Unübersehbares FriedenszeichenIn Wildbergerhütte wurde ein alter Schornstein zum Ehrenmal

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Vor dem Ehrenmal in Wildbergerhütte stehen Natascha Leienbach und Hans-Günter Weidenbrücher.

Vor dem Ehrenmal in Wildbergerhütte stehen Natascha Leienbach und Hans-Günter Weidenbrücher.

35 Meter hoch ist der Denkmalturm in Reichshof-Wildbergerhütte und hat eine ganz besondere Geschichte. 

Es ist ein ruhiges Plätzchen am Dorfrand, ab und zu bricht die Sonne durch den Herbsthimmel. Und doch: Der Frieden soll hier weniger selbstverständlich sein als anderswo. Der Denkmalturm in Reichshof-Wildbergerhütte erinnert an die gefallenen Söhne des Dorfs. In den Reden, die am Totensonntag an den Gedenkstätten in Oberberg gehalten werden, wird auch von den anderen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft die Rede sein. In der Ukraine, in Israel und Palästina und anderswo.

Das Ehrenmal auf dem Mühlenberg in Wildbergerhütte ist aber ein besonderes. Vor allem ist es besonders hoch, wahrscheinlich das höchste weit und breit: 35 Meter ragt der Turm in die Höhe. Von weither kann man ihn sehen. Dass das Bauwerk eine Art Wahrzeichen des Dorfs ist und alte Postkarten ziert, liegt aber auch an seiner Vergangenheit. Der ehemalige Schornstein ist das stattliche Überbleibsel der Schmelzhütte, die dem Ort den Namen gab, und verweist somit auf die Blütezeit des Silber- und Bleibergbaus in der Gegend.

Sanierung im vergangenen Jahr

Kein Wunder, dass die Dorfgemeinschaft Wildbergerhütte-Bergerhof sich intensiv um den Denkmalturm kümmert. Erst im vergangenen Jahr wurde eine aufwendige Sanierung abgeschlossen. Der Turm war zwar erst in den 1990er Jahren mit Eigenmitteln und viel Eigenleistung restauriert worden. Damals behalf man sich mit einer Drehleiter. Nun wurde ein großes Baugerüst errichtet, um die wieder aufgetretenen alters- und witterungsbedingten Schäden an der Bausubstanz gründlicher zu beheben. Eine örtliche Fachfirma sanierte den Turm vom Bruchsteinsockel bis hoch hinauf zur Betonplattform. Das Betonkreuz von 1928 ließ man mit Zinkblechen verkleiden, zum Schutz vor weiteren Schäden.

Der Schornstein wurde in den Jahren nach 1819 errichtet, als der Jahrhunderte alte Grubenbetrieb in Wildberg und Heidberg nach einer Pause wieder aufgenommen worden war. Die Schmelzhütte wurde zu einem modernen Werk ausgebaut. Später war die Verhüttung vor Ort nicht mehr wirtschaftlich, und noch vor dem Ersten Weltkrieg legten die Eigentümer die Reichshofer Gruben komplett still. So ist es auf der Informationstafel zu lesen, die die Dorfgemeinschaft vor einem Jahr aufgestellt hat.

Nach dem Ersten Weltkrieg zum Mahnmal umgebaut

Als der Erste Weltkrieg vorüber war, beschlossen Bürger aus Hamert, Wildbergerhütte, Bergerhof und Wildberg, den Schornstein dem Gedenken an die gefallenen Soldaten zu widmen. Der obere Teil des Kamins wurde 1926 abgerissen. Stattdessen bekam der Turm eine Eisentür und eine Drahtseilleiter, über die man im Inneren zu einer kleinen Besichtigungsplattform aus Beton mit einem umlaufenden Eisengeländer gelangte. Dort oben war 1928 ein Eisernes Kreuz aus Beton aufgestellt worden. Doch bald kam es zu einem schlimmen Unfall: Eine Schülerin stürzte von der Leiter und brach sich beide Beine. Daraufhin wurde die Eingangstür am Fuße des Denkmals zugemauert.

Das Geländer oben und die alte Eisentür wurden erst jetzt entfernt. Die habe damals sein Vater geschmiedet, erinnert sich Hans-Günter Weidenbrücher, der im Dorf aufgewachsen ist und es mehr als 30 Jahre lang im Gemeinderat vertreten hat. Doch nicht nur für ihn ist der Denkmalturm ein Teil der Familiengeschichte. Natascha Leienbach, neue Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, hat mit Ehemann Matthias einen gebürtigen Wildbergerhütter geheiratet, der, wie sich erst jetzt herausstellte, vor vielen Jahren als Schüler der 12. Klasse des Waldbröler Hollenberg-Gymnasiums eine heimathistorische Hausarbeit über den Denkmalturm verfasst hat.

Der Turm in Wilbergerhütte.

35 Meter hoch ist das Ehrenmal.

Das Turmprojekt hat Leienbachs Vorgänger Paul Blumberg federführend gemanagt. Er war 14 Jahre lang erster Vorsitzender der Dorfgemeinschaft. Sie selbst war als Beisitzer beteiligt und hat die Infotafel erstellt. Der finanzielle Umfang der Restaurierung belief sich einschließlich des Eigenanteils der Dorfgemeinschaft und erheblicher Eigenleistungen auf 68 000 Euro. 36 000 Euro bekamen die Wildbergerhütter über das Leader-Förderprogramm der EU.

Kranzniederlegung zum Volkstrauertag am 19. November

Früher war die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auch in Wildbergerhütte ein großer Festakt, an dem viele hundert Menschen teilnahmen, erinnert sich Hans-Günter Weidenbrücher. Mit wachsendem Abstand zu den Weltkriegen ist das weniger geworden. Aber so ganz sang- und klanglos wird die Kranzniederlegung am 19. November nicht vonstattengehen. Neben dem Musikzug wird Weidenbrücher selbst mit dem Männergesangverein einen Beitrag zum Programm leisten. Der Auftritt am höchsten Ehrenmal weit und breit ist Ehrensache.


Gedenken

Zum Volkstrauertag am kommenden Sonntag, 19. November, findet an Ehrenmälern im ganzen Kreis Gedenkveranstaltungen statt. So auch in Wildbergerhütte, wo um 11 Uhr der Musikzug Bergerhof und die Chorgemeinschaft Wendershagen-Wildbergerhütte auftreten.

Die zentrale Gedenkveranstaltung, zu der Landrat Jochen Hagt als Vorsitzender des Kreisverbands des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge einlädt, wird wieder auf dem Bergneustädter Friedhof an der Oststraße abgehalten. Beginn ist um 11.30 Uhr. 

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