfernt: eine etwas merkwürdige Ehrung des Toten.“

Reaktionärer Zeitungskommentar

 Die Bewertung  am Schluss zeugt davon, dass die „Gummersbacher Zeitung“  der DNVP nahestand. Schwarz-weiß-rot  waren die Farben der reaktionären  Monarchisten. Weiter heißt es in dem Bericht: „Abends versammelten sich die Anhänger der demokratischen und Zentrumspartei bei Ising, um gleichfalls eine Kundgebung zu veranstalten. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.“

Für den 4. Juli wurde erneut zu Protesten aufgerufen.   Im Oberbergischen muss es daraufhin mehrere Kundgebungen gegeben haben. Der „Oberbergische Anzeiger“ schreibt am 5. Juli: „Die Trauer um den gewaltsamen Tod Rathenaus gab den Linksparteien gestern zu  demokratischen Kundgebungen Anlass, die am Nachmittag in einer mehrstündigen Arbeitsruhe und öffentlichen Umzügen bestand. Im Oberbergischen wurde den Geschäftsleuten und Wirten anheimgegeben, die Lokale durch Zeichen der Sympathie auf mehrere Stunden zu schließen. Die öffentlichen Umzüge, bei deren Auseinandergehen Reden gehalten wurden, die sich auf den Schutz der Republik bezogen, verliefen ordnungsgemäß.“

Rote Fahne am Kaiserdenkmal

Beide Zeitungen berichten über eine Kundgebung in Köln, bei der die Wut über die Monarchisten zum Ausdruck kam: „Ein Teil des nach der rechten Rheinseite zurückkehrenden Zuges war bereits über die Brücke marschiert, als von einem der Teilnehmer eine rote Fahne am Denkmal Wilhelms II angebracht wurde. Das gab der berittenen Polizei, die sich unten an der Brückenrampe aufgestellt hatte, Anlass, das Herunternehmen der Fahne zu fordern.  (...) Außerdem hatte man an dem Reiterstandbild den Degen abgerissen und in den Rhein geworfen sowie die Sporen abgeschlagen und sodann ein Plakat mit der Aufschrift ,Nieder mit dem Monarchismus’ angebracht.“

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Walther Rathenau war Unternehmer, doch es waren Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten, die am engagiertesten gegen seine Ermordung demonstrierten und für die Republik auf die Straße gingen. Ganz ähnliche Pläne wie der damalige Anschlag werden auch bei heutigen rechten Terrorzellen aufgedeckt. Noch eine Parallele: Damals reichten die Verbindungen der Mörder  bis in den Polizeiapparat.  Auch bei  aktuellen Vorfällen gibt es den Verdacht, dass die Polizeiführung bei rechtsextremen Chatgruppen weggesehen hat.

OB Jenders

Gerhard Jenders

Gerhard Jenders ist Vorsitzender des Vereins "Oberberg ist bunt, nicht braun!". Sein Beitrag wird in einer längeren Fassung auf der Homepage des Vereins veröffentlicht.