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BrauchtumIn vielen oberbergischen Ortschaften werden Osterfeuer vorbereitet

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Die Jugendfeuerwehr in Heischeid hat bereits damit begonnen, Holz für das traditionelle Osterfeuer im Reichshofer Ortsteil zu sammeln.

Die Jugendfeuerwehr in Heischeid hat bereits damit begonnen, Holz für das traditionelle Osterfeuer im Reichshofer Ortsteil zu sammeln.

Nabu und Kreisbrandmeister äußern sich zum Umgang mit Osterfeuern.

In vielen Ortschaften im Oberbergischen werden derzeit Holzhaufen für die Osterfeuer am kommenden Wochenende aufgeschichtet. Einige Gruppen sammeln bereits seit mehreren Wochen Holz für die Brauchtumsfeuer. Das reicht von ausgedienten Weihnachtsbäumen über Baum- und Heckenschnitt bis hin zu Paletten und Abbruchmaterial. Beim Aufschichten und Abbrennen ist jedoch einiges zu beachten.

Die Jugendfeuerwehr der Löschgruppe Heischeid aus Reichshof etwa ist seit drei Wochen auf Tour, um Abfallholz aus ihrem Brandbezirk – von Obersteimel bis Eiershagen, von Denklingen bis Oberwiehl – auf Traktoranhänger zu laden und auf die Wiese vor dem Ortseingang zu transportieren. Der 13-jährige Jona ist seit drei Jahren in der Jugendfeuerwehr und jedes Mal begeistert: „Ich freue mich jetzt schon auf das Feuer.“ Kiara (11) ist erst seit zwei Monaten bei der Gruppe: „Cool, das macht echt Spaß“, sagt auch das Mädchen. Neben dem Spaß gilt es aber auch, Rücksicht auf Tiere zu nehmen. Jugendbetreuer Thomas Dick schildert, dass Igel und Hasen gerne in den Holzhaufen Unterschlupf suchen und auch Vögel nicht selten beginnen, darin ihre Nester zu bauen.

Osterfeuer wird erst kurz vor dem Abbrennen aufgeschichtet

Um keine allzu attraktiven Komfortzonen zu schaffen, werde das Holz breitflächig auf der Wiese verteilt – mit breiten Gassen dazwischen. Erst unmittelbar vor dem Abbrennen am Ostersamstag wird das eigentliche Osterfeuer aufgeschichtet. Dick betont: „Das gesamte Holz wird komplett umgelagert – es bleibt nicht ein Ast an der Stelle, wo er zuvor abgeladen wurde.“ Vorbildlich geht die Jugendfeuerwehr mit verarbeitetem Holz um. Der Betreuer unterstreicht: „Auf unser Feuer kommen keine Paletten, kein Zaun und auch kein altes Gartenhäuschen.“ Zu groß sei die Gefahr, dass Nägel oder Schrauben auf der Wiese zurückbleiben: „Im Sommer sind hier schließlich Tiere auf der Weide.“

Michael Gerhard, Vorstandsmitglied des Nabu Oberberg, begrüßt diese Vorsicht: „Aufgeschichtetes Holz- und Ast-Material lockt als Unterschlupf viele Tiere an. Vögel, wie Rotkehlchen und Zaunkönig legen dort ihre Nester an, Kleintiere wie Spitzmäuse suchen hier Zuflucht.“ Wenn solche Haufen dann als Osterfeuer abgebrannt würden, sei das tödlich für die Tiere. Der Nabu rät daher, Holz und Reisig erst kurz vor dem Abbrennen des Osterfeuers aufzuschichten und bereits angelegte Holz- und Reisighaufen vorher noch einmal umzulagern, damit die Tiere nicht den Flammentod finden. Es sei falsch zu denken, dass nach dem aktuellen Kälteeinbruch noch keine Bruten stattfinden: „Viele Singvögel haben schon mit dem Nestbau begonnen.“ Sorgen macht dem Nabu auch der beim Abbrennen freigesetzte Feinstaub: „Nasses Holz und Grünschnitt im Osterfeuer sind besonders bedenklich.“

Löschwasser soll bereit gehalten werden.

Natürlich seien Brauchtumsfeuer nicht die einzige Feinstaub-Quelle, doch sei zu bedenken, ob reine Freizeit-Veranstaltungen wie Osterfeuer solch ein Risiko rechtfertigen. „Brauchtumsfeuer haben ihre Daseinsberechtigung“, sagt Kreisbrandmeister Julian Seeger zu diesem Thema. Im vergangenen Jahr sei die Waldbrandgefahr sehr hoch gewesen, diesmal zeichne sich das jedoch nicht ab. Dennoch sei es notwendig, das Feuer nur in einer Entfernung von mindestens 100 Metern zum Waldrand anzuzünden und ausreichenden Abstand zu Gebäuden zu halten. Permanent müsse das Feuer im Blick behalten werden und es dürften keine Brandbeschleuniger eingesetzt werden. Auf jeden Fall sei es erforderlich, Löschwasser bereitzuhalten und sich rechtzeitig mit dem zuständigen Ordnungsamt in Verbindung zu setzen, so der Kreisbrandmeister weiter.

Für die Gemeinde Reichshof beschreibt Ordnungsamtsleiter Markus Pollmann, dass Brauchtumsfeuer anzeigepflichtig sind. Dafür gebe es ein Formblatt auf der Gemeindeseite, worin etwa der Verantwortliche, die Aufsichtspersonen, der Ort des Feuers und die getroffenen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu benennen seien. Ab einem Waldbrandgefahrenindex der „Stufe 4“ würden Osterfeuer grundsätzlich untersagt. Dieser liege derzeit bei „Stufe 1“ und ein Anstieg sei nicht zu erwarten. Kurz vor Ostern informiert das Ordnungsamt schließlich die Leitstellen von Feuerwehr und Polizei in einer Sammelmeldung über Osterfeuer, um Fehlalarmierungen vorzubeugen: „Diese Vorgehensweise hat sich in den vergangenen Jahren bewährt.“